Schlagwort-Archive: Insel

Kleine und große Revolutionen


Veröffentlicht am 16. März 2016

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Zwischen Aufbruch und Routine – Fußballwelt im Wandel

Leicester City macht sich unter dem italienischen Trainer Claudio Ranieri Richtung englischer Meistertitel auf. Mit Enthusiasmus und Erfolg sorgt das Team aus den Midlands für eine kleine Revolution im englischen Ligabetrieb. Der geldschweren und traditionsbeladenen Restmeute in der Premier League gehen langsam die Spiele aus um den aufmüpfigen Außenseiter noch vom anvisierten Titelthron zu stoßen. Englands Fußballeliten blamieren sich dabei im Wochentakt und mutieren nebenher in den europäischen Cupwettbewerben zum belächelten Fallobst. Reich aber unfähig lautet das fatale Zeugnis. Ranieri und seine Jungs schwimmen nicht im Geld, frönen keiner Zeitgeistwelle, schwadronieren weder von Matchplänen noch über Ballbesitzstatistiken. Leicester City spielt kompromisslosen Fußball auf der Basis harter Arbeit und der Konzentration auf den zu erledigenden Job. Der 1951 in Rom geborene Ranieri steht auch als ein erfolgreicher Gegenentwurf zu den Bundesligatrainern neuer Färbung, die immer öfter als schwache Verfügungsmasse von manövrierenden Sportmanagern ausgewählt und aus Nachwuchsabteilungen oder direkt vom Schulhof rekrutiert werden. Ranieri lebt und kann Fußball aus dem Effeff. Sein Team versprüht keinen Glanz für die Galerie, scheffelt aber eine Menge Punkte für den Gipfel der Tabelle. Otto Rehhagels Diktum bleibt ewig jung und richtig: Modern ist, wer gewinnt! Ein bewundernswertes Team, mit einem gestandenen Trainer, in einem bemerkenswerten Club, mischt die graue Einförmigkeit der immer wiederkehrenden Standardbilder des englischen und europäischen Fußballs auf. Weiterlesen

Marseillaise in Wembley


Veröffentlicht am 17. November 2015

Beim Playoff-Rückspiel zwischen Irland und Bosnien-Herzegowina wurde in Dublin mit einer Schweigeminute den Pariser Terroropfern gedacht.

Beim Playoff-Rückspiel zwischen Irland und Bosnien-Herzegowina wurde in Dublin mit einer Schweigeminute den Pariser Terroropfern gedacht.

Tage des Unbehagens bestimmen auch die Fußballbranche

Die Iren haben es geschafft, mit einem 2:0-Sieg über Bosnien-Herzegowina gelang ihnen die Qualifikation zur EM 2016 in Frankreich. Wer an die Auftritte irischer Fans bei Großturnieren denkt, der muss sich darüber freuen. Fans von der grünen Insel sind immer ein Stimmungshighlight der tollen und friedlichen Art. Gute Stimmung wird das Turnier gebrauchen können, keiner weiß heute wie es im Sommer 2016 um dieses bestellt sein wird. Frankreichs Fußballidol Just Fontaine, einst Torschützenkönig der WM 1958, sieht skeptisch auf das Turnier im nächsten Jahr. Die französische Sicherheitslage veranlasst den agilen Rentner zum bitteren Rat an seine Landsleute, man möge bitte das Turnier an eine andere Nation abgeben. Auch solche Stimmen gibt es dieser Tage. Sie sind zu verstehen. Weiterlesen

Andere Gepflogenheiten


Veröffentlicht am 21. Oktober 2015

„Grundsätzlich würde es dem englischen Fußball sicher guttun, wenn ein paar mehr deutsche Einflüsse in der Premier League Einzug hielten. Ich befürchte jedoch, dass die Bereitschaft der Engländer eher gering ist, sich Neuem aufgeschlossen zu zeigen. Es gibt Spieler auf der Insel, zu deren Selbstverständnis es nicht gehört, zweimal am Tag zu trainieren. Auch die Art der Vorbereitung aufs Spiel ist zu den Gepflogenheiten deutscher Teams unterschiedlich. Manche Mannschaften dort treffen sich erst zum Spiel mittags. Damit gibt man die Kontrolle in Sachen Ernährung und Schlaf sicher aus der Hand.“

(Felix Magath, Kolumne, Express Köln, 20. Oktober 2015)

Kleines Land, große Persönlichkeit


Veröffentlicht am 9. August 2015

Carmel Busuttil im getauschten DFB-Trikot nach der 2:3-Niederlage Maltas im Dezember 1984.

