Schlagwort-Archive: Meistertrainer

Schlechtes Vorbild


Veröffentlicht am 21. September 2015

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José Mourinho, ein Spitzentrainer lässt Klasse vermissen

Schwäche zeigen, ist menschlich. Und was hätte es José Mourinho gekratzt, hätte er nach der Begegnung mit Arsenal London und seinem Intimfeind Arsène Wenger eine der üblichen Phrasen gedroschen? Beispielsweise, „Diego Costa hätte vom Platz gemusst. Zum Glück für uns hat es der Schiedsrichter nicht gesehen.“ Oder, „Das, was Diego Costa gemacht hat, gehört nicht auf den Fußballplatz. Darüber müssen wir reden.“ Fertig. Nicht mehr und nicht weniger. Angesichts des Spielverlaufs darf das durchaus als angemessen bezeichnet werden. Die drei Punkte hätte man ihm eventuell trotzdem nicht weggenommen. Und was wäre das überhaupt für eine Schwäche gewesen? Richtig, gar keine! Nur hätte „The Special One“ damit eben zugeben müssen, dass der 2:0-Sieg über die Gunners auch ein klitzekleines Bisschen vom unglücklichen Auftritt des Schiedsrichters Mike Dean begünstigt wurde und im Umkehrschluss nicht einzig und allein auf die eigene, überragende Genialität zurückzuführen ist. Ganz grundsätzlich besteht Einigkeit darüber, dass das von Diego Costa in der bedeutsamen Partie gegen den Stadtrivalen an den Tag gelegte Verhalten nicht auf den Fußballplatz gehört. Punkt. Eine persönliche Vorliebe für körperbetontes Spiel hin oder her, es kann hier keine zwei Meinungen geben. Sportliche Fairness und Respekt vor dem Gegner sind konstituierende Elemente jeder sportlichen Betätigung – der Fußball macht hier keine Ausnahme. Man bekommt dies in der Regel bereits im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule eingeimpft. Schläge ins Gesicht des Kontrahenten oder wiederholtes, absichtliches Treten in die Beine gehört sicher nicht dazu. Weiterlesen

Der lange Abschied


Veröffentlicht am 2. Juni 2015

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Wenn ein Pokalfinale nur noch Nebensache

Der Herzog von Wellington hatte recht: „Man könne die Geschichte eines Tanzvergnügens ebenso wenig wie die Geschichte einer Schlacht schreiben. Jeder Teilnehmer behält eine andere Erinnerung an das Ereignis im Gedächtnis, manch glückliche, manch traurige, selten eine objektive.“ Wenn vom DFB-Pokalfinale zu Berlin 2015 eines hängen blieb, dann der Dauer-Scheinwerfer auf einen Davongehenden. Der Trainer der unterlegenen Mannschaft war vor, während und nach der Partie Hauptbestandteil einer sich heiß laufenden Berichterstattung und als Person längst losgelöst vom eigentlichen Ereignis. Die Demission des Jürgen Klopp in Dortmund überstrahlte das Spiel. Dieses gewann der VfL Wolfsburg mit 3:1 und nahm den Pokaltitel mit in die VW-Hochburg am Mittellandkanal. Titel will auch Jürgen Klopp bald wieder mitnehmen. Er muss dabei nicht auf die Provinz schauen, es steht ihm die Fußballwelt offen. Nach sieben sehr erfolgreichen Jahren in Dortmund, die den Bayern immerhin zwei Meistertitel kosteten, winken neue Aufgaben. Was wird der Mann tun? Die Republik hat zu rätseln. Die öffentliche Verklärung, die man dem Betroffenen nicht ankreiden darf, landet fast in den Verehrungssphären eines Helmut Schmidt. So wie der Altkanzler allerdings längst alles hinter sich, hat Jürgen Klopp noch vieles vor sich. Der Tratsch reicht von der Anfield Road über den Vesuv zu Neapel bis zur Säbener Straße, selbst das Geraune einer baldigen Rückkehr an die Stätte einstiger Triumphe will nicht verstummen. Man darf gespannt sein, wohin diese Reise geht. Bis dahin darf man dem Fußballtrainer im Wartestand eine geruhsame Zeit und ein paar freie Tage wünschen. Verdient hat er sie längst.

