Schlagwort-Archive: Furia Roja

Meister ihrer Zunft


Veröffentlicht am 27. Juni 2014

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Cesare Prandelli legt sein Amt nieder

Er verbucht den spektakulärsten Rücktritt der Vorrunde. Selbst wer seinen Lebenslauf nicht kennt, begreift sofort, was dieser Mann ist, eine echte Persönlichkeit. Ein Mensch und Fußballtrainer mit Würde, Kanten, Facetten und Klugheit, dessen Lebensblick weit über das Planquadrat Rasen hinausgeht, der Mitgefühl entwickeln kann, wo andere nur in Siegerposen denken. Sein Abgang als italienischer Nationaltrainer macht die internationale Trainerbühne um einen menschlichen Faktor ärmer.

Vicente del Bosque bleibt Nationaltrainer von Spanien

Die Überlegenheit, welche er zeitlebens mit so viel Anstand zu behaupten wusste, entsprang nicht eitler Geltungssucht, sie beruhte vielmehr auf seinen menschlichen Fähigkeiten und seiner fachlichen Kompetenz. Vicente del Bosque trägt sein Wesen nicht zu Markte und ist dennoch ein außerordentlicher Mann, dessen Gedanken über den Fußball nie abreißen und dennoch das Leben immer im Blick behalten. Was er sagt, ist stets gehaltreich. Ein Mensch von hohen Graden bleibt dem Weltfußball erhalten. Er hätte sich die Schuld für das WM-Aus der Furia Roja auf seine Schultern geladen, auch darin wieder ein Geber und kein Nehmer. Der spanische Verband zeigt Stil und Umsicht, spricht dem Mann aus Salamanca weiterhin das Vertrauen aus und handelt danach. Eine Entscheidung gegen den billigen Trend des Traineropfers. Ein richtiges Zeichen. Chapeau!

Redaktion Magath & Fußball

Niederlage = Neuanfang?


Veröffentlicht am 23. Juni 2014

„Die Leute sagen, dass man nach einer Niederlage eine Revolution, einen Neuanfang braucht. Wenn man darüber nachdenkt, muss man sich aber auch fragen, ob es wirklich nur die Verantwortung der erfahrenen Spieler ist. Hatten wir nicht auch junge Spieler? Warum attackiert jetzt jeder die Veteranen? Ich finde es nicht fair, nur die Älteren zu beschuldigen. Wir müssen daran denken, dass wir zusammen verloren haben. Nicht nur die Veteranen, nicht nur die jungen Spieler. Wir müssen fair bleiben. […] Ich glaube nicht, dass wir viele Spieler haben, die aufhören müssen. Aber vielleicht sehen Sie das ja anders.“

(Vicente del Bosque, Pressekonferenz in Curitiba, 22. Juni 2014)

Raues Klima für Weltmeister


Veröffentlicht am 21. Juni 2014

Deutschland hält die Fahne der Weltmeister hoch, der Auftakt gelang. Nun wartet also Ghana, dazu später mehr auf diesen Seiten. Mit der Furia Roja und den Three Lions flogen bereits zwei ehemalige Titelträger recht sang- und klanglos aus dem Turnier. Ohnmacht in Spanien, Déjà-vu in England, Ratlosigkeit bei beiden. Spanien holte allerdings drei große Titel in den letzten sechs Jahren, davon wagen sie in England nicht mal mehr zu träumen, zu lange inzwischen die Durststrecke, ein Ende nicht in Sicht, die Fans in Trauer. Beim Gruppenendspiel Italien gegen Uruguay wird es den nächsten alten Champion erwischen. Die Urus haben sich wiederbelebt, setzen auf den kontinentalen Heimvorteil und Luis Suárez. Wogegen die Squadra Azzurra bei ihrem zweiten Auftritt alle italienischen Fußballtugenden in der Kabine ließ und mit dieser Nichtleistung selbst den eigenen Trainer erschreckte. In der sogenannten „Weltmeistergruppe“ triumphiert das kleine Costa Rica mit Mannschaftsgeist und heizte den großen Namen mächtig ein, steht bereits im Achtelfinale. Frankreich konnte immerhin zweimal gewinnen, zuletzt kam die vollmundige Schweiz von Ottmar Hitzfeld unter die Räder der Équipe Tricolore. Die Motoren von Brasilien und Argentinien stottern eher als dass sie Glanz verströmen. Einige Titelträger also auf dem vorzeitigen Rückweg, andere Ex-Champion noch mit Ambitionen und Möglichkeiten. Die Spannung steigt unterm Zuckerhut, potentielle Thronerben zeigen sich bissg und wild entschlossen, das Klima für Weltmeister bleibt rau und ungemütlich.

Redaktion Magath & Fußball

Triumph der Einfachheit


Veröffentlicht am 16. Juli 2013

Vicente del Bosque prägt mit seiner Persönlichkeit den spanischen Fußball

imago10902593m_cSchwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt. Vicente del Bosque weiß um Bürde und Flüchtigkeit einer von „König Fußball“ verliehenen Regentschaft. Weltmeister! Empfang beim König. Liebling der Nation. Milde lächelnd nahm er die Ehrungen hin. Die Gedanken sind ihm auch im Erfolg nicht ins Gesicht geschrieben. Der wirkliche Triumph stand allerdings noch bevor. Xavi und Iker Casillas, Weltstars beide, wussten, wie sie ihrem Trainer danken konnten. Sie brachten dessen geliebten Sohn Alvaro mit auf das Oberdeck des Busses, der die Furia Roja durch das euphorisierte Madrid fuhr. Del Bosque, dessen Sohn am Down-Syndrom leidet, zeigte Rührung und alle Anstrengung des WM-Turniers fielen von ihm ab. Weiterlesen