Schlagwort-Archive: Land

Hausaufgaben = WM Belohnung


Veröffentlicht am 5. September 2015

„Nur weil Geschäftemacher glauben, dass die WM einen Boom auslöst und ein Land seine Probleme überwindet, muss es nicht zwangsläufig so sein. Weltmeisterschaften müssten an den Orten ausgetragen werden, die zur Bedeutung des Fußballs beigetragen haben. Andere Länder sollten erst ihre Hausaufgaben erledigt, eine starke Liga geformt und den Jugendfußball gefördert haben, und dann als Belohnung die WM bekommen.“

(César Luis Menotti, Interview, Tagesspiegel-Berlin, 27. Juni 2010)

El Tractor mit der Nummer vier


Veröffentlicht am 17. August 2015

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Der außergewöhnliche Weg des Javier Zanetti

Geboren wurde er 1973 in Buenos Aires, ging mit 19 Jahren in die Provinz zu Talleres de Escala, um nach einem Jahr und 17 Spielen in die Hauptstadt zum Vorortverein CA Banfield zurückzukehren. Dort spielte er 66 Partien in Abwehr und Mittelfeld und machte sich 1995 auf nach Europa, um die alte Welt zu erobern. Es sollte ihm gelingen. Javier Zanetti schrieb Fußballgeschichte. Als diese glanzvolle Spielerlaufbahn endete, waren Fabelrekorde gebrochen und eine Legende geschaffen. Zanetti gestaltete diese atemberaubende Karriere nicht mit dem infantilen Zirkus der Marke Beckham oder Ronaldo, sondern als ein kluger junger Mann, der ein gebildeter und verantwortungsvoller Erwachsener wurde. Ein Blick auf seine Zahlen lässt den Atem stocken und Ehrfurcht vor diesem Gentleman des Fußballs aufkommen, den seine Fans ob seines unermüdlichen Einsatzes ganz unfein aber respektvoll „Traktor“ nannten. Weiterlesen

Zwischen Fußballfeld und Stadionlaufbahn


Veröffentlicht am 1. August 2015

Im Finale gegen Aston Villa gewann Club Atlético Peñarol 1982 zum dritten Mal den Weltpokal. Die große Zeit von Isabelion Gradín war da schon lange vorbei.

Im Finale gegen Aston Villa gewann Club Atlético Peñarol 1982 zum dritten Mal den Weltpokal. Die große Zeit von Isabelino Gradín war da schon lange vorbei.

Isabelino Gradín war ein besonderer Sportler

In Süd- wie Mittelamerika schwärmt man gerade vom Mexikaner Jürgen Damm, dem Flügelflitzer vom diesjährigen Copa Libertadores Finalisten UANL Tigres aus Mexiko. Der ist schnell wie die legendäre Trickfilm-Maus „Speedy Gonzales“, bringt es mit dem Ball am Fuß laut Messdaten auf etwa 35 Kilometer pro Stunde, darin ähnlich dem Waliser Gareth Bale. Beide Flügelflitzer werden als Tempowunder gehandelt, haben allerdings darin kein Alleinstellungsmerkmal. Schon in alter Fußballzeit gab es einen flotten wie legendären Vorläufer, der ihnen in nichts nachstand, einst auf schnellen Füßen unterwegs war. Seine Laufleistungen wurden allerdings mit Medaillen gekrönt. Wer durch die Ciudad Vieja schlendert, die traumhafte Altstadt von Uruguays Hauptstadt Montevideo, kann über kurz oder lang auch auf die Plaza Isabelino Gradín gelangen und eine Denkmalstelle mit gleichem Namen entdecken. Benannt nach einem der großen Fußballer und Sportler Lateinamerikas: Isabelino Gradín. Weiterlesen

Einiges los über Ostern


Veröffentlicht am 7. April 2015

Blaise Matuidi (Mitte) war einer der PSG-Torschützen beim wichtigen Auswärtssieg im Stade Vélodrome.

Blaise Matuidi (Mitte) war einer der PSG-Torschützen beim wichtigen Auswärtssieg im Stade Vélodrome.

