Schlagwort-Archive: Platini

Kollektives Drama


Veröffentlicht am 26. September 2015

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„Größte Enttäuschung der Karriere bleibt das Finale des Europapokals von Athen. Wir waren alle davon überzeugt, dass es ein Kinderspiel, eine reine Formsache wird. Wer spielt, weiß, dass es aber nie so funktioniert. Wir schliefen auf vielen Gebieten und taten zu wenig. Als Magath von 30 Metern anläuft, waren wir ohne Arglist. Es gab von mir auch keine Reaktion. Wir waren verblüfft und staunten. In der Umkleidekabine herrschte Stille, es war eine Art kollektives Drama. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. So war es auch im Bus und bei der Heimkehr. Niemand konnte sich beschweren. Wir hatten eines der besten Teams, die es je gegeben hat – mit acht Weltmeistern, darunter Platini und Bettega. Es half alles nichts.“

(Dino Zoff, Interview Corriere dello Sport, 12. September 2015)

Das Heldenlied der UEFA


Veröffentlicht am 4. Juni 2015

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„Dass die Europäer keinen eigenen Kandidaten auf die Beine gestellt haben, ist der Skandal hinter den Skandalen. Die heillos zerrissene UEFA wird von einem Mann geführt, der selbst schon längst nicht mehr tragbar ist. Michel Platini hat nachweislich für eine WM in Katar gestimmt, sein Sohn macht Geschäfte mit den Scheichs in Katar.“
(Alfred Draxler, Kommentar BILD, 4. Juni 2015)

„Platini ist bei der Europäischen Fußball-Union ein schwacher Präsident, und ich kann mir schwer vorstellen, dass er ein starker FIFA-Präsident sein würde. Aber die FIFA braucht an ihrer Spitze eine starke Persönlichkeit.“
(Sylvia Schenk, Transparency International, Interview mit SID, 3. Juni 2015)

„Die Entscheidung [Anm.: der Rücktritt von Joseph Blatter als FIFA-Präsident] ist sicherlich sehr gut für den Fußball. Die Umstände, die dazu geführt haben, haben mich allerdings ein bisschen überrascht. Wenn ich mich am Freitag wählen lasse und mir dann am Dienstag einfällt, dass ich zurücktrete – das habe ich auch noch nicht erlebt. Aber ich hatte schon oft das Gefühl bei der FIFA, dass etwas passiert ist, was ich vorher noch nie erlebt habe. (…) Egal was und wie zu diesem Umdenken geführt hat: Es ist gut. Nur auf der anderen Seite hoffe ich, dass daraus die Verbände dann auch die entsprechenden Ableitungen ziehen. Ich fand ganz ehrlich gesagt, dass wie die UEFA sich im Vorfeld der Wiederwahl von Joseph Blatter dargestellt hat, das war jetzt auch nicht so, dass ich sagen würde ‚Mein Gott, was ist das klasse, dass der europäische Fußball so großartig vertreten wird.‘“
(Hans-Joachim Watzke, Borussia Dortmund, Pressekonferenz, 3. Juni 2015)

„Die UEFA-Funktionäre präsentierten sich in Zürich so tölpelhaft wie der FC Bayern im deutschen Pokal-Halbfinale. Die UEFA landete sage und schreibe null Treffer. Die Blamage begann schon damit, dass es ihr nicht gelang, einen starken Gegenkandidaten zu Blatter ins Präsidentenrennen zu schicken. Keiner der großen Meister hatte die Courage, gegen Blatter in den Ring zu steigen. Der Franzose Michel Platini aber, der Präsident der UEFA, schaffte es nicht einmal, während des Kongresses das Wort zu ergreifen. Ohne Körperspannung in seinem Sessel hängend, verfolgte er, wie Blatter den europäischen Kontinentalverband aufs Kreuz legte.“
(Evi Simeoni, Kommentar FAZ, 1. Juni 2015)

„Was die UEFA heute gemacht hat, war dumm, feige und opportunistisch. Die UEFA hat, selbstverständlich, ebenfalls immense Korruptionsprobleme. Acht ihrer Führungskräfte sitzen sowohl im UEFA- als auch im FIFA-Exekutivkomitee. Es ist absoluter Nonsens, was Platini da erzählt.“
(Jens Weinreich, Journalist Sport1, 28. Mai 2015)

Unantastbar!


