Schlagwort-Archive: Happel

Selbstaufgabe


Veröffentlicht am 16. Oktober 2015

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Bundesliga verabschiedet die Meisterschaft

Die Zwerge kapitulieren. Den Bayern ist kein Vorwurf zu machen, sie haben sich das hereinbrechende Gesamtlob verdient, erspielt und über Jahre erarbeitet. Das nötige Kleingeld für Mario Götze, Robert Lewandowski, Diego Costa, Arturo Vidal und allem was sonst an Personal nötig selbstverständlich stets zur Hand. En passant haben sie nun auch den Kampfgeist in der Liga des Weltmeisters gebrochen und pulverisiert, eine neue Qualität, so noch nicht dagewesen. Die Kapitulation der ehemaligen Gegner, vielleicht die größte Leistung der Bayern. Die Bundesliga ist von Angst befallen, in einer Art vorauseilendem Gehorsam gehen keine sportlichen Kampfansagen Richtung München, sondern nur noch der kollektive Kotau. Ein Mix aus Huldigungs- und Ergebenheitsadressen erreicht den Tabellenführer im Minutentakt. Vermeintliche Konkurrenten für wenigstens ein Spiel senden Gesten der Selbstaufgabe. Die Übungsleiter schauen aus dem Trainingsanzug wie verirrte Lämmer vor der Schlachtbank, huldigen dem Bayern-Spiel und dessen Trainer schon vor Anpfiff. Staunend, wie Kleinkinder im Spielzeugladen, bedanken sie sich artig, wenigstens dabei sein zu dürfen. Zauberlehrlinge bestaunen Merlin. Wie wirkt dieses Verhalten der Verantwortungsträger eigentlich auf die ihnen anvertrauten Spieler und Mannschaften? Von denen darf doch der Fan und Zuschauer Leistung, Kampf und Einsatz sowie Tore, Siege und Punkte erwarten. Wo ist im Bundesliga-Alltag des Jahres 2015 nur die Courage früherer Herausforderer geblieben? Weiterlesen

Jupp Heynckes über Happel, Taktik und die WM ’78


Veröffentlicht am 18. Dezember 2014

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„Der große Happel ist ein Lichtblick in einer WM des Umbruchs. Das Finale war ein Duell zweier großer Trainer, wobei die Holländer nicht mehr über die individuelle Qualität verfügten wie vier Jahre zuvor in München, sich aber mit einer bemerkenswerten Gesamtleistung präsentierten. Bei der WM 1974 konnten Cruyff und Neeskens fast ohne Trainer auskommen, sie waren so enorm begabt. Ich will damit die Rolle von Rinus Michels nicht schmälern, aber Ernst Happel war für das 78er Team von herausragender Bedeutung. Ihm vor allem ist es zuzuschreiben, dass es eine so starke WM absolvierte. Happel, einer der bedeutendsten Fußballtrainer der Geschichte, hatte die Mannschaft perfekt eingestellt. Die Niederländer haben natürlich im Raum gespielt, in der Abwehr hatten sie ihre Zonen, für die der jeweilige Spieler verantwortlich war. Den Sturm bildeten drei Mann, sie spielten ähnlich wie Ajax Amsterdam. Ein wesentlich taktisches Merkmal war das Pressing einer vorgezogenen Abwehrkette. Happel baute die Abwehr circa 20 Meter vor der Mittellinie auf, um den Gegner früh zu stellen und ihm vom eigenen Tor wegzuhalten. So verlagerten sie das Spiel in die gegnerische Hälfte. Mit dieser Taktik hat Happel es nicht nur bist ins Finale gebracht, er hat auch noch die 90 Minuten überstanden, ehe seine Mannschaft in der Verlängerung verlor.“

(Jupp Heynckes, Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek, München 2005)

Von Wiener zu Wiener – Merkel über Happel


Veröffentlicht am 5. August 2014

Max Merkel - Trainer

Max Merkel

„Den Wert eines Fußballtrainers bestimmen am allerwenigsten die Zensuren auf der Sporthochschule. Der Happel Ernst aus Wien hat nie eine Sporthochschule besucht, denn er besitzt, was den meisten fehlt: ein Fußballhirn. Bei ihm funktioniert die Intuition viel besser als die Definition. Mit diesem Fußballhirn läßt sich nirgendwo ein Doktorhut erwerben. Alle Abermillionen Zellen in diesem Bregen müssen irgendwie auf Fußball und auf Spiel eingestellt sein. Denn beim Pokern oder Roulette siegt der Happel auch wie in Trance. Wenn seine Mannschaft trainiert, neue Spielzüge einübt, dann guckt der Aschyl scheinbar gelangweilt in den Büschen ringsum nach, ob verirrte Bälle herumliegen. Schlaue Spieler denken, jetzt hat er meinen Fehler nicht gesehen. Aber er hat. Happel ist wie der Argentinier Menotti ein Kettenraucher, der mit einem Glimmstengel im Mundwinkel auffordert, die Gefahren des Tabakgenusses zu meiden.“

