Schlagwort-Archive: Kasparow

Von Champion zu Champion


Veröffentlicht am 3. März 2015

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„Man kann seinen Beitrag gar nicht hoch genug einschätzen, er hat sehr, sehr viel für das Schachspiel getan. Was Fischer in den 60er-Jahren, Anfang der 70er-Jahre für das Schach geleistet hat, war revolutionär. Er hat das Schachbrett neu erfunden, er hat dem Schach in den Augen vieler Leute ein Gesicht gegeben. Er war ein Mann, der sich voll dem Schach hingegeben und damit auch das Interesse vieler Millionen Menschen auf das Schachspiel gerichtet hat. Ich habe damals schon Schach gespielt. Ich war acht, neun Jahre alt, als Fischer international triumphale Erfolge hatte. Wir haben das alle mit Spannung verfolgt und begriffen, dass da etwas Neues im Schach passiert.“

(Garri Kasparow, Interview, Welt am Sonntag, 20. Januar 2008)

Stumpfe Waffen


Veröffentlicht am 14. Januar 2015

„Auf absehbare Zeit wird der beste Schachspieler immer mal eine Partie gegen den Computer gewinnen. Darauf kommt es an. Auf diese eine Partie, in der wir Menschen uns durch Kreativität durchsetzen – solange das geht, sind wir noch vorn.“

„Schach sollte überall auf der Welt Schulfach werden. Es fördert die geistige Auseinandersetzung. Es lehrt die Demut in der Niederlage.“

„Das Glück über einen bahnbrechenden Zug geht nie vorbei. Aber ich hatte meine Tiefpunkte. Das hing mit der Motivation zusammen, damit, dass ich alles erreicht, jeden Titel, jedes Großmeisterturnier gewonnen hatte. Ich war satt geworden. Wer jeden Krieg gewinnt, muss seine Waffen nicht mehr schärfen.“

(Gary Kasparow, Interview, Der Spiegel, Ausgabe 47/2002)

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Veröffentlicht am 30. November 2014

Happy Birthday, Schachweltmeister!

Happy Birthday, Schachweltmeister!

Schachweltmeister Magnus Carlsen feiert Geburtstag

Friedrich Schiller legte seinem Don Carlos den berühmten Satz in den Mund „Dreiundzwanzig Jahre, und nichts für die Unsterblichkeit getan“. Keine Ahnung wie es Norweger mit dem deutschen Romantiker und Dichterfürsten halten, aber ihr nationales Idol Magnus Carlsen hat am Tag seines 24. Geburtstages das Soll eines Dreiundzwanzigjährigen weit übererfüllt. Längst ist er dem traurigen Don Carlos weit voraus, hat schon alles für die Unsterblichkeit mögliche in seinem Fach getan. Und etwas unterschiedet Magnus Carlsen noch vom ehemaligen spanischen Infanten, er ist auf eine angenehme Weise normal und bodenständig geblieben. Sehr zum Unwillen manch sensationslüsterner Medien gibt er nicht den Entertainer oder liefert Storys, sondern geht klug und sachlich mit seinem Leben und dem Erfolg um. Diese junge Lebensleistung ist staunenswert und trägt viele glanzvolle Facetten sportlicher Größe in sich. Weiterlesen

Felix Magath vs. Garri Kasparow


Veröffentlicht am 20. November 2014

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Geschichte und Notation der Partie

In der FAZ brachte es Felix Magath einst auf den Punkt oder besser auf die 64 Felder: „Schach ist aufgrund der vielen Steine eigentlich ein Mannschaftssport und alle Fußballer sollten auch Schach spielen.“ Wie gut der Fußballer, Trainer, Manager und Sportler Magath auch den „Mannschaftssport Schach“ beherrscht, konnte er bei einem Simultanwettkampf am 5. Juni 1985 im Spiegel-Verlagshaus an der Brandstwiete zu Hamburg gegen Garri Kasparow unter Beweis stellen und schlug sich bei dieser Auseinandersetzung sehr achtbar. Der Hobbyspieler Felix Magath hielt mit den schwarzen Steinen gegen den Giganten Garri Kasparow, neben Bobby Fischer, Emanuel Lasker und Magnus Carlsen wohl der beste Schachspieler aller Zeiten, beachtliche 33 Züge stand. (Am Ende des Beitrages die Notation der Partie.) Weiterlesen

