Schlagwort-Archive: Loriot

Auf den Gabentisch – Weihnachtsempfehlung III


Veröffentlicht am 19. Dezember 2014

Schauspieler Gert Voss (1941 – 2014)

Schauspieler Gert Voss (1941 – 2014)

Abseits vom Fußball

Gert Voss starb am Tag des Endspiels, auf das er sich nach Bekunden von Freunden schon sehr gefreut hatte. Am Nachmittag des 13. Juli 2014 endete in einer Wiener Klinik das Leben des größten Theaterschauspielers unserer Zeit im Alter von 72 Jahren. Aus dem Land Shakespeares die größte Auszeichnung seines Lebens. Die ehrwürdige Times kürte Gert Voss im Jahr 1995 zum besten Schauspieler Europas. Mehr geht nicht, Voss sozusagen Europameister. Wer ihn auf der Bühne sah, wird ihn nicht vergessen, seine Kunst und sein Können begann wo andere schon am Ende aller Möglichkeiten, er machte Theater und Stücke lebendig und erlebbar, aus seinen Vorstellungen ging man bereichert. Seine Rollen und Triumphe, seine Größe und seine Regisseure zu notieren hieße unendliche Seiten füllen. Nicht nötig, es ist alles gesagt, auch von ihm. Unsterblich war er schon vor seinem Tod. Kurz vor diesem Tod erschienen seine Lebenserinnerungen, ein spannendes, ein ernstes, ein witziges und ein gutes Buch. Ein Buch von einem Theatermann, vor allem das Buch eines anständigen Menschen. Wer sich von den künstlichen Aufgeregtheiten des Fußballs erholen will, wo noch die letzte Blähung zu einem Orkan aufgeblasen, der sollte über die Feiertage zu „Ich bin kein Papagei“ greifen, dabei eine lesenswerte Erfahrung machen und eine aufregende Reise durch ein grandioses Theaterleben antreten. Weiterlesen

Schaumschlägerei


Veröffentlicht am 27. September 2014

Freistoßspray findet keine Gnade

„Die Angabe der Nettofüllmenge entspricht nicht den europäischen Vorgaben“, bei Einsatz des Sprays ist „mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren und einer Geldbuße zu rechnen. Die weitere Verwendung wird dann untersagt“. Wenn man solche Sätze hört, ist man in Deutschland. Der TÜV hat gesprochen und sein Verdikt in Sachen Freistoßspray verkündet. Was ein wenig nach Loriot klingt, ist tatsächlich ernst gemeint und keine Posse von Theaterdirektor Striese. Weiterlesen

Auf den Wogen der Gemütlichkeit


Veröffentlicht am 4. Juni 2014

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Rundumversorgung als Titelgarant?

Geht es dem Deutschen so richtig gut, lässt er die Gattin schon mal beim Bettenkauf im Geschäft liegen, sobald diese wohlig eingeschlummert. Ganz Gentleman, bittet er den erstaunten Verkäufer um das Kredenzen einer Tasse Tee nebst Gebäck wenn die Gemahlin erwacht, um sich dann auf leisen Sohlen aus dem Staub zu machen. Davon konnte Loriot so wunderbar erzählen, ältere Generationen lachen noch heute über den angestaubten Sketch, jüngere Zeitgenossen schütteln über diese Art von Humor mittlerweile den Kopf. Einig sind sich Alt und Jung aber in der Frage von Bequemlichkeit und Wohlleben. Nichts geht eben über Gemütlichkeit. Der Bär Balu aus Disneys „Dschungelbuch“, Verkörperung der puren Lebensfreude, sang dem kleinen Mogli einst sogar ein freudiges Lied in dieser Sache: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst Du den Alltag und die Sorgen fort.“ Weiterlesen

Ach was!


Veröffentlicht am 13. Februar 2014

Vico von Bülow machte sich auch über den Fußball Gedanken

„Schon vor Hunderttausenden von Jahren hatte der Mensch Freude daran, Gegenstände mit Fußtritten in rasche Bewegung zu versetzen. Allerdings ging man seinerzeit noch auf allen vieren, so dass ein Schuss aufs Tor sich meist schon in den eigenen Vorderbeinen verfing. Da begriff der Mensch, er müsse sich, wenn er erfolgreich Fußball spielen wollte, in den aufrechten Gang erheben. Und diese Erkenntnis führte, wie wir wissen, zu Tempo und Eleganz des Fußballspiels und damit auf den Weg in die Zivilisation. Politiker, Wissenschaftler und Kulturschaffende folgten Jahrtausende später. Leider gewöhnen sich seither viele Menschen an den aufrechten Gang, die gar nicht vorhaben, Fußball zu spielen. Als Erste empfanden sportinteressierte Studenten die Leistung ihrer Mittelfinger als unbefriedigend und wandten sich einem damals hier zu Lande noch weithin unbekannten Rasenspiel zu, dem Fußball, einem Spiel, bei dem der Mittelfinger nie oder nur in kritischen Situationen zum Einsatz kommt. Das Spiel stammte, wie die meisten Sportarten, bei denen es gilt, Leib und Leben zu riskieren, aus englischen, für ihre Fairness bekannten Akademikerkreisen. Seither ist es auch bei uns üblich, ein beabsichtigtes Foul dem Gegner anzukündigen mit den Worten: „Gestatten Sie, Sir . . .“ Aber da seit längerem keine Fouls mehr gespielt werden, ist dieser Vorgang kaum noch zu beobachten.“

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Monty Python mit Philosophen am Ball


Veröffentlicht am 15. Dezember 2013

Diese Partie hat wohl nie stattgefunden

Der Engländer leidet am Fußball, aber er kann auch trefflich drüber lachen. Was den Deutschen Loriot, ist den Briten bis heute die Truppe von Monty Python. Der Preuße und die Engländer fuhren dem Spießer nicht mit kalter Grausamkeit ins Genick sondern schlugen lieber die Trommel der feinen Ironie, getreu dem Tucholsky-Motto „Satire darf alles“. Was dem einen der „Kosakenzipfel“ war den anderen ihr „Brian“. Ein grandioser und unvergessener Sketsch der Komikertruppe Monty Python ist ihr berühmtes „Fußballspiel der Philosophen“*. Im Olympiastadion zu München trafen sich im Jahre 1972 Geistesriesen zum finalen Duell* der Denker. Das deutsche Nationalteam tritt an gegen die griechische Nationalmannschaft. Im Vorfeld der Partie hat es Gerüchte über Spannungen innerhalb der deutschen Mannschaft gegeben, Bundestrainer Martin Luther konnte diese im Vorfeld aber ausräumen. Das deutsche Team läuft in Bestbesetzung mit folgender Startformation auf: Gottfried Leibniz – Immanuel Kant, Georg W. Hegel (Kapitän – worüber Kant empört.), Arthur Schopenhauer, Friedrich Schelling – Franz Beckenbauer, Karl Jaspers – Friedrich Schlegel, Ludwig Wittgenstein, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger. Die Nominierung von Franz Beckenbauer irritiert Experten wie Fans und den Kaiser selbst, Karl Marx muss für ihn auf die Bank. Besonders angespannt scheint Nietzsche, der in den letzten vier Spielen bereits drei Gelbe Karten kassierte. Weiterlesen