Schlagwort-Archive: Eusébio

* 9. Februar 1931 – † 29. Juni 2015


Veröffentlicht am 29. Juni 2015

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Josef Masopust

Ihm gelang, was weder Diego Maradona noch Lionel Messi ihr Eigen nennen können. In einem WM-Endspiel schoss er ein Tor. Es war 1962 im Estadio Nacional de Chile zu Santiago, wo aktuell die Copa América 2015 ihrem Höhepunkt entgegen schwingt. Ein Mann aus dem großen Gestern des Fußballs war Josef Masopust, dessen Geburtsdorf Střimice schon in den Fünfziger Jahren dem Bergbau weichen musste. Am 9. Februar 1931 wurde er dort geboren, in Prag ist er nun am 29. Juni 2015 im Alter von 84 Jahren gestorben. Von 1952 bis 1968 spielte er für seinen geliebten Verein Dukla Prag, stand in 333 Spielen für den Club auf dem Platz und schoss 69 Tore. Im linken Mittelfeld zog er die Fäden und agierte stets auf technisch hohem Niveau. Es waren vor allem und ständig die Südamerikaner, unter ihnen der große Pelé, die ihn als „Brasilianer“ bezeichneten – zur damaligen Zeit noch ein uneingeschränktes Kompliment – damit seine Brillanz am Ball und seine spielerische Leichtigkeit ehrten. 1954 debütierte er im Nationalteam der Tschechoslowakei, 1966 beendete er nach 63 Länderspielen seine Karriere in der Nationalmannschaft. Mit Dukla wurde er achtmal Meister in seiner Heimat, der größte Triumph allerdings in der Niederlage. In besagtem Endspiel der WM in Chile gelang ihm am 17. Juni 1962 der Treffer für die Ewigkeit. Es war die 15. Minute, als die Tschechoslowakei den Favoriten schreckte und durch Josef Masopust mit 1:0 in Führung ging. Am Ende siegten die Brasilianer mit 3:1. Masopust kehrte mit seinem Team als Vizeweltmeister in die Heimat zurück, bejubelt und geehrt, als wäre man mit dem Titel heimgekommen. Seine Ehrungen waren damit nicht zu Ende. Im Jahr 1962 umgehend der größte persönliche Triumph. Josef Masopust wurde vor dem legendären Eusébio und dem deutschen Defensivstrategen Karl-Heinz Schnellinger Europas Fußballer des Jahres und gewann den Ballon d’Or. Bis 2003 blieb er der einzige Tscheche, dem diese Auszeichnung verliehen wurde, 2003 folgte ihm darin sein bei Juventus spielender Landsmann Pavel Nedvěd. In seiner Heimat trauert man weit über die Fußballszene um Josef Masopust. Die kleine Nation hat einen großen Sportler und Zeitzeugen verloren.

Redaktion Magath & Fußball

Der kompletteste Spieler


Veröffentlicht am 30. Mai 2014

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„Di Stéfano, da gibt es keinen Zweifel. Cruyff, Beckenbauer, Pelé, Maradona, Charlton, Eusébio …, wir alle waren auf einer Stufe. Doch di Stéfano spielte in einer anderen Liga. Er war der kompletteste Spieler, den es im Fußball je gegeben hat.“

(Eusébio, Diario de Notícias, 2005)

Licht und Fado


Veröffentlicht am 21. Mai 2014

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Im „Estádio da Luz“ steigt das CL-Finale 2014

Von außen ist ein Fußballstadion selten ein schöner Ort, seine Funktionalität und Aufgabe verbietet den großen Glanz, auch manch Lichtspiel kann darüber nicht hinwegtäuschen. Nähert man sich einem Stadion und betritt es, verschieben sich die Perspektiven, die Betrachtung wird milder. Menschen in der Erwartung auf Fußball machen den Ort lebendig und von innen schön, das Stadion wird dann zur Kathedrale des „kleinen Mannes“. „A Catedral“ nennt der portugiesische Volksmund auch das Lissaboner Stadion „Estádio da Luz“, selbst im Deutschen klingt es noch nach einem Filmtitel für den Emotionskanal: „Stadion des Lichts“. Weiterlesen

