Schlagwort-Archive: König

Letzte Begegnung mit einem Schachspieler


Veröffentlicht am 12. November 2015

ZEIT-Reporter Ulrich Stock über Helmut Schmidt

Der Anruf kommt meist am Montag oder Dienstag, mitten in der Hauptproduktionszeit. Wenn ich die Nummer auf dem Display meines Telefons sehe, weiß ich schon, worum es geht. Das Büro von Helmut Schmidt. Ob ich Lust hätte auf eine Partie, gleich jetzt? Lust habe ich immer, und wenn der Herausgeber ruft, müssen andere Dinge eben zurückstehen. Sein Büro liegt auf der anderen Seite des Pressehauses. Eine seiner Vorzimmerdamen geleitet mich zu ihm, den ich hinter seinem Schreibtisch nur schemenhaft erkenne. „Rauchen Sie?“ Er streckt mir sein Etui entgegen. Ich lehne dankend ab. Dann zieht er ein winziges Brett hervor, was mich überrascht. Ein großer Schachspieler muss doch ein großes Brett haben! Weiterlesen

Jeder Zoll ein König


Veröffentlicht am 23. Mai 2015

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„Er malt seinen Gegnern ein dickes Fragezeichen in den Raum.“ (Die Zeit)

Xavier Hernández i Creus, genannt Xavi
geb. 25. Januar 1980
FC Barcelona (1998 – 2015)
739 Spiele
84 Tore
134 Länderspiele für Spanien
Bester Spieler der EM 2008

Triumpzug
Weltmeister, 2x Europameister, 3x Champions League Sieger, 8x Spanischer Meister, 3x Copa del Rey, 2x UEFA Supercup, 6x Spanischer Supercup, 2x FIFA Club-WM

„Er war für uns wichtiger als selbst der Nationaltrainer und ein Schlüsselspieler für unseren Spielstil, der uns so viele Erfolge beschert hat. Wir werden ihn auf und neben dem Platz vermissen.“ (Vicente del Bosque)

„Ich finde kein Lob, das erklären würde, was er als Mensch und Spieler repräsentiert hat.“ (Andrés Iniesta)

„Ich hätte mir keine bessere Karriere wünschen können.“ (Xavi)

Redaktion Magath & Fußball

Fußball und Schach – ein Vergleich


Veröffentlicht am 13. Mai 2015

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Ein Gastbeitrag von André Schulz (Chefredakteur www.chessbase.de)

Fußball und Schach – gibt es da überhaupt Gemeinsamkeiten? Fußball wird mit den Füßen gespielt, Schach mit dem Kopf – zwei Körperteile, die weit voneinander entfernt sind. Allerdings betonen Experten immer wieder, dass ein Fußballspiel im Kopf entschieden wird und auch beim Schach wird bisweilen mit den Füßen getreten, unter dem Tisch nach dem Gegner – natürlich nur unabsichtlich. Beim Fußball wird viel gelaufen, beim Schach  sehr wenig. Wenn der Gegner am Zug ist, stehen viele Schachspieler aber doch mal, laufen herum und kümmern sich für einen Moment nicht um ihre Partie. Ein solches Verhalten, abschalten, wenn der Gegner in Ballbesitz ist, gibt es beim Fußball auch, gehört aber nicht unbedingt zur höheren Schule. Weiterlesen

Opposition aus Europa?


