Schlagwort-Archive: Kollegen

Schicksalstage für Goliaths


Veröffentlicht am 19. Dezember 2015

Mourinhos Chelsea-Abgang könnte Trainerkarussell beschleunigen

Jürgen Klopp verliert ersten Glanz. Sein letzter Gegenpart Tony Pulis, seines Zeichens Trainer von Crystal Palace, bezichtigte ihn gerade als schlechten Verlierer, der mit einer 200 Millionen-Truppe keine 20 Millionen-Truppe schlagen kann und deswegen nach Spielende nicht nur den obligaten Händedruck verweigert, sondern mit öffentlicher Nörgelei von eigenen Problemen ablenken wolle. Der Waliser Pulis ist wegen seiner Bodenständigkeit besonders beim englischen Fußballproletariat beliebt, welches dieser Tage aus den Gazetten erfuhr, dass Jürgen Klopp in eine 5,2 Millionen Euro Nobelvilla gezogen sei. Solche Scharmützel und Meldungen müssen den Ex-Dortmunder noch nicht beunruhigen, aber auch englische Fußball- und Medienherzen können erkalten, selbst die in Liverpool. Echte Sorgen müssen sich dagegen einige andere Granden der Trainerzunft machen. Schon seit dem biblischen David weiß man um das fragile Gebilde der Goliaths. Die Riesen des Trainergeschäfts können ein garstig Lied davon singen. José Mourinho hat es schon erwischt, allerdings nicht in Form von Schleuder und Stein. Ihn warf ein leibhaftiger Milliardär von den Beinen, welcher im Mourinho-Feuern einschlägige Erfahrungen besitzt und überhaupt ein Spitzenmann in Sachen „Trainer raus“ ist. Weiterlesen

Pep Guardiola über die Methode Pellegrini


Veröffentlicht am 4. November 2015

„Ich betrachte mich als großen Fan von Pellegrini. Ich habe viel von ihm gelernt, viele Konzepte. Ich bin glücklich, mich als einen Verehrer und Kollegen von ihm zu sehen. Man könnte eine seiner Mannschaften sehen, ohne zu wissen, wer es ist, und wüsste sofort, wer sie trainiert, allein durch ihre Spielweise. Ich habe Spaß, seinen Mannschaften zuzusehen.“

(Guardiola in „El método Pellegrini”, Francisco Sagredo, Verlag DEBATE, 1. November 2015)

Happy 66th Birthday, Arsène Wenger!


Veröffentlicht am 22. Oktober 2015

imago21527943m_c

Feingeist und Manager – Arsène Wenger begeht seinen Geburtstag

Die Haare deutlich grauer, die Furchen im Gesicht tiefer, das Wort Altmeister macht längst die Runde. Im Fußball-Business ein Zeichen von Kämpfen, Beständigkeit und Respekt. In den letzten Jahren kamen im Saisontakt sportliche Nachrufe von dumm bis pathetisch hinzu. Der Jubilar hat sie allesamt überdauert. Was schert einen Berg das Picken der Krähen. An seinem Geburtstag ist dieser Jubilar zu preisen für die Vollständigkeit einer außergewöhnlichen Karriere und nicht für eine Momentaufnahme. Die obligaten Nörgler am Elsässer sollen hier kein Gehör finden, die Tatsache seiner Erfolge dagegen nochmals in Erinnerung gebracht werden. Als der Franzose 1996 neuer Manager bei Arsenal wurde, waren seine Empfehlungen ein französischer und ein japanischer Meistertitel, nichts was in Englands Fußballburgen für besondere Aufregung sorgte. Die britische Trainerzunft und das Fußballvolk der Insel staunten, ähnlich seinen Spielern, über den Mann aus Straßburg, der mehrsprachig über Fußball referierte, als stehe er im Hörsaal der Sorbonne. Der am 22. Oktober 1949 geborene Arsène Wenger lieferte der Öffentlichkeit von Beginn an das Bild eines Gentlemans und Fußballexperten par excellence. Die Anerkennung der gesamten Fußball-Branche war schnell erarbeitet, immerhin brachte er die Gunners 1998, 2002 und 2004 auf den englischen Meisterthron. Der Triumph 2004 hatte als phänomenales Beiwerk noch eine ganze Saison ohne Niederlage zu bieten.

