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Einer trage des andern Last


Veröffentlicht am 18. November 2015

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Warum nicht schon die EM 2016 in ganz Europa austragen?

In neun Städten, an zehn Spielorten, mit 24 teilnehmenden Nationen soll die Europameisterschaft im Fußball bei unseren Nachbarn stattfinden. Hunderttausende Gäste und Fans aus dem Ausland werden im Sommer 2016 in Frankreich erwartet, Millionen Franzosen fiebern dem Ereignis entgegen. Man benötigt in heutiger Zeit wenig Phantasie, um sich unser Nachbarland in einem sicherheitspolitischen Ausnahmezustand vorzustellen. Polizei, Armee und auch die Bürger Frankreichs könnten an die absoluten Grenzen der Belastbarkeit geraten, selbst wenn Stadien zu Festungen ausgebaut und wie Fort Knox bewacht werden. Mit dieser Herkulesaufgabe darf man Frankeich nicht allein lassen. Eine Zeile aus dem Brief des Paulus an die Galater sollte in Fußball-Europa lebendig werden. Das vielbeschworene „Einer trage des andern Last“ könnte die Franzosen bei der EM im nächsten Jahr entlasten. Warum nicht schon dieses Turnier auf breitere Schultern stellen, die Verantwortung und enorme Belastung gemeinsam unter dem europäischen Dach tragen? Damit sendet Europa auch ein starkes Signal der Eintracht in die Welt!

Am 6. Dezember 2012 wurde von der UEFA festgelegt, dass die EM 2020 „in verschiedenen Metropolen Europas“ ausgetragen wird. Könnte dieses Modell nicht schon 2016 funktionieren? Frankreich sollte dabei selbstverständlich die zentrale Rolle beibehalten. Das Eröffnungsspiel, die Halbfinalpaarungen und das Finale müssen natürlich der Grande Nation vorbehalten bleiben. Europa und seine nationalen Fußballverbände haben indes jedoch die Ressourcen und Stadien, um Frankreich zu entlasten, Europas Staaten die nötigen Institutionen, um Sicherheit zu gewährleisten. Es wäre machbar, es wäre ein Schritt in eine große gemeinsame Anstrengung aller Europäer. Man kann sicher Argumente dagegen ins Feld führen. Allerdings gibt es auch gewichtige Gründe, so einen Vorschlag wenigstens in Erwägung zu ziehen und unter Federführung Frankreichs in der UEFA zu behandeln. Europa muss Frankreich auch im Fußball die Hand reichen und Frankreich darf im Fall EM 2016 nicht zu stolz sein, selbige auch anzunehmen. Fußball-Europa und Frankreich sollten gemeinsam eine Verteilung der EM 2016 über den gesamten Kontinent in Erwägung ziehen und das Turnier gemeinsam stemmen.

Redaktion Magath & Fußball

Remembrance poppy


Veröffentlicht am 7. November 2015

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Roter Mohn der Erinnerung

Die ins Auge springende Blume ist jedem Zuschauer von Premier League Spielen und Beobachtern des englischen Fußballs ein bekannter Blickfang. Wer kennt ihn nicht, den stilisierten roten Mohn? Ob an Trikots, am Mantelkragen von Trainern, auf der Anzeigetafel oder Plakaten der Fans, jener blutrote Mohn gehört zum Fußball auf der Insel. Als remembrance poppies bezeichnet man im angelsächsischen Raum diese künstlichen Mohnblumen, welche dort ein Symbol des Gedenkens und der Trauer sind. Das Ritual der roten Mohnblume wird in den Wochen vor dem Kriegstotengedenktag im Commonwealth praktiziert, gehört in Britannien zum festen Bestandteil von Nation und Geschichte. In Kanada pflegt man ebenfalls diese Art der Trauerkultur. Bei der Amtseinführung der neuen Regierung von Premierminister Justin Trudeau trugen alle neuen Minister selbstverständlich die remembrance poppy an ihrer Kleidung. Ähnlich dem deutschen Volkstrauertag, wird beim Remembrance Day vor allem der Kriegstoten gedacht. In England ist der 11. November dieser Remembrance Day, der Tag des Waffenstillstandes am Ende des 1. Weltkrieges. Ihren Ursprung als nationales Symbol findet die rote Mohnblume in einem Gedicht des kanadischen Leutnants John McCrae. Dieser verfasste es unter dem Titel „In Flanders Fields“ im Mai 1915. Er verarbeitet darin den Verlust gefallener Kameraden während der Zweiten Flandernschlacht im April 1915. Zwischen den notdürftig aufgestellten Grabkreuzen für die gefallenen Soldaten blühte in Flandern schnell der rote Mohn. So beginnt das Gedicht auch mit den Zeilen „In Flanders fields the poppies blow, between the crosses, row on row…“. Seither ist die Mohnblüte vor allem das erinnernde Symbol für gefallene Kriegstote. Auch der Leutnant John McCrae überlebte den 1. Weltkrieg nicht. In einem Militärlazarett in Nordfrankreich verstarb er am 28. Januar 1918 an Entkräftung und einer einsetzenden Lungenentzündung. Seine Zeilen haben ihn und seine Kameraden unvergesslich gemacht und gehören heute zur Identität von Great Britain. Der Fußball auf der Insel und seine Protagonisten verbeugen sich an Spieltagen mit dem tragen der Mohnblüte und gedenken damit auf öffentliche Weise den gefallenen Soldaten, insbesondere den Opfern aus zwei Weltkriegen. Ehre ihrem Angedenken.

