Schlagwort-Archive: Helmut Schmidt

Persönlichkeit und Aufbruch


Veröffentlicht am 11. November 2015

Helmut Schmidt beim WM-Finale 1974 im Münchner Olympiastadion. Im Hintergrund DFB-Präsident Dr. Hermann Gösmann (links) und DFB-Vizepräsident Hermann Neuberger.

Helmut Schmidt beim WM-Finale 1974 im Münchner Olympiastadion. Im Hintergrund DFB-Präsident Dr. Hermann Gösmann (links) und DFB-Vizepräsident Hermann Neuberger.

Die Ethik eines Helmut Schmidt könnte dem organisierten Fußball als Vorbild dienen

Ein altes Indianersprichwort sagt: „Wie groß ein Baum war, lässt sich erst ermessen, wenn er gefällt ist.“ Auch Indianer können irren. Die Größe von Helmut Schmidt war schon messbar, als dieser längst nationaler Kompass für Anstand, Umsicht, Integrität und Pflichterfüllung, dabei der Nation vorlebte, was ein Staatsmann sein kann. Der charismatische Hanseat brauchte zur Entfaltung seiner Wirkung kein Amt, es genügte die Kraft seiner Worte, die Autorität seiner Persönlichkeit und sein gelebter Wertekanon. Eine Persönlichkeit aus diesem Holz täte auch dem DFB gut. Man sucht und spekuliert aktuell nämlich über den neuen Fußballboss in Deutschland. Das Format Schmidt gibt’s natürlich nicht mehr in der Politik und schon gar nicht im Sport, an Stelle von Persönlichkeit ist längst eine blasse Harmlosigkeit getreten. Dennoch müssen weiter Führungspositionen besetzt werden. Der DFB benötigt dringend eine Mischung aus Aufräumer und Gestalter, mit lauterem Charakter und einem Höchstmaß an Seriosität. Der größte Sport-Fachverband der Welt braucht klare Kante und eine transparente Führung, muss in Gesamtheit den Willen, die Kraft und den Mut zum Neuanfang aufbringen, den Aufbruch gestalten. Nur durch die schonungslose Aufarbeitung und Bewältigung aller aktuellen Krisen kann ein Reset gelingen. Dabei gilt es, dringlich und zuallererst an fast sieben Millionen Mitglieder zu denken und nicht an eine Wohlfühloase von jahrzehntelangen Duzfreunden mit dem Hang zu latenter Kumpanei. Für einen glaubhaften Neuanfang könnte natürlich die Ethik eines Helmut Schmidt eine gute Richtschnur sein. Selbiger Schmidt schlug oft bei Mark Aurel nach. Dieser römische Kaiser und Philosoph ist nicht die schlechteste Lektüre für Verantwortungsträger. In seinen Betrachtungen kann man lesen: „Der Schein ist ein gefährlicher Betrüger. Gerade wenn du glaubst, mit ernsten und hohen Dingen beschäftigt zu sein, übt er am meisten seine täuschende Gewalt.“ Auch Sportfunktionären ist der Griff zum Buch nicht verboten. Sollte dem Deutschen Fußball-Bund ein ehrlicher Aufbruch nebst Selbstreinigung glaubhaft gelingen, woran zum jetzigen Zeitpunkt leider noch gezweifelt werden darf, könnte und sollte von Deutschland ein starker Impuls ausgehen, um im Augiasstall FIFA wirklich auszumisten. Es wäre dringend nötig. Dem Fußball möchte man es von Herzen wünschen.

Redaktion Magath & Fußball

* 23. Dezember 1918 – † 10. November 2015


Veröffentlicht am 10. November 2015

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Helmut Schmidt.

„Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.“

(Helmut Schmidt, Abschiedsrede im Bundestag am 10. September 1986)

Der lange Abschied


Veröffentlicht am 2. Juni 2015

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Wenn ein Pokalfinale nur noch Nebensache

Der Herzog von Wellington hatte recht: „Man könne die Geschichte eines Tanzvergnügens ebenso wenig wie die Geschichte einer Schlacht schreiben. Jeder Teilnehmer behält eine andere Erinnerung an das Ereignis im Gedächtnis, manch glückliche, manch traurige, selten eine objektive.“ Wenn vom DFB-Pokalfinale zu Berlin 2015 eines hängen blieb, dann der Dauer-Scheinwerfer auf einen Davongehenden. Der Trainer der unterlegenen Mannschaft war vor, während und nach der Partie Hauptbestandteil einer sich heiß laufenden Berichterstattung und als Person längst losgelöst vom eigentlichen Ereignis. Die Demission des Jürgen Klopp in Dortmund überstrahlte das Spiel. Dieses gewann der VfL Wolfsburg mit 3:1 und nahm den Pokaltitel mit in die VW-Hochburg am Mittellandkanal. Titel will auch Jürgen Klopp bald wieder mitnehmen. Er muss dabei nicht auf die Provinz schauen, es steht ihm die Fußballwelt offen. Nach sieben sehr erfolgreichen Jahren in Dortmund, die den Bayern immerhin zwei Meistertitel kosteten, winken neue Aufgaben. Was wird der Mann tun? Die Republik hat zu rätseln. Die öffentliche Verklärung, die man dem Betroffenen nicht ankreiden darf, landet fast in den Verehrungssphären eines Helmut Schmidt. So wie der Altkanzler allerdings längst alles hinter sich, hat Jürgen Klopp noch vieles vor sich. Der Tratsch reicht von der Anfield Road über den Vesuv zu Neapel bis zur Säbener Straße, selbst das Geraune einer baldigen Rückkehr an die Stätte einstiger Triumphe will nicht verstummen. Man darf gespannt sein, wohin diese Reise geht. Bis dahin darf man dem Fußballtrainer im Wartestand eine geruhsame Zeit und ein paar freie Tage wünschen. Verdient hat er sie längst.

Redaktion Magath & Fußball

Kampfsport


Veröffentlicht am 24. Januar 2015

Helmut Schmidt

„Politik ist in gewisser Weise ein Kampfsport. Willen braucht man – und Zigaretten.“

(Helmut Schmidt)

Mit breiter Brust


Veröffentlicht am 20. November 2013

Der Sport und seine Lautsprecher

Schachgenie Bobby Fischer

Schachgenie Bobby Fischer.

Während der Schacholympiade 1962 faszinierte der 19-jährige Bobby Fischer bereits die anwesende Weltelite, darunter Weltmeister wie Botwinnik und Tal sowie die internationale Fachpresse, war Magnet für viele Fans. Einer jungen Frau gelang es, zum introvertierten Fischer vorzudringen, dem Schachgenie das große Programmheft mit der Foto-Doppelseite aller teilnehmenden Großmeister entgegenzustrecken, verbunden mit der Bitte, doch ein Autogramm auf sein Bild zu setzen. Mit seinem vollen Schriftzug überflog und zeichnete Fischer die gesamte Doppelseite. Auf die empörte Frage der Autogrammjägerin, wo denn nun noch Platz für die anderen Teilnehmer sei, antworte Fischer: „Die anderen sind Quatsch.“ Weiterlesen

Die Nacht von Hamburg


Veröffentlicht am 23. April 2013

Glanz über dem Volksparkstadion beim 5:1-Sieg über Real Madrid

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Große Vereine haben große Tage und Nächte, Abende des Zaubers und der Fußballgeschichte. So auch der Hamburger Sportverein. Worte, wie „unvergessen“ und „legendär“ müssen dann her, um die Erinnerung zu beleben. Die dabei waren, sind oft schon um einiges älter als das Ereignis noch immer frisch. So einen Abend, der vom Hamburger Volksparkstadion über ganz Fußballeuropa strahlte, war der 23. April 1980. Es stand an, das Rückspiel im Europapokal-Halbfinale der Landesmeister gegen Real Madrid. Das Ziel für beide Team war klar, Finale der Königsklasse im „Estadio Santiago Bernabéu“, eben jener Heimstatt des Gegners Real, aus dem der HSV eine 0:2-Hinspielniederlage mitgebracht hatte. Real und ganz Madrid wollte dieses Endspiel vor 110.000 Madrilenen um jeden Preis, für die Spanier ein Spiel des Jahrhunderts und fest eingeplanter Triumph. Den Grundstein hatten sie gelegt. In den Augen der europäischen Fußballexperten würde es auch so kommen, dem HSV wurden eher kärgliche Außenseiterchancen eingeräumt. Weiterlesen