(Max Merkel, Kolumne Der Spiegel, 14. Juni 1982)

Vujadin Boškov


Veröffentlicht am 28. April 2014

* 16. Mai 1931 – † 27. April 2014

* 16. Mai 1931 – † 27. April 2014

Er war einer der bedeutenden Trainer seiner Zeit, kreuzte von den Siebziger bis in die Neunziger Jahre mit den Großen seines Gewerbes die Klinge, ob  sie nun Michels, Happel oder Miljanić und Trapattoni hießen. Fußball war für Vujadin Boškov ein Laufspiel, Disziplin die Grundlage eines erfolgreichen Teams. Seinen Spielern machte er den Fußball als ernsthaften Beruf klar. Er erwarte leistungsförderndes Verhalten auch neben dem Platz und in der Freizeit. Für ihn hatten Sportler anständig und vernünftig zu leben. Zuwiderhandlungen gegen Vereinsinteressen oder mannschaftsschädigendes Verhalten durch Unaufmerksamkeit und Missachten seiner taktischen Vorgaben bedachte er mit Geldstrafen oder mit Ausschluss. Er mochte offensiven Fußball unter Berücksichtigung von defensiven Notwendigkeiten und setzte stets auf mannschaftliche Geschlossenheit. Seine Leidenschaft galt dem Mannschaftssport Fußball, nicht der sich ausbreitenden Individualität der Spieler.

Als Spieler war Vujadin Boškov sieben Jahre für sein Land Jugoslawien aktiv, spielte bei den Weltmeisterschaften 1954 und ’58, brachte es auf 58 Länderspiele. Als Trainer holte er 1997/1980 das Double mit Real Madrid, unterlag ein Jahr später mit den Madrilenen dem FC Liverpool im Endspiel der Landesmeister auf europäischer Bühne. Von 1986 bis 1992 prägte er die größte Zeit von Sampdoria Genua. Rückgrat seines Sieger-Teams waren Verteidiger Pietro Vierchowod, Mittelfeldspieler Attilio Lombardo und die legendären Stürmer Roberto Mancini und Gianluca Vialli. Roberto Mancini bezeichnet Boškov bis heute als sein sportliches und menschliches Vorbild. Mit Sampdoria holte Vujadin Boškov einen Scudetto, zwei Pokalsiege, den Europapokal der Pokalsieger und erreichte wieder das Endspiel im Landesmeistercup, musste sich dort am 20. Mai 1992 im Londoner Wembley-Stadion in der Verlängerung dem FC Barcelona mit Trainer Johan Cruyff und Kapitän Pep Guardiola 0:1 geschlagen geben.

In Genua und ganz Italien verehrt, ist der große Trainer Vujadin Boškov nun in seiner serbischen Geburtsstadt Novi Sad im Alter von 82 Jahren verstorben.

Redaktion Magath & Fußball

Vor 30 Jahren – Grêmio vs. HSV


Veröffentlicht am 11. Dezember 2013

Grêmio Porto Alegre – Hamburger Sportverein 2:1

Grêmio Porto Alegre - Hamburger Sportverein

Grêmio Porto Alegre – Hamburger Sportverein

Am 11. Dezember 1983 standen sich der Hamburger SV und Gremio Porto Alegre aus Brasilien, im Nationalstadion von Tokio, vor 62.000 Zuschauern im Weltpokal-Endspiel (TOYOTA-Cup) gegenüber. Schiedsrichter der Finalpaarung war der Franzose Michel Vautrot. Der HSV spielte in folgender Besetzung: Uli Stein, Bernd Wehmeyer, Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus, Michael Schröder, Jimmy Hartwig, Jürgen Groh, Wolfgang Rolff, Felix Magath, Allan Hansen, Wolfram Wuttke. Trainer war Ernst Happel. Das Team aus Brasilien gewann die Partie nach 120. Minuten in der Verlängerung mit 2:1. Doppeltorschütze für die Brasilianer war Renato. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Hamburger besorgte Michael Schröder in der 85. Minute. Aus Anlass dieses Endspiels führte das TV-Format und Sport- wie Fußballmagazin G1/Globo Esporte aus Brasilien ein Interview mit Felix Magath, welches wir an dieser Stelle nachfolgend veröffentlichen. Weiterlesen