Veröffentlicht am 29. Mai 2015

FIFA Mehrheit wählt den moralischen Niedergang

Der Herbst des Patriarchen endet nicht. Diese neueste Krönung des Sepp Blatter ist eine weitere Ohrfeige für den Fußball und seine Fans. Der Usurpator siegt nach Belieben. Blamiert sind vermeintliche Gegner, die das Wort Opposition nicht verdienen. Schon am Vortag machten markige Sprüche Schlagzeilen und blieben ohne jeden Wirkungstreffer. Die UEFA muss sich diesen Blatter-Triumph ankreiden. Große Töne und vielschichtiges Palaver, an deren Ende nicht mal ein starker Gegenkandidat oder ein Boykott der Blatter-Show stand. Am Krönungstag kein kritischer Satz der Europäer, kein flammendes Plädoyer gegen Blatter, man blamierte sich mit peinlichem Schweigen. Zu wenig um einen skrupellosen Machtmenschen zu verdrängen und dessen Stimmblöcke in die Schranken zu weisen. Uneins und ängstlich hüpft die UEFA Familie übers marode Feld. Einen starken europäischen Eindruck machte einzig DFL-Präsident Reinhard Rauball, der Dinge beim Namen nennt ohne sich in blumigen Wortgirlanden zu verlieren. Sein „man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“ wurde gehört aber natürlich nicht beachtet. Weiterlesen

Drei Kandidaten für ein Halleluja


Veröffentlicht am 27. März 2015

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Auftakt zum FIFA-Präsidenten-Wahlkampf in Wien

Wenn am 29. Mai in Zürich über die FIFA-Präsidentschaft bis ins Jahr 2019 befunden wird, steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des Weltfußballverbands auf dem Spiel. Der umstrittene Amtsinhaber ist dann exakt 79 Jahre und 80 Tage alt, darf sich gleichwohl berechtigte Hoffnungen darauf machen, dass seinen 17 Dienstjahren an der Spitze weitere vier folgen werden. Mindestens. Denn bei der FIFA erscheint anno 2015 offenbar kein Szenario mehr zu verquer, als dass es nicht doch Mittel und Wege für eine Umsetzung geben würde. Schließlich geht es, das brachte kürzlich erst Wolfgang Bosbach im Gespräch mit Magath & Fußball treffend zum Ausdruck, einzig und allein um das Organisieren von Mehrheiten. Und darin ist Joseph Blatter, das muss man eingestehen, ein Meister seiner Klasse. Gut möglich also, dass der Patriarch des Weltfußballs seinen Kritikern und Gegnern auch über das Frühjahr hinaus die lange Nase dreht. Ein fünfter Blatter-Zyklus aber würde nicht nur die Chance einer Weltmeisterschaft auf Grönland oder den Philippinischen Inseln dramatisch in die Höhe schrauben, er würde wohl vor allem den ohnehin schon ramponierten Ruf der FIFA und damit einhergehend die Reputation des Fußballs in der Welt endgültig und nachhaltig beschädigen. Doch wer bitteschön sollte sich dem entgegenstellen? Der UEFA-Kongress in der Wiener Messehalle D lieferte zumindest erste Antworten auf diese entscheidendste aller Fragen. Weiterlesen

Erfolg und Charakter


Veröffentlicht am 6. Februar 2015

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Miguel Muñoz gewann als Spieler und Trainer 23 Titel mit Real Madrid