The Great Magnus


Veröffentlicht am 7. November 2014

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Magnus Carlsen und Viswanathan Anand kämpfen um die Schachkrone

Der Norweger Magnus Carlsen ist das A und O im internationalen Schach, ein Weltmeister von Format und Esprit, der an die ganz großen seines Fachs wie Bobby Fischer, Gary Kasparow und Alexander Aljechin gemahnt. Die Egozentrik dieser drei Giganten ist ihm nicht gegeben, der 23 Jahre alte Norweger kommt wesentlich dezenter durchs Leben. Im Spiel ist er diesen großen Spielern der Schachgeschichte aber längst ebenbürtig, wenn nicht schon voraus. In Sotschi am Schwarzen Meer wird der amtierende Schachweltmeister nun erneut auf Viswanathan Anand als Gegner im Titelkampf treffen. Der 44-Jährige Inder verlor im November 2013 in seiner Heimatstadt Chennai den Weltmeisterschaftskampf gegen den damaligen Herausforderer Magnus Carlsen. Dieser WM-Kampf war auf zwölf Partien angelegt, Carlsen hatte nach zehn Partien mit drei Siegen und sieben Remis bereits alle nötigen Punkte zusammen, Anand damit also entthront. Es spricht für den Inder, nicht resigniert zu haben. Mit Elan stürzte er sich sofort wieder ins Schach und gewann souverän das erforderliche Kandidatenturnier, welches den Herausforderer ermittelte. Anand ist nun in dieser Rolle der Gegner des Weltmeisters. Weiterlesen

Vorbildcharakter ?


Veröffentlicht am 18. August 2014

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Pecunia non olet

Aus der Welt des Sportgeschäftes eine neue Volte, die durchaus aufhorchen lässt und eine Art „Vorbildcharakter“ haben könnte. Der legendäre Garri Kasparow wollte dieser Tage – während der Tagung des Weltschachverbandes FIDE – Präsident der Organisation werden und dort mit alten Zöpfen aufräumen. Er hatte nicht nur eine intensive Rede vorbereitet, sondern auch an einen finanzstarken Sponsor gedacht, ließ sich in der Angelegenheit von einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei beraten. Seine Botschaft enthielt nicht nur Inhalt sondern auch zehn Millionen Dollar, die er der FIDE vom Sponsor umgehend in Aussicht stellte. Die FIDE ist da längst weiter als die FIFA, man spricht nicht in Hinterzimmern sondern auf offener Bühne an, was Sache: es geht ums Geld. Weiterlesen

Vom Brett zum Mittelkreis


Veröffentlicht am 31. Juli 2014

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Schachweltmeister Magnus Carlsen und die Liebe zum Fußball

Wenn sich die Gelegenheit bietet, tritt er gegen den Ball. Die Geschichte mit dem Vater hinterm Haus war schön und ist sattsam bekannt aber irgendwann wird diese Welt natürlich zu klein. Inzwischen ist er ausgezogen, um Schachweltmeister zu werden, was ihm in blendender Manier gelang und auf die legendären Gipfel von Aljechin, Fischer und Kasparow katapultierte, mittlerweile darüber hinaus. Weiterlesen

Rasenschach und Titelkampf


Veröffentlicht am 9. November 2013

Fußballbegeisterter Norweger greift nach der Schachkrone

Viswanathan Anand (links) und Magnus Carlsen kämpfen im indischen Chennai um die Schachkrone. Hier sitzen sich die beiden bei den Chess Classics 2008 in Mainz gegenüber.

