Schlagwort-Archive: Mailand

Der FC Liverpool und sein Komitee


Veröffentlicht am 25. Oktober 2015

„Das ‚Transfer-Komitee‘, das der amerikanische Milliardär John W. Henry einführte, als er den FC Liverpool mit der Fenway Sports Group 2010 übernahm, hat, bei 31 Einkäufen für fast 400 Millionen Euro, eine schwache Bilanz, vor allem in den vergangenen zwei Jahren. Für Suárez und Sterling bekam man fast 150 Millionen Euro und verplemperte sie für Spieler wie den inzwischen an den AC Mailand zurückverliehenen ‚Torjäger‘ Mario Balotelli, der in 16 Ligaspielen einen Treffer schoss – aus einem Meter ins leere Tor.“

(FAZ Sonntagszeitung, Ausgabe Nr. 41, 11. Oktober 2015)

Was ist los im Königreich Mourinho?


Veröffentlicht am 15. Oktober 2015

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Fußball-England wundert über den FC Chelsea und blickt auf dessen Trainer

Man muss José Mourinho nicht in Schutz nehmen, seine Erfolge geben dem anschwellenden Zorngesang deutliche Antwort. Als verantwortlicher Cheftrainer oder Manager hat er in seiner Heimat zwei Meistertitel mit dem FC Porto geholt, drei in England mit dem FC Chelsea, zwei in Italien mit Inter Mailand und einen mit Real Madrid in Spanien. Dazu gesellen sich mit Porto und Inter zwei Champions League Siege und einer im UEFA Cup. Mit jedem dieser vier Clubs konnte er auch den heimischen Landespokal und den jeweiligen Supercup gewinnen. 22 Titel darf er sein eigen nennen, für 15 Berufsjahre keine schlechte Bilanz. Er hatte noch nicht das 50. Lebensjahr vollendet, als er bereits 100 Champions League Spiele auf seiner Habenseite verbuchen konnte. Niemals hat ein Trainer in England mehr Punkte eingefahren als er es in der Meistersaison 2004/2005 tat, Chelsea schloss mit 95 Zählern ab. Titel wie Welttrainer und Europas Trainer des Jahres flatterten ihm mehrmals ins Haus. Wer wollte es diesem Mann verdenken, wenn er dem Absender einer dummen Frage die Nutzung von Google ans Herz legt. Hätte es Google schon gegeben, diese Antwort wäre sicher auch im Köcher von Ernst Happel auffindbar gewesen. Wie Happel verachtet Mourinho jene Machart der Berichterstattung, die ohne fachlichen Hintergrund Urteile und Wertungen im Stakkato-Takt liefert. Auf der anderen Seite füttert er genau diese Art Berichterstattung mit Vorliebe und hat diebisches Vergnügen, wenn er zitierfähiges Material streut. Eine eckige Persönlichkeit dieser José Mário dos Santos Félix Mourinho. Stromlinienförmig geht anders, Beliebigkeit ist Mourinhos Sache nicht. Weiterlesen

Tore, Debütanten und ein Derby


Veröffentlicht am 14. September 2015

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Ein Blick auf Europas Top-Ligen

Falsche Territorien. Cristiano Ronaldo läuft in Barcelona gegen Espanyol auf und schießt für Real Madrid fünf Tore beim 6:0-Auswärtssieg. Damit pulverisiert er den von Raúl mit 228 Treffern gehaltenen Torschützenrekord bei den Königlichen und liegt nun mit 230 Treffern auf Platz eins der ewigen Bestenliste. Raúl benötigte für seine 228 Tore insgesamt 550 Spiele, Ronaldo für seine Quote 203 Spiele. Sensationeller Wert des Portugiesen, der auch gleich noch an Clublegende Alfredo Di Stéfano vorbeizog. Der hatte in 329 Spielen für sein Weißes Ballett 227 Tore auf die persönliche Habenseite gebracht. Wird Ronaldos Torquote auch oft von schrecklicher Eitelkeit überlagert, die Statistik spricht staunenswert für ihn. Espanyol war allerdings auch ein Gegner an der Grenze zur Peinlichkeit. In solchen Partien, wo selbst die Frisur keinerlei Schaden nimmt, findet Ronaldo seine größte Profession und echte Lust am Spiel. Den ihm gebotenen Nährboden für eine One Man Show kann dann keiner so gut beackern wie der Mann aus Funchal. Einer, der mit CR7 mithält, diesem auch nach Belieben das Wasser reichen kann und dem Spiel doch den Mannschaftscharakter erhält, bleibt stets Lionel Messi, der andere Großstern im Blendwerk Fußball. Messi lief in Madrid auf und saß beim Spitzenspiel seines FC Barcelona gegen Atlético Madrid anfangs auf der Bank. Der kleine Argentinier wurde zum zweiten Mal Vater und bekam von Trainer Luis Enrique eine vermeintliche Pause geschenkt. Weiterlesen