Dieser Trainer gewann zweimal den Europapokal der Landesmeister, einmal den Weltpokal, neunmal die spanische Meisterschaft und zweimal die Copa del Rey, diente von 1959 bis 1975 seinem Club Real Madrid als Cheftrainer. Zuvor hatte Miguel Muñoz Mozún von 1948 bis 1958 im Mittelfeld des Weißen Balletts 223 Spiele absolviert und dabei 23 Tore geschossen. Reals Präsidentenikone Santiago Bernabéu war nach dem Bürgerkrieg bemüht, ein internationales Ensemble zusammenzustellen und darin äußerst erfolgreich. Miguel Muñoz stieß von Celta Vigo zu den Königlichen. Seine Mitspieler klangen nach ganz großer Fußballoper. Francisco Gento, José María Zárraga, Alfredo Di Stéfano, Héctor Rial, José Santamaría, Luis Molowny, Raymond Kopa und Ferenc Puskás hießen die Giganten, die den heutigen Real-Akteuren an Leistung, Ruhm, Erfolg und Größe nicht nachstanden, nur deutlich weniger verdienten. Bis heute gelten die Fünfziger Jahre als die erfolgreichste Epoche in der Vereinsgeschichte von Real, daran ändern auch Carlo Ancelotti und Cristiano Ronaldo nichts. Muñoz hatte als Spieler Anteil an drei Europapokalsiegen im Landesmeistercup und vier spanischen Meisterschaften. Weiterlesen

Erste Runde rum


Veröffentlicht am 10. September 2014

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Europa erlebte ersten Spieltag der EM-Qualifikation

Weltmeister Deutschland und Titelverteidiger Spanien auf Kurs, der kleine Fußballzwerg Zypern siegt beim WM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowina. Viel Normalität, wenige Ausrufezeichen, bei 23 aus 53 kann nicht wirklich Spannung aufkommen. Aufregung aber allemal. Wie Luis Suárez und Mario Balotelli braucht auch Zlatan Ibrahimović das Theater um seine Person und lässt es gerne krachen, letztens nun per Ellbogen im Gesicht von David Alaba. Der Österreicher in Diensten von Bayern München hat überlebt, dennoch hätte Ibrahimović Rot verdient, bekam es nicht, lieferte aber danach mit seiner obligatorisch großen Klappe Sprüche und den Medien den größten Aufreger des ersten Spieltages dieser EM-Qualifikation. Ein Ergebnis gab es auch noch, Österreich und Schweden trennten sich 1:1. Obligatorisch auch die übliche Niederlage von Berti Vogts. Er und Aserbaidschan verloren zum Heimauftakt gegen Bulgarien 1:2. Island schlug die sich überschätzenden Türken souverän mit 3:0, Hollands neuer wie alter Trainer Hiddink unterlag mit Oranje in Tschechien mit 1:2 und die arg gerupften WM-Opfer Italien, England und Spanien siegten allesamt. Weiterlesen

Regisseure im Einklang


Veröffentlicht am 12. Dezember 2013

UEFA Präsident plädiert für mehr Gerechtigkeit bei Bestrafungen

Michel Platini (re) und Felix Magath (li)

Michel Platini (re) und Felix Magath (li)

In Sachen Tortechnologie war Felix Magath immer ein Vertreter der Moderne wie der Nutzung von Technik zur Herbeiführung fairer Wettbewerbsbedingungen. Dieser Modernisierung, die sich inzwischen auch die FIFA auf die Fahne geschrieben hat, hinkt der UEFA Präsident Michel Platini noch hinterher, spricht lieber von Torschiedsrichtern und guten Brillen, bleibt ein hartnäckiger Ablehner. Im Themenfeld Spielstrafen/Strafenkatalog/Bestrafung hat es jetzt zwischen Platini und Magath eine Annäherung gegeben. Man könnte von Einklang reden. Der Franzose hat sich auf die Argumente des Deutschen zubewegt. Weiterlesen

Athen


Veröffentlicht am 22. Mai 2013

„Als ich 1983 mit dem HSV den Europapokal der Landesmeister gewonnen habe, waren wir krasser Außenseiter. Als ich mit meinen Mannschaftskameraden am Morgen vor dem Finale gegen Juventus Turin auf dem Golfplatz zusammen saß, sahen wir den einen oder anderen Flieger nach Athen reinkommen. Die meisten waren von Alitalia und nicht von Lufthansa. Dementsprechend waren unsere Fans auf den Rängen im Stadion in Unterzahl.