Arsenal, Ronaldo, Bayern und Busattacken bestimmen Ostertage im europäischen Fußball

Medienhype um fünf Ronaldo-Tore. In Deutschland wird daraus „Ronaldo lässt Messi stehen“. Gespielt haben die beiden nicht gegeneinander, nicht einmal ihre Vereine. Dieser latente Quervergleich bringt Schreiber offenbar leichter durch den Arbeitstag und hält die Werbetrommel am Laufen. Man will uns sagen, der eine hat nun wieder mehr Tore. Ronaldo kommt auf 36 Treffer, Messi auf 32. Real Madrid gewann beim FC Granada unbehelligt vom Gegner mit 9:1. Solche Tage und Torquoten machen nicht nur verquere Schlagzeilen, sie munitionieren natürlich schon jetzt die nächste Weltfußballerwahl. Die respektheischende Torquote von Messi/Ronaldo hat ein verqueres Schlagzeilen-Drumherum eigentlich nicht nötig, aber die Manege will bedient werden. Sei’s drum. Der FC Barcelona machte es minimalistischer und ohne Schlagzeilen. An diesem Tag also kein Messi-Treffer aber auch drei Auswärtspunkte. Mit einem 1:0 bei Celta Vigo wurde der Vier-Punkte-Vorsprung auf Real gehalten, die Tabellenführung der Primera División weiter gesichert. In Frankeich ging es auch um die Tabellenführung. Das erste Wort hatten dort aber Chaoten. Vor Beginn des Spitzenspiels bei Olympique Marseille wurde der Mannschaftsbus von Spitzenreiter Paris Saint Germain auf der Fahrt ins Stadion mit Wurfgeschossen angegriffen. Die Leistung der Spieler von PSG davon unbeeindruckt. Man nahm die schwere Auswärtshürde mit einem 3:2-Sieg und sicherte sich weiter Platz eins in der France Ligue 1 Tabelle.  Weiterlesen

Ball rollt auch an Ostern


Veröffentlicht am 2. April 2015

Kann der BVB den Bayern am Ostersamstag ein gelbes Ei ins Nest legen?

Kann der BVB den Bayern am Ostersamstag ein gelbes Ei ins Nest legen?

Nach Länderspielpause wieder Ligen im Fokus

Monumental klingt Ostern die Matthäus-Passion, dramatisch rollt auch an hohen Feiertagen der Ball. In den Top-Ligen sucht man keine Eier, man jagt lieber Punkte. Die Bundesliga bietet den Schlager Borussia Dortmund gegen Bayern München, der Kracher der letzten Jahre kann nur verbal Feuer bieten, Aki Watzke und Matthias Sammer sind immer für fliegende Funken gut. Sportlich ist man derzeit nicht in Konkurrenz. Dortmund wird nicht absteigen, das Gespenst vertrieben, Bayern als sicherer Meister mit den Sorgen, die Champions League Pflichten so mitbringen, welche sich eher um die gesunde Vollständigkeit des Personals als um den schnöden Ligaalltag drehen. Beide Teams können entspannt wie aufopferungsvoll für die Ehre anrennen. Im Kopf und im Herzen werden einige auf beiden Seiten sich längst auf ein mögliches Pokalendspiel zu Berlin freuen. Das hätte dann einen Hauch von Wembley. Weiterlesen

Auf den Gabentisch – Weihnachtsempfehlung II


Veröffentlicht am 17. Dezember 2014

Dauerkarte und Schachgenie

Reportagen, Interviews, Essays, Kurzgeschichten, Kritiken sowie guter Journalismus – und nicht zu vergessen Hans Meyer. In 11Freunde ist der denkende Fußballfan wohlig aufgehoben und wird dennoch nicht eingelullt. Wer an Biederkeit, Herabsetzungen und Plattheiten interessiert, der sollte besser die Finger von 11Freunde lassen. Die Macher und Schreiber von 11Freunde animieren den Geist des Menschen und nicht den inneren Schweinehund, geben dem Verstand Nahrung und nicht den niederen Instinkten. Der denkende Leser und Fußballfan ist Adressat der Redaktion. Wer Lust an allen Verästelungen des Fußballs, wer sich für die Dinge hinter dem Ball und der Vermarktungsmaschinerie interessiert, sich lesend erfreuen möchte, staunen kann und neugierig bleibt, der kommt so richtig auf seine Kosten. Weiterlesen