In die Wenger-Jahre bei Arsenal fällt auch der Bau des Emirates Stadium, das seit seiner Eröffnung 2006 eine der imposantesten Fußballbühnen Europas ist. In 19 Dienstjahren als Trainer wurde der prestigeträchtige FA Cup sechsmal gewonnen, konnte ein Champions League Finale erreicht werden. Darin mussten Wenger und Arsenal sich allerdings dem FC Barcelona mit 1:2 beugen. Eine Bilanz, die sich absolut sehen lassen kann. Als Oligarchen und Scheichs auf den Fußballmarkt der Insel drängten und Clubs durch die Kraft des Geldes im Eiltempo groß machten, blieb Wenger seiner Linie treu, hielt weiter zu seinen Prinzipien vom Fußball. Allerdings musste er die Gesetzmäßigkeiten des Transfermarktes stärker anerkennen, als er dies vor den Zeiten des großen Geldes bereit war zu tun.  Das Terrain wurde schwieriger, die Titel rar, doch unter die ersten vier Tabellenplätze hievte Wenger sein Team stets. Die dadurch bedingte Regelmäßigkeit stetiger Champions League Teilnahme ist längst eine Selbstverständlichkeit im Londoner Stadtteil Holloway. Wie Alex Ferguson oder Felix Magath hasst es Arsène Wenger, zu verlieren. Der umgängliche und gebildete Gentleman mit dem Gespür für guten Fußball kann im Angesicht einer Niederlage schnell zur Furie am Spielfeldrand werden. Auch das gehört zur vielschichtigen Persönlichkeit des Arsène Wenger, dem heute weit über den Arsenal-Horizont hinaus Kollegen, Sportler und Fans auf der ganzen Welt zu seinem Geburtstag die besten Wünsche übermitteln. Herausgeber, Redaktion und Leser von Magath & Fußball schließen sich dem gerne an und gratulieren herzlich.

Redaktion Magath & Fußball

Journalismus heute


Veröffentlicht am 8. Oktober 2015

„Journalismus wurde nie stärker infrage gestellt als heute. Viele meiner Kollegen sprechen nicht gern darüber, weil es quasi ein Naturgesetz war, dass wir Journalisten Fähigkeiten hatten, Zugänge und Autorität, die andere nicht hatten. Nun müssen wir uns fragen: Was können wir, was Amateure nicht können? Die digitale Revolution hat meinen Beruf verändert, genau wie die Welt der Musik. […] Wenn ich mich umschaue, sehe ich eine ganze Menge von Chefredakteuren, die geschluckt und ausgespuckt wurden, entweder von den Besitzern der Blätter oder ihren Mitarbeitern. Ich habe Redaktionen gesehen, die in einen Bürgerkrieg abgeglitten sind, weil sie sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten.“

(Alan Rusbridger, 1995-2015 Chefredakteur The Guardian, Interview Der Spiegel, Ausgabe 36/2015)

Angenehm und intelligent


Veröffentlicht am 16. September 2014

„Ich schätze Arsène Wenger sehr. Wir hatten gerade wieder die Gelegenheit, uns auf dem UEFA Trainer-Kongress zu treffen. Er ist einfach ein sehr angenehmer, weil intelligenter Kollege. Ich bin ganz, ganz weit davon entfernt, mich mit irgendwelchen Trainern auf dieser Welt zu vergleichen und schon gar nicht mit so herausragenden Persönlichkeiten. Ich bin zum Glück noch dramatisch jünger, habe noch ein paar Jahre vor mir, um irgendwann möglicherweise mit schwierigen Situationen so gut umgehen zu können, wie das der Kollege bestimmt kann.“

(Jürgen Klopp über Arsène Wenger, Champions League PK, Dortmund, 15. September 2014)