Trotzdem haben wir unsere Rolle gut ausgefüllt. Neben den Ausnahmespielern Platini und Boniek hatte Juventus sechs Spieler in der Mannschaft, die im Jahr zuvor in Spanien Weltmeister geworden waren. Man hat gemerkt, dass die Italiener siegessicher waren. So haben sie die Partie dann auch begonnen. Wir waren zum Glück respektlos genug, um das Spiel selbst zu machen. Unser Trainer Ernst Happel war aufgrund seiner Persönlichkeit bei uns Spielern akzeptiert. Es war klar, dass seine Vorgaben auch umgesetzt werden. Turin hat Manndeckung gespielt. Es war eine taktische Finesse von ihm, unseren linken Außenstürmer Lars Bastrup auf die rechte Seite zu schicken und so Außenverteidiger Gentile mitzuziehen. imago07686898m_cBernd Wehmeyer und ich haben über links angegriffen. Über diese Seite ist ja dann auch mein Tor in der achten Minute gefallen. Als ich gemerkt habe, dass der Ball drin ist, dachte ich: Mist, das war zu früh. Torwart Dino Zoff hatte keine Chance. Dafür war der Schuss in den Winkel zu glücklich. Es war eine Notlösung, weil keine Anspielstation da war. Siegessicher war ich erst, als der Schiedsrichter abgepfiffen hatte. Im Anschluss war die Nacht ziemlich kurz. Wenige Spieler haben ausreichend Schlaf bekommen, um am nächsten Tag fit für den Empfang in Hamburg zu sein.

Am Samstag ist Borussia Dortmund der Außenseiter und müsste es nur so machen, wie der HSV damals. Aber ich bin neutral und freue mich auf ein super Spiel. Der FC Bayern ist Favorit. Sie haben nicht nur eine überragende Bundesliga-Saison gespielt, sondern auch die Champions League dominiert. Ich freue mich für Jupp Heynckes, dass er zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere so einen Riesenerfolg hat.“

(Felix Magath, Gastkolumne auf sport1.de, 21. Mai 2013)

HSV – Triumph vor 30 Jahren


Veröffentlicht am 21. Mai 2013

„Fantastico Gol, forza Magath!“

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Michel Platini schritt, eine Mischung aus französischer Präsident und italienischer Feldherr, über den Rasen des Olympiastadions zu Athen, als gelte es die Champions League-Trophäe ohne Spiel und Aufwand gleich mitzunehmen. In feinem Zwirn und teuren Schuhen gewandet, nahm er den Rasen so beiläufig ab wie sein Blick unbeteiligt über die HSVler in ihren Trainingsanzügen glitt. Auch Felix Magath schenkte er keine größere Beachtung, dieser allerdings prägte sich nicht nur jeden Grashalm, sondern auch die Gesten und Gesichter der Konkurrenz ein. Sein Trainer Happel hatte ihm und einigen ausgewählten Spielern vor wenigen Stunden etwas mit auf den Weg gegeben, „konzentriert euch“. Magath nahm seinen Trainer beim Wort. Der Angstschweiß vom Mittagsschlaf war vergessen, die unbesiegbare Juventus-Startruppe auch nur eine Mannschaft. Aber was für eine! Im Tor eine lebende Legende, Dino „Nazionale“ Zoff, an seiner Seite eine Garde Weltmeister, Tardelli, Scirea, Rossi, Cabrini und Gentile, außerdem die beiden Weltklassespieler Boniek und Platini. Wie konnte man denen ans Leder? Happel: „Die Italiener haben das Spiel schon abgehakt. Die sind sich zu sicher.“ Weiterlesen