Bollwerk – Defensive Glanzlichter


Veröffentlicht am 2. Oktober 2014

In der Serie A ist Juventus eine Bank der Abwehrstabilität

In Italien sind Abwehrkünstler eine natürliche Erscheinung, seit Helenio Herrera ist das Land eine exzellente Defensivadresse. Nicht nur die „Alte Dame“ aus Turin momentan ein unüberwindbares Bollwerk für Stürmer. Auch in Katalonien hält man den Kasten dicht. Der FC Barcelona bekommt in Paris drei Treffer eingeschenkt, weist aber in der heimischen Liga eine reine Weste vor, in sechs Spielen keinen Gegentreffer. Als hätte Luis Enrique das Tiki-Taka mit einem Schuss Catenaccio gepaart. Die Null kann nicht immer stehen, Gegentore und Fehler gehören zur Unausweichlichkeit des Wettkampfes. Des einen Freud bleibt auch im Fußball des anderen Leid. In der Bundesliga haben die Bayern die meisten Treffer erzielt, Leverkusen hält nur darin Schritt. Die Münchner stellen allerdings auch die beste Abwehr, welche nur zwei Gegentore kassierte und hinter sich noch Manuel Neuer weiß. Solche Werte machen Meister. Folgerichtig die Tabellenführung für Barca wie für Bayern. Auch Italien hat einen Tabellenführer: Juventus Turin. Weiterlesen

Kein gewöhnlicher Montag


Veröffentlicht am 16. Juni 2014

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In diesen Tagen, an denen sich aus Fußballleidenschaft eine Fluchtfunktion vor Alltag und Routine entwickelt, wirft das runde Ding wieder seine alte Verzauberungskraft in die Waagschale. Nur wenige Massenspektakel der positiven Art kommen dem gleich. Und wir wehren uns gering, sich davontragen lassen, den Sommer mit der Leidenschaft Fußball einzuläuten, wer gibt sich solcher Art Versuchung nicht gerne hin? Ein Turnier dieser Wucht hat ja immer drei Fixpunkte, den Tag der Eröffnung, das von allen ersehnte Finale und wenn dazwischen endlich die eigene Mannschaft ins volle Geschehen greift. Der Tag ist nun gekommen, die Voraussetzungen sind perfekt. Dazu Felix Magath: „Joachim Löw kann auf den qualitativ besten Kader zählen, mit dem jemals ein Bundestrainer bei einer Weltmeisterschaft antreten durfte. Alle Mannschaftsteile sind inzwischen mit erfahrenen Profis internationaler Klasse besetzt. Das spricht für eine stabile Qualität auf höchstem Niveau.“

Ein milder Sommerabend steht ins Haus. Die Plätze, Straßen und Tische sind bereitet. Das Land ist für ein außergewöhnliches Massenerlebnis gerüstet. Was 2006 heimisches wie gigantisches Sommermärchen, funktionierte bei wiederum gleißender Hitze auch in 2010, vom fernen Südafrika schwappte die Stimmung über einen Kontinent und brach sich in Deutschland die freudige Bahn. Public Viewing das neue Zauberwort. Von Fußballexperten und sachkundigen Zuschauern über eventverliebte Frauen und Männer bis zu stimmungskreischenden Teenagern, alles war auf den Beinen. Jung und Alt klopfte sich die Schulter oder fiel um verfügbare Hälse, eine friedliche Masse flatterte emotional aufgeladen wie vergnügungssüchtig über Straßen, Plätze und Wiesen. Eine Fanfamilie auf Zeit ward geboren. Ein wochenlanger Freudentaumel bestimmte den nationalen Herzschlag, dann kamen die Spanier wie einst die Italiener. Halbfinale hieß die jeweilige Endstation. Nun also auf ein Neues. Elf Deutsche in Brasilien können erneut die Steilvorlage für ein Land im stimmungstechnischen Ausnahmezustand liefern. Es ist angerichtet.

WM | 16. Juni 2014 | 18.00 Uhr MEZ: Deutschland – Portugal  (Arena Fontana Nova, Salvador, Brasilien)

Redaktion Magath & Fußball