Redaktion Magath & Fußball

Vater Courage


Veröffentlicht am 26. Mai 2015

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Thomas Schaaf tritt bei Eintracht Frankfurt zurück

Jede Saison hat früher oder später ihre Nachbeben, eines davon ereignete sich in Frankfurt am Main. Thomas Schaaf kann seinen Beruf, ist ein Ehrenmann und unaufgeregter Zeitgenosse. Dabei kommt er auch als Trainer alter Schule daher, dem die Arbeit am Team wichtiger als das Entertainment einer sich selbst berauschenden Branche. Das Wirken für einen nachhaltigen Erfolg von Mannschaft und Verein kam bei ihm stets vor der schnellen Schlagzeile zur Selbstprofilierung. Die sich dem Spektakel verweigernde Trainerpersönlichkeit, die nur den Anspruch auf eine seriöse Arbeitsbasis erhebt, wirkt immer öfter wie aus der Zeit gefallen. Der Berufsstand Fußballtrainer wird längst als Sündenbock für alles und jeden missbraucht und ist dabei noch der Egozentrik immer mächtiger werdender Profis ausgeliefert. Nebenher muss er nahezu ohnmächtig der Profilierungssucht von Funktionären zusehen. Die Begleitmusik der Abwrackung des Berufsstandes Übungsleiter, genährt aus „gut unterrichteten Kreisen“, liefert dazu dann eine jeden Verein umflatternde Medienlandschaft, die auch dem erfahrensten Trainer bei erster Gelegenheit jedwede Unterstellung hinterherwirft, birgt sie nur die kleinste Chance auf knallige Stimmungsmache. Fans, die den Überschriften folgen, lassen sich immer finden und geben Ruf und Reputation des Trainers den Rest. Thomas Schaaf wollte Herr seines Schicksals bleiben und sich nicht zum Spielball machen lassen. Souverän brachte er die Sache auf den Punkt und ging mit Stil und Würde aus seinem Engagement: „Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren. Deshalb ist es zu der Trennung gekommen.“ Der Mann redet nicht viel, wenn er es tut aber treffsicher, couragiert und auf den Punkt gebracht. Ein idealer Trainer.

Redaktion Magath & Fußball

Mourinhos Liebe zum Spiel


Veröffentlicht am 10. Januar 2015

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Einblicke in den Trainerberuf

Deutsche Trainer greifen in der Regel nicht zu Feder, dennoch bekommt auch der deutsche Leser  Einblick in die Arbeitswelt dieses Berufsbildes. José Mourinho ließ sich die Chance auf Deutungshoheit in eigener Sache natürlich nicht nehmen und hat beherzt die Seiten gefüllt. Der Portugiese auch darin meinungsstarkes Schwergewicht seiner Zunft. Dieser Mann hat auch etwas zu sagen wie zu schreiben und er tut es wie gewohnt sehr selbstbewusst. Mourinho ist und war immer ein Lernender. Bevor der heutige Chelsea-Coach sein Handwerk ausübte, bildete er sich selbst. Vor dem Trainerschein setzte er sich in die Technische Universität Lissabon und studierte sehr erfolgreich Sportwissenschaft. Den Job als Assistenztrainer beim FC Barcelona trat er mit dem Erlernen der katalanischen Sprache an, die er inzwischen fließend spricht. Wenn Barca seine aktuellen Turbulenzen nicht überwindet, könnte am Ende einer auf die Idee kommen und dieses Sprachtalent bald anfordern. Undenkbar? Bei Mourinho weiß man nie. Never Say Never Again. Weiterlesen