Viswanathan Anand (links) und Magnus Carlsen kämpfen im indischen Chennai um die Schachkrone. Hier sitzen sich die beiden bei den Chess Classics 2008 in Mainz gegenüber.

In der Branche Fußball wird sich leidenschaftlich und leutselig fast „zu Tode geduzt“, wer nicht mitmacht, der gehört nicht zur Familie. Solche Usancen sind im Schach eher unüblich, eine Ausnahme ist der amtierende Weltmeister, der Inder Viswanathan Anand. Diesen nennt jeder nur „Vishy“, mittlerweile Marken- und Spitzname des indischen Ausnahmespielers. Im Zusammenhang mit „Vishy“ gibt es noch ein zweites, ständig wiederholtes Wort: „nett“. Ein netter Weltmeister. Schachlegende Viktor Kortschnoi sagte vor Jahren über die Schachgeneration von Anand: „Die mögen sich alle – entsetzlich. Zu meiner Zeit hat man die Gegenüber noch gehasst.“ Nicht umsonst trägt Kortschnoi sein ganzes Schachleben den Beinamen „Viktor, der Schreckliche“. Weiterlesen

„Ich hätte lieber alles gewonnen“


Veröffentlicht am 19. August 2013

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Karriere
„Nach meiner ersten Karriere als Spieler habe ich die zweite Karriere als Trainer gemacht und bin am überlegen, ob es Zeit für eine dritte Karriere ist oder ob ich die Trainerkarriere noch fortsetze. Bei dieser Entscheidung will ich mir Zeit lassen, aber natürlich bin ich offen für interessante Möglichkeiten. Sicher ist: Ich will noch was machen! Das Fußballgeschäft boomt und es gibt um den Fußballsport so viele Möglichkeiten.“

HSV
„Ich habe versucht, im Frühjahr hinter die Kulissen zu schauen und zu sehen, wer da welche Entscheidungen trifft – das war mir aber nicht möglich. Momentan ist das Bild, das der HSV in der Öffentlichkeit abgibt, nicht so schön. Natürlich ist der HSV der Verein, der mir am nächsten steht. Dort war ich zehn Jahre als Spieler, habe große Erfolge gefeiert. Wenn man zehn Jahre bei einem Verein ist, hat man schon was hinterlassen und ist emotional anders gebunden.“

Bayern
„Guardiola hat eine undankbare Aufgabe übernommen. Sie wissen, wie unsere Gesellschaft ist: Es wird nicht zurückgeschaut, sondern nur noch beurteilt, was man macht. Er kann nur gleich gut sein wie Heynckes, weil der alles gewonnen hat und die Chance, dass er weniger erreicht, ist groß. Für mich war Bayern eine schöne Station, wir haben zwei Mal das Double gewonnen.“

Viktoria Aschaffenburg
„Die Viktoria liegt mir auch am Herzen. Ich habe dort gespielt, 21 Jahre in Aschaffenburg gelebt, bin dort aufgewachsen und eine sehr schöne Zeit gehabt. Ich würde mich freuen, wenn die Viktoria richtig auf die Beine käme. Auch dort ist es aber schwer zu durchschauen, wer was macht, wo das Geld herkommt und wie viel gebraucht wird. Vom Potential könnte die Viktoria zwei Klassen höher spielen, denn gute Fußballer gab es in und um Aschaffenburg schon immer. Bei solchen Teams spielt sich aber immer viel Politik ab und es wird nicht immer miteinander gearbeitet, so dass die Vereine dann meist nicht erfolgreich sind.“