Eusébio – der schwarze Panther


Veröffentlicht am 5. Januar 2014

Portugals Fußballikone verstorben

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Der Dichter Rilke kannte keinen Fußball und lebte lange vor Eusébio, aber er schrieb wunderbare Zeilen über einen Panther, so als hätte er den „Pantera Negra“ spielen gesehen.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

In den 60ern war Eusébio einer der besten Fußballspieler der Welt. Viele Große sind nach ihm gekommen und längst wieder vergessen. Aber sein Name blieb, gehört zu den Juwelen des Weltfußballs, Eusébio hat Klang und Magie eines Fußballgiganten, sein Name und sein Andenken sind längst unsterblich. Den Europapokal der Landesmeister gewann Benfica Lissabon 1961/1962 auch dank seiner beiden Finaltore, man besiegte Real Madrid mit 5:3 im Endspiel zu Amsterdam. Bei der WM 1966 wurde er im Mutterland des Fußballs Torschützenkönig und verzauberte Fußballfans rund um den Globus. Man nannte ihn „Schwarzer Panther“, seine extrem schnellen Bewegungsabläufe und blitzschnellen Vorstöße machten ihn berühmt. Er war nicht einzufangen. Seinem Club Benfica Lissabon diente er von 1960 bis 1975 und schoss in 301 Spielen 307 Tore für diese große Fußballliebe seines Lebens. In seiner Zeit war Weltklasse noch eine besondere und nicht inflationäre Auszeichnung, er hatte dieses Gütesiegel ein Jahrzehnt getragen, sich Respekt von Mitspielern und Gegnern gleichermaßen stets verdient.

Aufgewachsen in einem Elendsviertel der damaligen portugiesischen Kolonie Mosambik, schaffte er mit seinem Talent und eisernem Willen den Aufstieg durch Fußball. Er hatte niemals vergessen woher er kam, er blieb immer ein Freund der kleinen Leute. Portugals Fußballfans und eine ganze Nation liebten diesen Mann. Weit über seine Karriere hinaus blieb er das große Sportidol seines Landes, keiner kam ihm gleich. Persönliche Eitelkeiten waren ihm nicht nur fremd, sie waren ihm auch zuwider. Als Botschafter seines Verbandes fieberte er immer wieder mit seiner portugiesischen Nationalmannschaft, bei jedem Turnier sah man ihm Aufregung und pure Freude gleichermaßen aus den Augen blitzen, er lebte keinen Fußball, er war Fußball. Seine Herzlichkeit war entwaffnend und seine Leidenschaft war groß, seine Menschenliebe so natürlich wie sein Fußballtalent phantastisch. Ein großes und menschliches Vorbild. Nun ist Eusébio da Silva Ferreira im Alter von 71 Jahren am 5. Januar 2014 in Lissabon gestorben. Ehre dem Andenken eines großen Sportlers, Fußballers und Menschen.

Redaktion Magath & Fußball

Helden und Tomaten


Veröffentlicht am 17. September 2013

Italien unterliegt bei der WM 1966 Nordkorea

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Wer möchte Fußball ohne Pathos? Englische Zeitungen machen da keine Ausnahme und sind in ihrer Arbeit meistens brillant, manchmal hämisch. „Der Untergang des römischen Reiches ist nichts dagegen“ titelten die Blätter am 20. Juli 1966 über ein Spiel, das einen Tag zuvor im Ayresome-Park zu Middlesbrough vor knapp 20.000 Zuschauern über die Bühne ging. Es war angesagt die Weltmeisterschaft im Mutterland des Fußballs. Wir richten unser Augenmerk nicht auf eine Torlinie in Wembley – der 30. Juli 1966 scheint noch fern – sondern auf die Gruppe D.  Weiterlesen