Wiedersehen macht Freude


Veröffentlicht am 8. Dezember 2014

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Thomas Schaaf gehört längst nicht zum alten Eisen

Zugegeben, ein bisschen gewöhnungsbedürftig war es schon, als Thomas Schaaf nach einjähriger Dienstpause im Sommer auf die Bundesligabühne zurückkehrte. Thomas Schaaf, dieser Name war in den Köpfen der Fußballfans eigentlich auf immer und ewig mit dem Grün Werder Bremens verbunden. Plötzlich aber waren da die Frankfurter Vereinsfarben, Rot, Weiß und Schwarz, dazu der Eintracht-Adler und überhaupt war es ja noch nicht allzu lange her, dass der neue SVW-Geschäftsführer Thomas Eichin kurz nach seiner Amtsübernahme im Frühjahr 2013 aus freien Stücken einen Neuanfang ausrief. Der bis dato mit meilenweitem Abstand dienstälteste Trainer der Liga wurde mehr oder minder gegangen, man trennte sich „einvernehmlich“, soweit der übliche Sprachgebrauch. Viel war damals spekuliert worden. Ob Schaaf überhaupt noch in die Neuzeit der Konzept-Trainer passe. Ob Schaaf nach 14 Jahren Amtszeit als Cheftrainer noch Reizpunkte setzen könne. Ob seine Methoden noch zeitgemäß seien. Die Antwort traf Werder Bremen nun zwar mit leichter Verzögerung, dafür umso härter: Ein deutlicher 5:2-Sieg Eintracht Frankfurts hinterließ im ersten Aufeinandertreffen Schaafs mit seiner alten Liebe auf beiden Seiten eine Gefühlswelt, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnte. Weiterlesen

Gefundenes Fressen


Veröffentlicht am 5. Dezember 2014

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Gegenwind statt Gegenpressing beim BVB, Jürgen Klopp im Fokus

Am Beispiel Jürgen Klopp zeigt sich dieser Tage die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts besonders deutlich. Eben noch gefeiert für zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg und ein Pokalfinale, das Erreichen des Champions League Endspiels und eine neue Philosophie vom Gegenpressing, bläst dem Vorturner der Borussen der Gegenwind nach dem miserablen Saisonstart der Schwarz-Gelben inzwischen frontal ins Gesicht. Von der „größten Krise seiner Trainerkarriere“ ist zu lesen, einige übereifrige Schreiberlinge gehen sogar schon so weit, Motivationsfähigkeit und taktisches Verständnis des vormaligen Übertrainers in Abrede zu stellen. Ungeheuerlich. Von seriöser, wertneutraler dafür weniger effekthaschender Berichterstattung sind wir offenbar längst noch weiter entfernt, als der BVB von der Tabellenspitze. Weiterlesen

Felix Magath vs. Garri Kasparow


Veröffentlicht am 20. November 2014

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Geschichte und Notation der Partie

In der FAZ brachte es Felix Magath einst auf den Punkt oder besser auf die 64 Felder: „Schach ist aufgrund der vielen Steine eigentlich ein Mannschaftssport und alle Fußballer sollten auch Schach spielen.“ Wie gut der Fußballer, Trainer, Manager und Sportler Magath auch den „Mannschaftssport Schach“ beherrscht, konnte er bei einem Simultanwettkampf am 5. Juni 1985 im Spiegel-Verlagshaus an der Brandstwiete zu Hamburg gegen Garri Kasparow unter Beweis stellen und schlug sich bei dieser Auseinandersetzung sehr achtbar. Der Hobbyspieler Felix Magath hielt mit den schwarzen Steinen gegen den Giganten Garri Kasparow, neben Bobby Fischer, Emanuel Lasker und Magnus Carlsen wohl der beste Schachspieler aller Zeiten, beachtliche 33 Züge stand. (Am Ende des Beitrages die Notation der Partie.) Weiterlesen