Veröffentlicht am 26. Januar 2015

Wahl des Fifa-Präsidenten wirft theatralische Schatten voraus

Der Schweizer Joseph S. Blatter werkelt seit 1975 als FIFA-Funktionär und steht dem Weltverband seit 1998 als allmächtiger Präsident vor. Im nächsten Jahr wird er 80 Jahre. An freiwilligen wie klugen Verzicht denkt er nicht, sein Mantra: „Ich muss sagen, dass ich meine Mission noch nicht erfüllt habe. Ich möchte weitere vier Jahre haben, um zu beweisen, dass Fußball mehr als ein Spiel ist.“ Der Herbst von Patriarchen ist seit König Lears Zeiten ein dunkles Geschäft. Fans in aller Welt graust es schon lange vor der „Mission“, bei WM-Eröffnungen pfeift sich das Stadionpublikum die Seele aus dem Hals, sobald der Name Blatter genannt. Pfiffe lassen Sepp Blatter allerdings seit jeher kalt. Kritik perlt ab, Stadien haben Hinterausgänge. Der FIFA-Boss kontert gern mit deftigen Gegenangriffen. Nun hat es die UEFA erwischt, die all die Jahre den FIFA-Alleinherrscher hat gewähren lassen. Blatter erbost: „Sie wollen mich loswerden. Die gesamte Opposition kommt, das muss man leider so sagen, aus Nyon von der UEFA“, verkündet der 78-Jährige über CNN, um noch in Verachtung nachzulegen: „Sie haben nicht den Mut, selbst einzusteigen“, womit er sogar Recht haben könnte. Fans haben bei diesem Machtpoker weder Stimme noch Gehör, sitzen als ohnmächtige Beobachter am Rand. Sponsoren sind dagegen wichtig wie einflussreich und wenden sich offensichtlich von dieser Art Weltverband ab. Top-Sponsoren wie Emirates/Luftfahrt, Sony, Castrol, Continental und Johnson & Johnson werden ihre auslaufenden Verträge mit der FIFA nicht mehr verlängern, verkündeten bereits ihren Verzicht auf eine Fortsetzung der Partnerschaft. Dennoch, der nächste FIFA-Präsident wird wieder Sepp Blatter heißen, ein Mann, der seine Dinge immer zu regeln wusste. Für ihn kann es nur einen geben, sich selbst. Quo vadis, FIFA?

Redaktion Magath & Fußball

Made in Germany


Veröffentlicht am 16. November 2014

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Rehhagels Disziplin und Ordnung machte Griechenland einst zum Europameister

Wenn vermeintliche Fußballnationen gepeinigt, dann sind die Färöer-Inseln nicht weit. Einst schlugen sie, es war in der EM-Qualifikation 1990, auf fast heimischem Boden, man spielte im schwedischen Landskrona, die Österreicher mit 1:0. In unserem Nachbarland ist das seither eine quälende Sporterinnerung. Nun machte sich die Nationalmannschaft von der 43.000 Einwohner Insel auf nach Hellas und besiegte, was einst nicht mal dem persischen Großkönig Xerxes gelang, die Griechen auf deren heimischem Boden. Für den Ex-Europameister keine geringere Schmach als für die Wiener Alpenrepublik. Im Resultat kostete diese Niederlage dem italienischen Trainer Claudio Ranieri den Job, den er erst im Sommer diesen Jahres angetreten. Die Probleme des griechischen Fußballs liegen aber in einer eher schwachen Liga und den Verhältnissen im griechischen Fußball, weniger beim Trainer. Die Zeche zahlt aber wie immer dieser, und natürlich allein. Ranieri geht und ein Name ist wieder allgegenwärtig, weil gerade in Untergangstagen immer wieder die trostlose Gegenwart mit Niederlagen gegen Rumänien, Nordirland und die Färoer von der gloriosen Vergangenheit überdeckt wird. Dann hört man es über den Peloponnes schallen, was das doch für Zeiten waren, als der Deutsche noch unseren Fußball lenkte. Weiterlesen

„Die Kunst des Krieges“


Veröffentlicht am 8. Juli 2014

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Brasilien und Deutschland spielen in Belo Horizonte um den Finaleinzug

Deutschland trifft auf angeschlagene Brasilianer, die mit dem Anführer (Thiago Silva) gleich noch ihre Gallionsfigur (Neymar) verloren. Der Kapitän fällte sich selbst, der auserkorene Heils- und Titelbringer Opfer eines tragischen Fouls. Das Spiel der Seleção, während des Turniers von wenigen Säulen und einem grandiosen Publikum getragen, nun um zwei zentrale Bausteine ärmer. Solcher Art wohl nur noch ein lockeres Gebälk, welches dem Ansturm der Deutschen nicht standhalten kann. Die Gastgebernation im kollektiven Schockzustand und wachsendem Fatalismus. Halt sucht man bei Trainer Scolari. Felipão soll es richten. An seiner Tafelrunde ist schwerlich Ersatz zu finden. Er muss sich fühlen, als hätte König Arthus seinen Edelritter Lancelot und den getreuen Parzival in einer Schlacht verloren. Arthus rief in höchster Not nach dem Zauberer Merlin. Aber für Brasilen kein Zauberer weit und breit. Scolaris Lieblingsautor Sunzi, dessen Traktat „Die Kunst des Krieges“ der Weltmeistertrainer von 2002 in und auswendig beherrscht, sagt in seinem strategisches Meisterwerk: „Wenn du nicht stark bist, sei klug.“ Klugheit wird Scolari brauchen, um das wohl Unvermeidliche zu vermeiden. Im deutschen Lager kann man dieser Partie entspannt entgegensehen. Man hält alle Trümpfe sicher in der Hand. Die Zielgerade ist wie gemacht für einen deutschen WM-Sieg. Brasilien schon vor Anpfiff entscheidend geschwächt, den kommenden Finalgegner tritt man dann mit einem zusätzlichen Ruhetag entgegen und im Endspiel wird man als Bezwinger des Gastgebers sicher auch die brasilianischen Fans auf seiner Seite haben. Die titellosen Jahre neigen sich mit aller Macht dem Ende. Wie heißt es bei Sunzi: „Wenn Du Deinen Feind kennst und dich selbst kennst, brauchst du das Ergebnis von 100 Schlachten nicht zu fürchten.“ Noch 180 Minuten bis zum vierten Stern.