Carmel Busuttil im getauschten DFB-Trikot nach der 2:3-Niederlage Maltas im Dezember 1984.

Die Karriere des Carmel Busuttil

Es endete wie es begann, der Gegner hieß Island. In Messina auf Sizilien besiegten Busuttil und seine Mannschaftskameraden am 5. Juni 1982 das Team der Nordländer in einem EM-Qualifikationsspiel mit 2:1. Sein erstes Länderspiel. Das letzte Spiel für seine Nation bestritt er am 25. Mai 2001 im Rahmen der WM-Qualifikation in La Valletta, ein Abschluss der guten Art blieb allerdings verwehrt. Island behielt die Oberhand, Busuttil und sein Team mussten sich mit 1:4 geschlagen geben. Die persönliche Bilanz von Carmel Busuttil zählte am Ende des Tages 111 Länderspiele und 23 Treffer. Busuttil war der erste Malteser, der die 100-Spiele-Marke an Einsätzen für sein Land erreichte. Die großen Sporttitel und das noch größere Geld waren mit dieser Laufbahn dennoch nicht zu machen. Busuttil musste als Nationalspieler seines Heimatlandes Malta auch eine Menge einstecken. 16 Siege konnte er bejubeln, 20 Unentschieden verbuchen und 75 Niederlagen musste er ertragen. Malta ist ein historischer Zauberort und eine geschichtliche Adresse voller Legenden, ein Fußballriese war es nie. Im Gegenteil, bis heute gilt die Insel Malta als leichte Beute und Zwerg des Weltsports Fußball, findet dennoch immer wieder Jungen und Männer, die mit Stolz und Freude am Spiel das Trikot ihres Landes tragen. Ihr großes Vorbild ist Carmel Busuttil. Weiterlesen

Hoch und Tief in der Premier League


Veröffentlicht am 26. April 2015

Romelu Lukaku und der FC Everton obenauf.

Romelu Lukaku und der FC Everton obenauf.

Spitzenspiel Arsenal London – FC Chelsea kein Fußballhighlight

In einigen Partien des 34. Spieltages auf der Insel war Feuer unterm Dach, der Rest mühte sich eher über die Runden. London sah in Form des Derbys Gunners vs. Blues kein rasantes Spitzenspiel, sondern eher Rasenschach, mit der federführenden Handschrift  von José Mourinho. Mitreißenden Fußball für das Fanherz gab es eher im St. Mary’s Stadium in Southampton und im Goodison Park zu Liverpool, in London auf dem Rasen des Emirates Stadium dagegen schwergängige Ware. Statistiken sind oft Mumpitz und nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Ähnlich verhält es sich mit großen Erwartungen. Das Spitzenspiel Arsenal gegen Chelsea hielt wenig von dem, was sich viele versprachen. In heutiger Zeit kann aber kaum noch eine ausgerufene Spitzenpartie halten, was eine überbordende Vorberichterstattung aufbaut. Zurück zur Statistik. Schiedsrichter Michael Oliver trat den fleischgewordenen Beweis für wetterwendische Datenwahrheit in Form seiner eigenen Arbeit an. Galt er vor dem Anpfiff als elfmeterfreudigster Schiedsrichter der Premier League, zeigte er im Spiel, wie man einen vorhandenen Ruf schnurstracks pulverisieren kann. Über seine Arbeit lässt sich trefflich schreiben und im Nachklang zum spannungsarmen Duell auch hingebungsvoll streiten. Weiterlesen

Vom Weltmeister lernen


Veröffentlicht am 31. März 2015

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„Im englischen Fußball gibt es strukturelle Defizite im Nachwuchsbereich. Es ist erstaunlich, dass eine Fußballnation wie England sich vom Glanz der Premier League derart blenden lässt. Natürlich findet die Premier League in der Welt deutlich mehr Resonanz als unsere Bundesliga. Aber darüber verdrängt man, dass der englische Fußball in Form von Länderspielerfolgen seit vielen Jahren sehr wenig vorzuweisen hat. Vielleicht kann man auf der Insel auf diesem Gebiet etwas vom Weltmeister lernen.“