Redaktion Magath & Fußball

* 9. Februar 1931 – † 29. Juni 2015


Veröffentlicht am 29. Juni 2015

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Josef Masopust

Ihm gelang, was weder Diego Maradona noch Lionel Messi ihr Eigen nennen können. In einem WM-Endspiel schoss er ein Tor. Es war 1962 im Estadio Nacional de Chile zu Santiago, wo aktuell die Copa América 2015 ihrem Höhepunkt entgegen schwingt. Ein Mann aus dem großen Gestern des Fußballs war Josef Masopust, dessen Geburtsdorf Střimice schon in den Fünfziger Jahren dem Bergbau weichen musste. Am 9. Februar 1931 wurde er dort geboren, in Prag ist er nun am 29. Juni 2015 im Alter von 84 Jahren gestorben. Von 1952 bis 1968 spielte er für seinen geliebten Verein Dukla Prag, stand in 333 Spielen für den Club auf dem Platz und schoss 69 Tore. Im linken Mittelfeld zog er die Fäden und agierte stets auf technisch hohem Niveau. Es waren vor allem und ständig die Südamerikaner, unter ihnen der große Pelé, die ihn als „Brasilianer“ bezeichneten – zur damaligen Zeit noch ein uneingeschränktes Kompliment – damit seine Brillanz am Ball und seine spielerische Leichtigkeit ehrten. 1954 debütierte er im Nationalteam der Tschechoslowakei, 1966 beendete er nach 63 Länderspielen seine Karriere in der Nationalmannschaft. Mit Dukla wurde er achtmal Meister in seiner Heimat, der größte Triumph allerdings in der Niederlage. In besagtem Endspiel der WM in Chile gelang ihm am 17. Juni 1962 der Treffer für die Ewigkeit. Es war die 15. Minute, als die Tschechoslowakei den Favoriten schreckte und durch Josef Masopust mit 1:0 in Führung ging. Am Ende siegten die Brasilianer mit 3:1. Masopust kehrte mit seinem Team als Vizeweltmeister in die Heimat zurück, bejubelt und geehrt, als wäre man mit dem Titel heimgekommen. Seine Ehrungen waren damit nicht zu Ende. Im Jahr 1962 umgehend der größte persönliche Triumph. Josef Masopust wurde vor dem legendären Eusébio und dem deutschen Defensivstrategen Karl-Heinz Schnellinger Europas Fußballer des Jahres und gewann den Ballon d’Or. Bis 2003 blieb er der einzige Tscheche, dem diese Auszeichnung verliehen wurde, 2003 folgte ihm darin sein bei Juventus spielender Landsmann Pavel Nedvěd. In seiner Heimat trauert man weit über die Fußballszene um Josef Masopust. Die kleine Nation hat einen großen Sportler und Zeitzeugen verloren.

Redaktion Magath & Fußball

Turin zeigt hässliches Gesicht


Veröffentlicht am 27. April 2015

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„Es tut mir leid, was passiert ist. Auf dem Platz hatten wir ein faires, fesselndes Spiel. Daran sollte allen am Sport Beteiligten gelegen sein. Leider aber sind wir in Italien noch immer hinterher – und bis die Verantwortlichen beginnen, die nötigen Maßnahmen einzuleiten, wird das auch so bleiben. Das gilt für den Fußball wie für unsere ganze Nation. Wir müssen viele Dinge verbessern, damit die Leute wieder ins Stadion kommen. Bei allem, was momentan in italienischen Stadien passiert, würde wohl nur ein Verrückter seine Kinder mit zu den Spielen nehmen.“

(Massimiliano Allegri, Trainer Juventus Turin, The Guardian, 27. April 2015)

Brasilien WM 2014 (IV) – „Mythos Maracanã“


Veröffentlicht am 11. November 2013

Im „Maracanã“ Stadion findet das Endspiel der WM 2014 statt

Karneval in Rio

Wahrzeichen von Rio de Janeiro, ein historisches Monument inmitten der Millionenmetropole. Fußballer und Fans bekommen glasige Augen, wenn sie den Namen „Maracanã“ hören. Nirgendwo sonst ist die Atmosphäre so einzigartig wie dort. Helden und Legenden des brasilianischen Fußballs sind in der Arena allgegenwärtig. Erbaut wurde es für die WM 1950. 11.000 Arbeiter aus allen Ecken des großen Landes werkten an diesem Symbol der Nation. Der Stolz quoll den Brasilianern aus dem Herzen. „Seit heute hat Brasilien das größte und beste Stadion der Welt, und damit eine wahrhaft einzigartige Bühne, auf der es der Welt seine sportliche Erhabenheit und sein überlegenes Können demonstrieren kann“, titelte Brasiliens größte Sportzeitung in völliger Bescheidenheit.  Weiterlesen