Redaktion Magath & Fußball

In Gruppe B die Würfel gefallen


Veröffentlicht am 18. Juni 2014

Holland und Chile weiter – Weltmeister ausgeschieden

Der letzte Spieltag in Gruppe B bietet bei Spanien gegen Australien eine Begegnung um die goldene Ananas. Die Messen gesungen, die Würfel gefallen. Wer hätte dies so und zu diesem Zeitpunkt erwartet? Chile und Holland planen fürs Achtelfinale, werden austragen wer als Erster oder Zweiter auf die Gegner aus Gruppe A trifft. Holland und Chile, beide mit ausgezeichneter Taktik und der richtigen Einstellung gegen den Weltmeister aber auch mit Schwächephasen gegen Australien, haben den Einzug in die nächste Runde erreicht und auch verdient. Am Tag als in Madrid König Juan Carlos abdankt steigt Weltmeister Spanien vom Thron, welch merkwürdige Duplizität der Ereignisse. Sich nun an diesen Spaniern die Füße abtreten wäre billig wie verlockend, viele werden dem natürlich nicht widerstehen. Sagen wir lieber ADIÓS und DANKE für unvergessliche Jahre und große Momente in der neueren Geschichte des Fußballs. Die dort von den Spaniern beschriebenen Seiten werden die Zeiten überdauern. Das menschliche Antlitz des Vicente del Bosque wird dem Turnier ab sofort fehlen, möge es dem Weltfußball lange erhalten bleiben. Für die Sieger geht die Reise weiter. Man darf gespannt sein wohin. Der Weg der obsessiven Trainer Louis van Gaal wie Jorge Sampoli und ihrer Teams muss im Achtelfinale längst nicht enden, wer auch immer dort wartet.

Redaktion Magath & Fußball

Eine Art Held


Veröffentlicht am 1. November 2013

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„Felix Magath ist sicherlich keiner, der hier beim HSV irgendjemandem Angst macht. Er ist hier ein Held, vor allem für meine Generation. Wir konnten es ja kaum glauben, als Felix damals im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Juventus Turin das entscheidende Tor erzielte.“

(Karl König, Stadionsprecher HSV, Interview ran, 31. Oktober 2013)

Triumph der Einfachheit


Veröffentlicht am 16. Juli 2013

Vicente del Bosque prägt mit seiner Persönlichkeit den spanischen Fußball

imago10902593m_cSchwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt. Vicente del Bosque weiß um Bürde und Flüchtigkeit einer von „König Fußball“ verliehenen Regentschaft. Weltmeister! Empfang beim König. Liebling der Nation. Milde lächelnd nahm er die Ehrungen hin. Die Gedanken sind ihm auch im Erfolg nicht ins Gesicht geschrieben. Der wirkliche Triumph stand allerdings noch bevor. Xavi und Iker Casillas, Weltstars beide, wussten, wie sie ihrem Trainer danken konnten. Sie brachten dessen geliebten Sohn Alvaro mit auf das Oberdeck des Busses, der die Furia Roja durch das euphorisierte Madrid fuhr. Del Bosque, dessen Sohn am Down-Syndrom leidet, zeigte Rührung und alle Anstrengung des WM-Turniers fielen von ihm ab. Weiterlesen