Schlagwort-Archive: Macht

Cicero | Ausgabe Nr. 10, Oktober 2017


Veröffentlicht am 29. September 2017

Brandheiß und aktuell kommt der neue Cicero ins Haus. Herausgeber, Redaktion und Gastautoren bieten mit gewohnter Akkuratesse ein hochspannendes Panorama an Themen und beleuchten mit Herzblut und Verve den Istzustand unserer Republik. Die Cicero-Macher nehmen die Ergebnisse der Bundestagswahl unter die Lupe und begnügen sich nicht mit einem Kratzen an der Oberfläche. Cicero nennt die Dinge beim Namen, schafft einen freien Blick und verkleistert dabei nicht die Gedanken seiner Leserschaft. Ein guter Wegweiser zur Klarheit. Auch der Fußball ist im Magazin für politische Kultur angekommen.

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Doppelfunktion


Veröffentlicht am 10. Dezember 2015

„Das Entscheidende ist doch: Welche Macht gibt die Vereinsführung einem Trainer? Sie gibt ihm Macht und nimmt sie ihm. Gegen die Vereinsführung haben Sie als Trainer überhaupt keine Chance. Die sind vor Ort vernetzt, sie kommen von außen. Die bestimmen die Kommunikation. Und die Spieler merken sofort, wenn ein Trainer geschwächt wird. Sie spüren, wer hat Macht, wer hat das Sagen. Deshalb war es eine meiner Stärken, dass ich in Stuttgart, Schalke und Wolfsburg die beiden Funktionen als Trainer und Manager vereinigen konnte. Das war der eigentliche Grund, warum ich beides gemacht habe. […] Durch die Doppelfunktion habe ich bei den Spielern eine große Leistungsbereitschaft erlebt. Weil sie wussten: Der entscheidet auch über Transfers. Das war Teil meines Erfolges. Wenn man diese Macht einem Trainer nimmt, spürten die Spieler das sofort. Hoeneß hat das gemacht, indem er die Spieler hochholte in sein Büro und sie sich ausweinen ließ. Und wenn er ihnen dann sagte, da muss ich doch mal mit dem Trainer reden, hat der Spieler schon gewonnen und der Trainer schon verloren.“

(Felix Magath, Interview FAZ-Sonntagszeitung, 6. Dezember 2015)

Wohltuend


Veröffentlicht am 3. Dezember 2015

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Borussia Mönchengladbach zeigt Wettkampfgeist

Wenigstens ein Team geht mutig in die Schlacht und sendet nicht schon Tage vor Spielbeginn devote Kapitulationsadressen Richtung Bayern München. Während der Rest der Liga, zahm und furchtsam, die eigene Chancenlosigkeit stets schon vor Anpfiff herausposaunt, um dann grobe Niederlagen mit tiefer Dankbarkeit entgegenzunehmen, sind die Fohlen aus dem Borussia Park auf Krawall gebürstet und wollen es der Guardiola-Truppe am kommenden Spieltag zeigen. Borussia Mönchengladbach will sich nicht kampflos in das Schicksal einer Niederlage fügen und tritt vor dem Spieltag dementsprechend auf. Die Sache kann durchaus schief gehen, der wuchtige Bayern-Express sich auch von der Favre/Schubert-Elf nicht aufhalten lassen. Dennoch gebührt diesen Borussen Respekt, sie erwecken den Eindruck eines tatsächlichen Wettkampfs, den man bei vielen Ligagenossen in Duellen mit den Bayern längst nicht mehr erkennen kann. Die Mitbewerber machen sich die Lederhose bereits voll bevor diese ihnen überhaupt angezogen. Stellvertretend für eine völlig andere Herangehensweise, eine sportliche Wettkampfsicht, soll hier Gladbachs Neuzugang Josip Drmić zitiert werden: „Nie aufgeben – das ist unsere Mentalität. Wenn das Spiel losgeht, steht es auch gegen Bayern 0:0. Und wir sind inzwischen eine Macht.“ Den Gladbachern sei Dank für den Eindruck einer lebendigen Bundesliga.

Redaktion Magath & Fußball

Herz am rechten Fleck


Veröffentlicht am 5. September 2015

„Felix Magath ist eine starke und interessante Persönlichkeit. Er möchte nur eines: ein vertrautes Umfeld. Der schwierige Stand von Trainern und Managern in den Medien ist manchmal nicht fundiert begründet. Die Medien haben große Macht und Einfluss, aber auch das gehört heutzutage zum Fußball dazu. Felix Magath hatte mir gegenüber immer das Herz am rechten Fleck. Und er war mir gegenüber immer ehrlich. Im Fußball wird ehrlich sein oft mit schwierig verwechselt. Leute, die ehrlich sind, gelten immer als schwierig.“

(Lars Mrosko, Interview, Zeit-Online, 3. September 2015)

Bewusstsein für Verantwortung


Veröffentlicht am 21. August 2015

„Im modernen Fußball kann der Promistatus eines Spielers die Macht des Trainers beschädigen. Als ich selbst noch aktiv war, hätte man es niemals gewagt, auch nur das leiseste Wort gegen einen Trainer fallen zu lassen. Damit hätte man Kopf und Kragen riskiert. Später erlebte ich häufig, dass Spieler von der Öffentlichkeit und sogar von ihrem Club Unterstützung erhielten. Ein Spieler wird seinem Ärger jedem gegenüber Luft machen, der es hören will. Ein Trainer kann und darf das nicht tun, weil er weit mehr Verantwortung trägt.“

(Alex Ferguson, Meine Autobiographie, Edel Books, 2014)

Der Stille und der Mächtige


Veröffentlicht am 9. Juli 2014

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Argentinien oder Holland: Wer wird Finalgegner der Deutschen?