El Tractor mit der Nummer vier


Veröffentlicht am 17. August 2015

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Der außergewöhnliche Weg des Javier Zanetti

Geboren wurde er 1973 in Buenos Aires, ging mit 19 Jahren in die Provinz zu Talleres de Escala, um nach einem Jahr und 17 Spielen in die Hauptstadt zum Vorortverein CA Banfield zurückzukehren. Dort spielte er 66 Partien in Abwehr und Mittelfeld und machte sich 1995 auf nach Europa, um die alte Welt zu erobern. Es sollte ihm gelingen. Javier Zanetti schrieb Fußballgeschichte. Als diese glanzvolle Spielerlaufbahn endete, waren Fabelrekorde gebrochen und eine Legende geschaffen. Zanetti gestaltete diese atemberaubende Karriere nicht mit dem infantilen Zirkus der Marke Beckham oder Ronaldo, sondern als ein kluger junger Mann, der ein gebildeter und verantwortungsvoller Erwachsener wurde. Ein Blick auf seine Zahlen lässt den Atem stocken und Ehrfurcht vor diesem Gentleman des Fußballs aufkommen, den seine Fans ob seines unermüdlichen Einsatzes ganz unfein aber respektvoll „Traktor“ nannten. Weiterlesen

Zwischen Ruhm und Schande


Veröffentlicht am 12. Juli 2015

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Roberto Boninsegna

Anhängern der Gladbacher Borussia treibt sein Name bis heute Zornesröte ins Gesicht. Seine große Zeit war der Beginn der Siebziger Jahre. 1970/71 wurde er mit Inter Mailand erstmals italienischer Meister und gleichzeitig Torschützenkönig der Serie A. Die Rede ist von Roberto Boninsegna, dem 1943 im lombardischen Mantua geborenen Stürmer. Bei der legendären Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko war er einer der Torschützen im Jahrhundertspiel Deutschland – Italien, hatte dort die frühe 1:0-Führung für die Italiener besorgt, die anhielt bis „ausgerechnet Schnellinger“… Im Endspiel gelang Boninsegna für Italien der 1:1-Ausgleichstreffer gegen den späteren Weltmeister Brasilien. Damals stand noch eine Seleção auf dem Platz, die niemand aufhalten konnte, Italien ging chancenlos mit 1:4 unter. Boninsegna wurde 1971/72 nochmals Torschützenkönig der Serie A und machte bis zum Ende seiner Inter-Zeit insgesamt 171 Tore für den Nobelclub aus Norditalien. Bis heute Platz drei der ewigen Inter-Bestenliste. Boninsegnas 1976 erfolgter Wechsel zu Juventus Turin – als Wunschspieler von dessen Trainer Giovanni Trapattoni – brachte ihm noch zwei italienische Meistertitel und den Sieg im UEFA Cup. An seine große Zeit von 1970 bis 1972 konnte er aber nicht mehr anknüpfen. 1980 beendete Boninsegna in Verona seine aktive Laufbahn, die ihm auch 22 internationale Einsätze für die Squadra Azzurra bescherte, in denen er neun Treffer erzielte. Weiterlesen

Eine ehrenwerte Leiche


Veröffentlicht am 8. Juli 2015

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Europapokal der Pokalsieger

Die diesen Wettbewerb mordeten und 1999 abschafften, haben sich nicht um den Fußball verdient gemacht. Fans, Spieler und Zuschauer mochten ihn, die Endspiele hatten oft mehr Spannungsgehalt und manchmal wesentlich mehr Klasse, als ihr Pendant bei den Landesmeistern. Es waren Funktionäre, die den Pokalsiegerwettbewerb nicht mehr wollten und nicht das Publikum oder die Sportler. Zwischen ausufernder Geldgier sowie einem aufgeblasenen Wettbewerb in Sachen Champions League und dem ständigen Herumexperimentieren an der Europa League, dem einstigen UEFA Cup, ist der Europapokal der Pokalsieger auch 16 Jahre nach seinem Ableben noch in vielen Fanherzen lebendig und seine großen Momente unvergessen. Es begann und endete italienisch. Der erste Sieger hieß 1960/61 AC Florenz, der letzte Triumphator war 1998/99 Lazio Rom. Dazwischen gesellten sich ehrenvolle und große Namen des europäischen Clubfußballs. Was Real Madrid bei den Landesmeistern, wurde der FC Barcelona bei den Pokalsiegern: man holte die meisten Titel. Aus sechs Endspielteilnahmen kehrte Barça viermal als Sieger heim. Jeweils zwei Triumphe gelangen Dynamo Kiew, dem RSC Anderlecht, dem AC Milan und dem FC Chelsea. Der FC Barcelona hatte auch Anteil am wohl legendärsten wie spannendsten Endspiel des Wettbewerbs. Vor 58.000 Zuschauer im St. Jakob-Stadion zu Basel setzte der krasse Außenseiter und deutsche Pokalsieger Fortuna Düsseldorf dem Barça-Ensemble schwer zu und kämpfte wirklich bis zum letzten Atemzug. Erst in der Verlängerung konnte die Fortuna von den Katalanen mit 4:3 niedergerungen werden. Thomas Allofs und zweimal Wolfgang Seel sorgten für die Düsseldorfer Tore. Auch andere deutsche Clubs färbten die Leinwand der Pokalsiegergeschichte bunt. Weiterlesen