Zu sehr Freunde


Veröffentlicht am 21. November 2013

„Wir haben so viel erlebt, ich muss aufhören. Mit zu viel Siegen geht die Disziplin zurück. Wir werden zu sehr Freunde. Man leidet und weint, man lacht und gewinnt zusammen. Und das darf nicht zu lang dauern.“

(Ernst Happel über seinen Abschied bei Feyenoord Rotterdam, Pressekonferenz, 24. Mai 1973)

Raymond, der Hexenmeister


Veröffentlicht am 5. November 2013

Belgischer Trainer holt ersten Champions League Titel

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Wegen seines leidenschaftlichen Konsums von Zigaretten und einem lebenslangen Faible für Trenchcoats hätte man ihn mit Humphrey Bogart verwechseln können. In Belgien nannten sie ihn auch „Raymond, der Anarchist“ oder „Raymond, der Magier“. Wegen seines zerknautschten Auftretens hatte er früh den Spitznamen Columbo weg. Der Vergleich mit dem legendären TV-Inspektor amüsierte ihn ein Leben lang. Einer der am Ende jeden Fall aufklärt und noch als Gewinner die Szene verlässt war nach seinem Geschmack. Der Belgier Raymond Goethals, geboren am 7. Oktober 1921 in Brüssel und dort am 6. Dezember 2004 auch gestorben, gewann als erster Trainer die neu geschaffene Champions League, da war er bereit 72 Jahre. Im ersten Endspiel dieser Art, nach Abschaffung des Europapokals der Landesmeister, besiegte Goethals Team Olympique Marseille 1993 im Münchner Olympiastadion den AC Milan mit 1:0. Das Ereignis inzwischen historisch. Weiterlesen

Der Trainer und sein Spielmacher


Veröffentlicht am 29. Oktober 2013

„Auch seinen Spielmacher Felix Magath versteht Happel intuitiv. Er lernt ihn als einen Spieler kennen, der äußerst gewissenhaft das Training durchzieht und nie Eskapaden liefert. Für Happel ist Magath fast zu ruhig, nur einmal sieht er ihn explodieren, als er nach einem Training die Schuhe in die Ecke schmeißt. Magath schaut sich, wie er in einem Interview mit Haruka Gruber sagt, viel von Happel und dessen Vorgänger Zebec für die eigene Trainingsarbeit ab: ‚Die Stärke von Ernst Happel und Branko Zebec war ihre kuriose Sprache. Man musste sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.‘ Happel verteidigt auch Magaths Ansprüche auf die Rolle des Mittelfeldregisseurs in der Nationalmannschaft.“

(Klaus Dermutz, „Ernst Happel – Genie und Grantler“, Verlag die Werkstatt, 2012)

Ernst Happel (IV) – Bondscoach


Veröffentlicht am 12. Oktober 2013

Ein Österreicher führt Holland zur WM 1978

Jan Zwartkruis (links) war erst Vorgänger, dann Co-Trainer und schließlich auch Nachfolger Ernst Happels (Mitte) als Niederländischer Nationaltrainer. In Argentinien glückte den beiden 1978 beinahe der ganz große Wurf.

Jan Zwartkruis (links) war erst Vorgänger, dann Co-Trainer und schließlich auch Nachfolger Ernst Happels (Mitte) als Niederländischer Nationaltrainer. In Argentinien glückte den beiden 1978 beinahe der ganz große Wurf.

Die Sache mit dem Bondscoach macht er nebenher aber natürlich wieder richtiger als andere, er kann so etwas, deshalb bleibt er auch Trainer beim FC Brügge. Die Holländer vertrauen ihm in Fußballdingen und als Mensch. Es hagelt auch Vorwürfe, die Journaille. Kritikaster schreien Wettbewerbsverzerrung, die Holländer haben in ihrer Qualifikations-Gruppe schließlich Belgien als Gegner und die sind mit Spielern vom FC Brügge gespickt. Happel lernt neue Facetten journalistischer Spekulationsblasen kennen, seine Abneigung gegen den Berufszweig wächst weiter. Ungerührt vom Gekreische macht er sich ans Werk. Die Qualifikation wird souverän bewältigt. Die Mannschaft spielt gut, man findet zu alter Stärke, Happels Handschrift gewinnt schnell Kontur. Mit Johan Cruyff und Wim van Hanegem sagen allerdings seine besten Spieler das WM Turnier aus unterschiedlichen Gründen ab. Die Garanten für unbedingten Siegeswillen und Spielkultur waren abhandengekommen. So etwas störte Happel nicht, er setzte trotz dieses Verlustes auf Offensivfußball, das vorhandene Personal und Pressing. Weiterlesen