Macht hin oder her, die Großmeister der Zunft sind geprügelt vom Feld, del Bosque, Tabárez und Scolari längst ruhmlos gescheitert. Der kleine Mann aus Buenos Aires kann dagegen den Einzug ins WM-Endspiel erleben, ob nun als Boss, als Geduldeter oder Ohnmächtiger. Die einen fragen, wer Alejandro Sabella wirklich ist, andere ob es ihn überhaupt gibt. Die Neue Zürcher Zeitung nennt ihn „Schattenmann“, unfeinere Blätter „Marionette“ und deutsche Gazetten vergleichen ihn mit Berti Vogts, nichts davon ist schmeichelhaft gemeint. Tritt er nach vorn, spritzen ihm Spieler Wasser ins Gesicht, tritt er nach hinten, fällt er in die eigene Bank. Fettnäpfe scheinen seine Heimat. Auch soll Messi den Kader und das System bestimmen, nicht der Mann an der Seitenlinie. Nichts Genaues weiß man nicht, Spekulation schießen ins Kraut und perlen an Sabella ab. Er gilt zumindest als sehr fürsorglich gegenüber seinen Spielern und Mitarbeitern.

Ohnmacht fällt einem beim Gegenüber nicht ein. Anfechtungen sind Louis van Gaal fremd, sein sprudelnder Kraftquell ist um den Fußballglobus bekannt. Wenn der „Tulpengeneral“ in seine Kladde blickt oder schreibt, ist Epochales in Dingen Fußball zu erwarten, unter dem tut er es nicht. Sein Diktum ist Gesetz, seine Gestik richtungsweisend, das Ego praller als ein Atomsprengkopf, Erfolg pflastert seinen Weg. Ob Charisma über die Fürsorglichkeit siegt oder umgekehrt, wir werden es erleben. Nach Abpfiff kann es nur einen geben.

Redaktion Magath & Fußball

Halbfinale winkt


Veröffentlicht am 8. April 2014

Ezequiel Lavezzi (links) brachte PSG im Hinspiel schon nach drei Minuten auf die Siegerstraße.

Ezequiel Lavezzi (links) brachte PSG im Hinspiel schon nach drei Minuten auf die Siegerstraße.

Rückspiele im Viertelfinale – Champions League biegt auf die Zielgerade

Paris Saint-Germain hat für den Aufmerker gesorgt, ein Sieg, zwei Tore Vorsprung und Chelsea ruhmlos zurück nach London. Sicher die Überraschung der Hinspiele, wenn auch keine Sensation. PSG-Trainer Laurent Blanc hat ein Team mit Ambitionen und Eigentümer, die – wie Roman Abramowitsch – alles möglich machen. Am Ende kritisierte José Mourinho die Abwehrleistung seiner Chelsea-Elf nicht, er fand nur Spott und das Defensivverhalten „lächerlich“, was wesentlich schlimmer als sein Zorn. Im Stadion saß Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari, der sich die Augen gerieben haben muss. In Chelseas Mannschaft liefen immer noch Spieler auf, die er in seiner Amtszeit 2008/2009 ausmustern wollte, weil sie ihren Zenit überschritten. Die Macht dieser Spieler – so stark wie in keinem Club der Welt – ließ damals kein frisches Blut für Chelsea zu, brachte vielmehr Scolari um seinen Job. Mourinho ist stark und gefestigt, wird sich zum Saisonende sicher auch von einigen Instanzen trennen, den Neuanfang intensivieren. Mit Zlatan Ibrahimović fehlt PSG die personifizierte breite Brust, man fährt dennoch selbstbewusst an die Stamford Bridge. Laurent Blanc weist immer darauf hin, PSG ist viel mehr als Zlatan Ibrahimović. Ob dem wirklich so ist, man wird es erleben. Die Cavani, Motta oder Thiago Silva haben jedenfalls eine Menge Fußball drauf, sind hungrig auf den Schritt ins Halbfinale, können es auch schaffen. Wie viel Appetit die Chelsea-Stars noch entwickeln, um gegenzuhalten, es wird sich zeigen. Aufgabe wird José Mourinho nicht dulden. Weiterlesen

Schach lehrt Fußball


Veröffentlicht am 22. November 2013

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„Ich habe vom Schach viel Wertvolles in den Fußball mitnehmen können. Dass jede Aktion eine Begründung hat, dass möglichst jeder Zug eine Bedrohung für den Gegner sein soll. Übersetzt in den Fußball: Dass man die Macht des Zufalls verringern muss. Dass es entscheidend ist, das Tempo hochzuhalten und trotzdem die Kontrolle zu behalten. Zeit ist Raum.“

(Felix Magath, Interview mit tz München, 22. November 2013)