Weichenstellung


Veröffentlicht am 10. November 2014

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Tabellenführer festigen ihre Position

Die Spitzenreiter in den kontinentalen Top-Ligen agierten wie Champions, setzten eindrucksvolle Zeichen Richtung Konkurrenz. Bayern und Chelsea bleiben weiter ungeschlagen, Real die Torfabrik des europäischen Fußballs und Juventus zeigte sich in einer für italienische Verhältnisse ungewohnten Torlaune. Nur in Frankreich wurde der Spitzenreiter gerupft. Weiterlesen

Im Auge des Vulkans


Veröffentlicht am 1. November 2014

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Präsident Aurelio De Laurentiis prägt den SSC Neapel

Der Vesuv sah Pompeji untergehen und hatte gerüttelt Maß Anteil daran. Dank Edward Bulwer-Lytton und Robert Harris können wir uns dahin zurücklesen, seit Hollywood fliegt uns die Lava kinematographisch um die Ohren. Mit ähnlich eruptiver Energie wie der feuerspeiende Vulkan am Golf von Neapel, ließ ein argentinischer Fußballer den blassen Fußballstern am Fuße des Berges zum Leuchten aufsteigen. In der Erfolgsgemeinschaft mit Diego Maradona gelangte der SSC Neapel zu europäischer Fußballgröße und wurde zur Nummer eins in Italien. Die Erinnerung hat sich längst losgelöst von der Realität und kommt mittlerweile verklärt daher, „Goldene Ära“ schwärmen sie in Neapel. Dem Verursacher werden in der Stadt bis zum heutigen Tag Heiligenschreine gewidmet, sein Besuch beim Abschiedsspiel von Ciro Ferrara im Sommer 2005 führte zu einer Maradona-Feierstunde, als dieser vor 70.000 Zuschauern seine alte Wirkungsstätte, das Stadion San Paolo, betrat. Vor Maradona war der SSC Neapel nur ein 1904 gegründeter Fußballverein von Hafenarbeitern, die natürlich aus England kamen. Belacht und mit hoher Nase in den Fußballhochburgen Rom, Turin und Mailand bedacht, spielte man keine Rolle im Konzert der Großen, diente nur als Beispiel des armen wie hinterherhinkenden Südens. Lediglich zwei Pokalsiege konnten vom Kuchen der Großclubs erkämpft werden, man gewann 1962 und 1976 die Coppa Italia. Der Fußballnorden Italiens musste sich wahrlich nicht bedroht fühlen durch diesen SSC Neapel. Weiterlesen

Indiens Aufbruch in den Fußball


Veröffentlicht am 15. Oktober 2014

1,3 Milliarden Menschen bekommen eine neue Fußballliga

Es gibt ihn noch. Der legendäre Straßenfußball ist überall, nicht als Floskel sondern als greifbare Lebensrealität. Ob auf Beton, auf wüstem Untergrund oder modrigen Plätzen, ordentlichem Gras oder in Wasserpfützen. Die Kinder Indiens lasen sich weder vom morastigen Untergrund noch von widrigen Verhältnissen abhalten, sie lieben den Sport Fußball und sie spielen ihn. Nicht „FIFA 15“ ist das Objekt ihrer Begierde sondern ein profaner Ball. Ob sich der Fußball im Riesenreich Indien durchsetzt hängt auch von diesen Kindern ab. Noch liegen Hockey und Cricket in der Gunst der Inder weit vorn, in beiden Sportarten ist das Land stete Weltklasse und holte alle großen Titel. Ab dieser Saison unternimmt der indische Vereins-Fußball einen neuen Start in die Fußballwelt, will groß durchstarten. Unter der Bezeichnung Indian Super League (NFL) nehmen acht Mannschaften den Spielbetrieb auf. Weiterlesen