Schlagwort-Archive: Fabio Capello

Big Sam


Veröffentlicht am 17. Oktober 2015

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Solides Handwerk in Zeiten großer Töne

Zwei Trainer, zwei Welten. Während aus Liverpool die Halleluja-Klänge das ganze Königreich und gleich noch den Kontinent überschwemmten, drang aus Sunderland eher ein dumpfer Hammerschlag der Ernüchterung in die englische Fußballwelt. Der FC Liverpool hofft vom neuen Messias den Flug zu den Sternen, also Titel. Der AFC Sunderland wünscht sich von Sam Allardyce die Rettung vorm Abstieg. Ist der Stuttgarter Jürgen Klopp etwas für das glanzvolle Parkett einer neuen Fußballwelt, steht der Mann aus Dudley für den Job an der Ruderpinne der Galeere Fußball. Während Klopp von eigener Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme redet, wuchtet sich der von Freund und Feind oft als Big Sam titulierte Allardyce wie ein Schwergewichtsboxer auf den Stuhl. Falls Jürgen Klopp die Nouvelle Cuisine der Premier League darstellen soll, so ist Sam Allardyce längst deren Eintopf, solide bis auf den letzten Knochen. Allardyce hat alles durch im englischen Fußball, sofern es sich um dessen tabellarische wie spielerische Niederungen handelt. Als Kicker war Allardyce ein kantiger Abwehrspieler, eher robust als technisch beschlagen, in Bolton bei den Wanderers lief er von 1973 bis 1980 mit Schnauzer und breiter Brust in 184 Spielen auf, schoss als Defensivmann sogar 21 Tore. Sein größter Triumph als Spieler war der Aufstieg von der zweiten in die erste englische Fußballliga. Weiterlesen

Vieles im Argen


Veröffentlicht am 21. Juli 2015

Andrey Arshavin: Nur eines von vielen nicht eingelösten Versprechen.

Andrey Arshavin: Nur eines von vielen nicht eingelösten Versprechen.

Russlands Fußball versinkt in der Bequemlichkeit seiner Spieler

Ohne Schwung stolpert der russische Fußball Richtung Heimvorteil des WM-Turniers 2018. Der ungeliebte wie auch erfolglose Nationaltrainer Fabio Capello ist nicht mehr im Amt. Öffentlich verbreitete Abfindungszahlen machen weiter die Runde, pendeln sich zwischen elf und 14 Millionen Euro ein. Viele Gerüchte, niemand weiß genaues, aber gerade dann wird ja gerne viel und oft geschrieben. Die Person Capello dient dabei auch als gutes Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen. Als der Italiener sich von seiner Nationalmannschaft in einem für den Anlass angemieteten Moskauer Edellokal verabschieden wollte offenbarte seine Ex-Truppe erneut ihr egoistisches Gesicht. Außer einigen Betreuern der medizinischen Abteilung kamen ganze vier Spieler zum Abendessen. Capello mag eine Menge falsch gemacht haben, die russische Seele – was immer das sein mag – ist auch für einen Italiener nur schwer zu ergründen. Aber am desaströsen Eindruck der russischen Nationalmannschaft sind vor allem bequeme und satte Fußballer Schuld, deren höchstes Anliegen finanzstarke Verträge sind und nicht mehr die zu erbringende sportliche Leistung. Weiterlesen

Zwischen Ruhm und Schande


Veröffentlicht am 12. Juli 2015

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Roberto Boninsegna

Anhängern der Gladbacher Borussia treibt sein Name bis heute Zornesröte ins Gesicht. Seine große Zeit war der Beginn der Siebziger Jahre. 1970/71 wurde er mit Inter Mailand erstmals italienischer Meister und gleichzeitig Torschützenkönig der Serie A. Die Rede ist von Roberto Boninsegna, dem 1943 im lombardischen Mantua geborenen Stürmer. Bei der legendären Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko war er einer der Torschützen im Jahrhundertspiel Deutschland – Italien, hatte dort die frühe 1:0-Führung für die Italiener besorgt, die anhielt bis „ausgerechnet Schnellinger“… Im Endspiel gelang Boninsegna für Italien der 1:1-Ausgleichstreffer gegen den späteren Weltmeister Brasilien. Damals stand noch eine Seleção auf dem Platz, die niemand aufhalten konnte, Italien ging chancenlos mit 1:4 unter. Boninsegna wurde 1971/72 nochmals Torschützenkönig der Serie A und machte bis zum Ende seiner Inter-Zeit insgesamt 171 Tore für den Nobelclub aus Norditalien. Bis heute Platz drei der ewigen Inter-Bestenliste. Boninsegnas 1976 erfolgter Wechsel zu Juventus Turin – als Wunschspieler von dessen Trainer Giovanni Trapattoni – brachte ihm noch zwei italienische Meistertitel und den Sieg im UEFA Cup. An seine große Zeit von 1970 bis 1972 konnte er aber nicht mehr anknüpfen. 1980 beendete Boninsegna in Verona seine aktive Laufbahn, die ihm auch 22 internationale Einsätze für die Squadra Azzurra bescherte, in denen er neun Treffer erzielte. Weiterlesen