Klischees
„Mit dem Namen „Quälix“ kann ich mich gut anfreunden, weil ich Asterix-Fan bin und nix gegen diese Wortspiele habe. Dennoch ist es falsch, mich darauf zu reduzieren, dass ich nichts könnte als Konditionstraining. Das waren vielleicht 20 bis 30 Prozent des Trainings und davon 5 Prozent mit einem Medizinball. In der Öffentlichkeit wurde das genau andersherum dargestellt. Ich vertrete bis heute die Meinung, dass Fitness eine Grundvoraussetzung ist, um im Mannschaftssport erfolgreich zu sein. Dann ist die Frage, was man als Erfolg ansieht. Ich sage: Ich will 1. werden, Meister werden und nicht im Mittelfeld landen. Leider gibt es viele, die schon mit kleinen Erfolgen zufrieden sind und das ist nicht meine Welt. Was die Transferpolitik angeht, da könnte ich mich totlachen. Das wurde zum Beispiel auf Schalke stark kritisiert. Komischerweise ist Schalke, seit ich dort war, unter den ersten fünf der Tabelle zu finden. Ich bin sicher, wenn man mir gefolgt wäre und Manuel Neuer nicht nach München verkauft hätte, wäre Schalke Deutscher Meister geworden. Ähnlich war das in Wolfsburg. Als ich zum zweiten Mal dort war, hatte man den besten Stürmer und den besten Abwehrspieler verkauft. In anderthalb Jahren hat man da aus einer Meistermannschaft einen Abstiegskandidaten gemacht. Dass man damit nicht so erfolgreich sein kann, dass müsste jeder wissen.“

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Berufseinstellung
„Ich wäre lieber zwei Mal Weltmeister als zwei Mal Vize-Weltmeister geworden. Genauso bin ich ja noch drei Mal Vize-Meister geworden als Spieler, das hätte ich auch gerne in Meisterschaften umgewandelt. Auch als Trainer mit Stuttgart und Schalke, als ich zweiter wurde, wäre ich lieber Meister gewesen. Aber ich ärgere mich nicht darüber – es waren auch große Leistungen und freue mich, dass ich so erfolgreich arbeiten konnte. Ich hätte lieber alles gewonnen, aber das geht natürlich nicht. Die größten Erfolge waren die Meisterschaft in der B-Klasse mit dem TV 1860 Aschaffenburg – das haben wir auch gebührend gefeiert. Dann der Europapokal-Erfolg mit dem HSV gegen Juventus Turin und die Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg, einer Mannschaft, die vorher um den Abstieg gespielt hatte. Ich unterscheide auch in meiner Rolle als Trainer und Spieler. Als Trainer ist der Wechsel nach zwei bis drei Jahren das Normale und die Bindung nicht so eng. Zu den anderen Teams habe ich auch eine Bindung, weil ich mich immer voll mit den Vereinen identifiziert habe. Ich bin froh, dass ich mich überall, wo ich war, sehen lassen kann. Alle meine Teams waren in einer besseren Situation, als ich gegangen bin, als bevor ich hinkam.“

Brillen und Schach
„Das mit dem Brillenträger sehe ich als Spielerei. Ich freue mich, dass ich ausgewählt wurde, aber Stolz ist das falsche Wort. Auch beim Schach, dass der Herr Kasparov mich so lange mitspielen ließ. Da mache ich mir keine Illusionen über meine Spielstärke. Ich spiele aber gerne Schach, weil ich das nach Fußball als das zweitschönste Spiel erachte. Und natürlich war es mir eine Ehre, mal mit einem Weltmeister am Tisch zu sitzen.“

Heimat Aschaffenburg
130819_FelixMagath_PS„Selbstverständlich habe ich noch Kontakt, bin auch ab und zu da. Dass mein ehemaliger Jugendtrainer Alexander Petschner und die Meistermannschaft von TVA mich immer wieder besucht haben und einen schönen Abend mit mir verlebt haben, ist bekannt. Und das wollen wir auch weiterhin machen. Ich habe dort noch viele Freunde, gerade aus Aschaffenburg kamen sehr viele Glückwünsche zu meinem 60. Geburtstag – auf diesem Wege ein recht herzliches Dankeschön dafür! Ich fühle mich in Aschaffenburg wohl und bin gerne dort.“

(Felix Magath, Auszüge aus einem Interview mit Primavera24 aus Aschaffenburg, 11. August 2013)