(Felix Magath, Interview sport1.de, 26. März 2015)

Boxing Day


Veröffentlicht am 26. Dezember 2014

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Zweiter Weihnachtsfeiertag bot Fußball von der Insel

Hochamt im englischen Fußball – Boxing Day. Die Bundesliga hält Winterschlaf und lümmelt sich wie viele europäische Ligen in das Jahresende. Übrigens nicht so in Belgien, auch dort spielt die Jupiler League zum Weihnachtsfest. In der Premier League und im gesamten englischen Fußball hat der „Geschenkschachtel-Tag“ gewichtigen Stellenwert und eine große Tradition, ein Fest für Fans, Werbekunden sowie Vermarktungsstrategen. Die Premier League Kasse klingelt, keine Liga der Welt zieht mehr TV-Publikum, in dieser Rechnung ist der Boxing Day eine zentrale Säule der globalen Vermarktung. Den festlichen Spieltag erlebten 385.000 Zuschauer in den Stadien, die vier Heim- und sechs Auswärtsiege sahen, dabei 27 Tore bejubeln oder betrauern konnten, je nach Fanstandpunkt und Sichtweise. Dauerregen für wettererprobte Engländer auch an diesem Tag kein Problem. Weiterlesen

Auf den Gabentisch – kurz vor Schluss


Veröffentlicht am 23. Dezember 2014

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Furioser Roman über Liverpool-Legende Bill Shankly

Statistiken behaupten, der Großteil der Fußballfans ist männlich und die Mehrheit der Leser von Romanen weiblich. Kurz vor dem Weihnachtsfest der Versuch einer Zusammenführung. David Peace ist einer der spannendsten Autoren unserer Zeit, seine Kriminalromane führen uns tief in den Abgrund menschlicher Taten, knapp die Sprache, düster die Handlung, es gibt kein Gut und Böse, jeder trägt Schuld. Der Leser braucht Nerven, dafür wird er nie gelangweilt. Aufwühlend und verstörend kommen diese Meisterwerke daher. Seine von realen Ereignissen angeregten Romane brennen unter der Haut, gehen an Grenzen. Wer das „Red Riding Quartett“ über den Yorkshire Killer oder die „Tokyo-Krimis“ gelesen, der war Gast in der Apokalypse. Ein leidenschaftlicher Schreiber ist dieser Brite aus Ossett. Mit weniger Blut aber gleichermaßen Spannung springt uns David Peace in Sachen Fußball an, seiner zweiten Obsession. Vor Jahren beschäftigte ihn die Trainerlegende Brian Clough in dem Roman „Damned United“, nun huldigt er einem anderen Trainerdenkmal, dem Schotten Bill Shankly. Ein Meisterwerk mit allem was Fußball ausmacht, ein Werk voller Leidenschaft, von Größe und tiefem Fall. „Red or Dead“ ist ein wunderbarer Fußballroman. Was will man mehr? Weiterlesen

Die Sache mit dem Regenschirm


Veröffentlicht am 5. Juli 2013

Steve McClaren wird Assistenztrainer bei Harry Redknapp

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Wenn es regnet wirst du nass. Soweit wollte es Steve McClaren nicht kommen lassen und griff – für einen Briten nicht untypisch – zum rettenden Regenschirm. Seit John Steed kennt man die Faszination von Schirmen, das Accessoire gehört zum Lebensgefühl der Insel. Einem englischen Nationaltrainer kann so ein Ding zum Verhängnis werden. So geschehen am 21. November 2007 in Wembley. England verspielte gerade die EM-Qualifikation gegen die Kroaten, währenddessen sich Nationaltrainer McClaren unter einem großen Schirm am Spielfeldrand vergrub. 2:3 verloren, aus der Traum – mal wieder. Immerhin, die Haare blieben trocken. So begann McClarens Leidenszeit und endete die Karriere als Nationaltrainer, die „Daily Mail“ gab den Ton vor: „Trottel mit dem Regenschirm“. Weiterlesen