Pein der Besiegten


Veröffentlicht am 12. Juli 2014

imago16862529m_imago16884530m_c

Brasilien und Holland müssen um Platz drei spielen

Wer auszog, Weltmeister zu werden, der wandelt künftig nicht durchs Leben und ruft „ich bin Dritter“. Spieler und Trainer wollen dieses unsägliche Spiel um Platz drei nicht. Aber in dieser Frage geht es weder um den Willen von Sportlern noch um die Vernunft, hier geht es um die FIFA, Übertragungsrechte, TV-Einnahmen, Marketing und das liebe Geld. Da müssen die Verlierer der Halbfinals also ran. Wessen Lebenstraum vom Weltmeistertitel zerplatzt, diese Krönung eines Spieler- oder Trainerlebens gestorben, der Schmerz darüber noch gegenwärtig, hat allerdings anderes im Kopf und in den Beinen. In einer Farce, die oftmals noch den schrecklichen wie verhöhnenden Beinamen „Kleines Finale“ erhält, möchte niemand freiwillig auftreten. Die Besiegten der Halbfinals sollten in ihrem Scheitern künftig mehr Respekt empfangen und von dieser Pein befreit werden. Die Streichung dieses Spiels bei künftigen WM-Turnieren wäre ein Signal für Sportlichkeit, ein Zeichen für Anstand, Vernunft und Fairness.  Weiterlesen

Weltmeister werden


Veröffentlicht am 7. Dezember 2013

Magath Kolumne – Hamburger Abendblatt

Die deutsche Gruppe hat ihre besonderen Reize. Portugal, Ghana und die USA sind drei attraktive Gegner, zwar alle drei nicht allererste Wahl, die uns viel, aber sicherlich nicht alles abverlangen werden – und der deutschen Mannschaft dabei helfen sollten, die Konzentration für das lange Turnier von Beginn an hochzuhalten. Weiterlesen

Weit über das Erträgliche


Veröffentlicht am 25. November 2013

Stefan Kießling - Fußballspieler

Stefan Kießling

„Ich will gar nicht groß an den Selbstmord von Robert Enke oder den Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati erinnern, aber ich habe mich nach meinem Phantomtor schon gefragt, mit welchem Recht manche Fans, Kollegen und Reporter Äußerungen über mich von sich geben. Das ging weit über das Erträgliche hinaus. Ralf Rangnick nannte mich einen Lügner.“

(Stefan Kießling, Interview Focus Online, 24. November 2013)

Ernst Happel (II) – Holländische Jahre


Veröffentlicht am 13. August 2013

Ein Wiener zieht in die Welt, um den Fußball zu revolutionieren

imago07762045m_c

In Zeiten, wo Wohnungssuche und Harndrang von Spielern oder die Flughafenankunft eines Trainers Fußballnachrichten darstellen, ist den Apologeten solcher Meldungen schwer zu vermitteln, wie großartig und erfolgreich ein Trainer vom Qualitätsschlag Ernst Happels auch in unserer Zeit wäre. Aura und Charakter, wenn sie mit Kontur, Ecken und Kanten daherkommen, sind angeblich nicht mehr gefragt. Weit gefehlt! Das Außergewöhnliche im Fußball wird nur von außergewöhnlichen Persönlichkeiten geschaffen und ist auch nach Happel oft von seinem Holz. So Luis Aragonés, der Spaniens Nationalmannschaft aus 40-jähriger Agonie erweckte, so Felix Magath, der aus grauen Mäusen erfolgreiche Meisterwölfe machte und so Otto Rehhagel, der einen Fußballzwerg zum europäischen Thronriesen erhob. Durch die Bank eher kluge Beobachter als denn hyperaktive Dampfplauderer. Kollegen nach Happels Geschmack. Der Welt erfolgreichster Fußballtrainer war einem Happel immer näher als jedem Konzepttrainer, wer den Sir auf der Rennbahn trifft, sollte ihn danach fragen. Weiterlesen