Schlagwort-Archive: Journalismus

Auf den Gabentisch – Weihnachtsempfehlung II


Veröffentlicht am 17. Dezember 2014

Dauerkarte und Schachgenie

Reportagen, Interviews, Essays, Kurzgeschichten, Kritiken sowie guter Journalismus – und nicht zu vergessen Hans Meyer. In 11Freunde ist der denkende Fußballfan wohlig aufgehoben und wird dennoch nicht eingelullt. Wer an Biederkeit, Herabsetzungen und Plattheiten interessiert, der sollte besser die Finger von 11Freunde lassen. Die Macher und Schreiber von 11Freunde animieren den Geist des Menschen und nicht den inneren Schweinehund, geben dem Verstand Nahrung und nicht den niederen Instinkten. Der denkende Leser und Fußballfan ist Adressat der Redaktion. Wer Lust an allen Verästelungen des Fußballs, wer sich für die Dinge hinter dem Ball und der Vermarktungsmaschinerie interessiert, sich lesend erfreuen möchte, staunen kann und neugierig bleibt, der kommt so richtig auf seine Kosten. Weiterlesen

Gefundenes Fressen


Veröffentlicht am 5. Dezember 2014

imago18331227m_c

Gegenwind statt Gegenpressing beim BVB, Jürgen Klopp im Fokus

Am Beispiel Jürgen Klopp zeigt sich dieser Tage die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts besonders deutlich. Eben noch gefeiert für zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg und ein Pokalfinale, das Erreichen des Champions League Endspiels und eine neue Philosophie vom Gegenpressing, bläst dem Vorturner der Borussen der Gegenwind nach dem miserablen Saisonstart der Schwarz-Gelben inzwischen frontal ins Gesicht. Von der „größten Krise seiner Trainerkarriere“ ist zu lesen, einige übereifrige Schreiberlinge gehen sogar schon so weit, Motivationsfähigkeit und taktisches Verständnis des vormaligen Übertrainers in Abrede zu stellen. Ungeheuerlich. Von seriöser, wertneutraler dafür weniger effekthaschender Berichterstattung sind wir offenbar längst noch weiter entfernt, als der BVB von der Tabellenspitze. Weiterlesen

Sport und Medien


Veröffentlicht am 23. April 2014

„Wer wissen will, wie es um das Verhältnis zwischen Sport und Medien bestellt ist, darf beim Fußball nicht aufs Spielfeld schauen – ein Blick zur Pressetribüne gibt da mehr her: Samstagnachmittag, 17 Uhr, erste Bundesliga. Spitze Schreie und geballte Fäuste unter Journalisten, wenn »ihr« Verein endlich das 1:0 erzielt, dem Europacup ein wenig näher kommt und damit der ganze Tross den schönen, weiten Reisen. Madrid, Mailand, Manchester. Was dabei herauskommt, nennt man »1:0-Berichterstattung«. Flanke, Kopfball, Tor, Jubel allerorten. Diese Art von Journalismus ist noch die harmloseste Variante einer nicht mehr zu übersehenden Nähe zwischen Sportlern und Reportern, die Zeitungsleser – vor allem aber Fernsehzuschauer – immer häufiger enttäuscht, weil es bei mancher Sportübertragung schlimmer heimelt und tümelt als im Musikantenstadl. Viele Journalisten, hat der BBC-Reporter Declan Hill einmal geschrieben, klammerten sich einfach »verzweifelt an den Glauben, Sport sei eine Art Elysium, in dem Erwachsene wie Kinder spielen.“

(Henning Sußebach, Auszüge: „Von nun an per Sie“ in Die Zeit, 26. Januar 2006)

Drei Edelfedern und der Fußball


Veröffentlicht am 13. November 2013

Jürgen Leinemann, Kurt Tucholsky und Egon Erwin Kisch

Reporter, Qualitätsjournalist und Herberger-Biograph Jürgen Leinemann (* 10. Mai 1937 in Celle, † 10. November 2013 in Berlin).

Reporter, Qualitätsjournalist und Herberger-Biograph Jürgen Leinemann (* 10. Mai 1937 in Celle, † 10. November 2013 in Berlin).

Er mochte Fußball und wusste auch darüber trefflich zu schreiben. Seine große Profession waren allerdings die Menschenporträts der politischen Klasse. Dieser Tage ist der langjährige Spiegel-Redakteur Jürgen Leinemann gestorben, ein Denkmal für Qualitätsjournalismus schon zu Lebzeiten. Leinemann kannte nicht nur den aufrechten Gang, er schrieb auch mit aufrechter Feder. Nähe zur politischen Führungsetage war sein berufliches Geschäft, kritische Distanz zu dieser Spezies sein journalistischer Kompass. Für seine Leser waren Leinemann-Texte immer eine Bereicherung. Auch der Fußball hatte Platz in diesem Journalistenleben. Weiterlesen