Schlagwort-Archive: Publikum

Kreisliga


Veröffentlicht am 13. November 2015

„Wer sich über eine WM im Winter beschwert, hat nie ein Kreisligaspiel im Januar gesehen: Der Kaffee ist kalt, das Bier gefroren und der Nebel so dicht, dass man nicht einmal die gegenüberliegende Eckfahne sieht. Da verbrüdert sich das Publikum aus erfolgshungrigen Eltern und grummeligen Rentnern gegen den Schiedsrichter, der wahlweise „voll Panne“ ist oder einfach „keine Augen im Kopf“ hat und eh die größte Pfeife seit Menschengedenken ist. In der Kreisliga geht es nicht ums Zaubern, sondern ums Kämpfen.“

(„Fußball extrem“, Wochenzeitung „Freitag“, 18. März 2015)

Die hässliche Fratze des Fußballs


Veröffentlicht am 27. Oktober 2015

Mindestens genau so hässlich wie die Aktion von Geis war die Reaktion der mitgereisten Schalke-Fans. Die verabschiedeten Hahn nicht nur mit einem höhnischen „Auf Wiedersehen“, als dieser mit der Trage vom Spielfeld getragen wurde. Nein, sie feierten sich auch noch dafür und reagierten auf die Pfiffe des Gladbacher Publikums mit der gleichzeitig erschreckenden wie passenden Selbsteinschätzung: „Wir sind Schalker, asoziale Schalker!“

(Ronald Tenbusch, Beitrag „Hahn schwer verletzt“, Welt.de, 26. Oktober 2015)

Großer Dank dem Amateurfußball


Veröffentlicht am 24. Oktober 2015

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Amateure stehen für Sportsgeist und Anstand ohne kommerzielle Triebfeder

Das Konstrukt FIFA hängt den Fußballliebhabern wie eine unsägliche Klette am Hals und wirkt auf den Fußballsport wie ein Totengräber, der nur noch dem großen Fußballgeschäft und dem noch größeren Geld nachjagt. Unser nationaler Verband wie auch der europäische Fußballverband sind  keine Korrektive, weil zu sehr mit sich selbst beschäftigt und dem Fanherzen ebenfalls längst entschwunden. Immer öfter werden Verbände und Funktionäre als Okkupanten des Fußballs entlarvt, längst entfernt vom eigentlichen Sport und der Lebensrealität normaler Bürger. Echte Anhänger des runden Leders wenden sich von diesen Organisationen mit gleichermaßen Verachtung und Ohnmacht ab. Wer den vor allem von der FIFA ausgerotteten Sportsgeist sucht, wird immer wieder im Amateuruniversum fündig. Es sind rund um den Globus die Millionen Hobby-, Freizeit- und Amateurkicker, die den Begriffen von Anstand und Fair Play noch Ehre machen. Amateure werden nicht getrieben vom absoluten Muss des Geschäfts, die Last der großen Erwartung hemmt nicht ihre Schritte. Kein hochgepuschter Wettbewerb, kein rücksichtsloses Publikum oder eine fletschende Medienmeute richtet unaufhörlich über den Amateurspieler. Für ihn ist der Fußball noch ehrlicher Wettkampf mit Sportsgeist getränkt, ein Vergnügen, eine gern ausgeführte Pflicht unter Gleichgesinnten und Freunden, so wie eigentlich jedes Hobby seiner Natur gemäß sein sollte. Im Ergebnis kommen kein Hochglanzfußball oder gleißende Schlagzeilen zustande, aber doch eine große Genugtuung für sich selbst. Daraus wächst die berechtigte Gewissheit, einem schönen Sport zu frönen. Es geht nicht um Geld, Werbeverträge und eine große Karriere, es geht um die Bereicherung des eigenen Lebens durch Sport und Teamgeist. Ein dreifaches Hoch auf den lebendigen Amateurfußball und jene, die ihn spielen, ihm dabei unter oft widrigen Bedingungen Woche für Woche mit großer Leidenschaft und persönlicher Freizeit dienen. Alles  aus Liebe zum Spiel Fußball. Die Empathie mag schon lange aus dem Profifußball vertrieben sein, Amateure geben ihr weiter ein ehrliches Zuhause. Dafür und für sehr vieles mehr gilt ein großer Dank dem Amateurfußball, wo und wie er auf unserem Planeten auch immer gespielt wird. Chapeau!

Redaktion Magath & Fußball

In Anfield (noch) nichts Neues


Veröffentlicht am 23. Oktober 2015

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Unter dem Dach überhitzter Berichterstattung trennen sich Liverpool und Rubin Kasan 1:1

Der FC Liverpool spielt unter Jürgen Klopp wie unter Brendan Rodgers keinen erfolgreichen Fußball. Das liegt weniger am jeweiligen Trainer, sondern vielmehr an dem vom Transfer-Komitee des Clubs zusammengestellten Kader. Die Spieler sind das Problem des FC Liverpool. Was sollte der ehemalige Dortmunder Klopp in zwei Wochen Amtszeit daran grundlegend ändern? Gegen Rubin Kasan spielte man in der Europa League im eigenen Stadion 1:1, wobei der Ausgleichstreffer erst in Überzahl gelang. Kasan spielte ab der 37. Minute wegen einer Gelb-Roten-Karte dezimiert. Heimische Sportmedien haben sich selten für Brendan Rodgers und den FC Liverpool interessiert, sind nun die großen Experten für das Thema. In englischen Medien und bei dortigen Fans ist man nach der Klopp-Hysterie langsam in der Normalität angekommen, ahnt die Schwere der Aufgabe, den FC Liverpool wieder nach oben zu führen. Teile der Medien heizen den Kessel Liverpool und Klopp natürlich weiter an, um den entstehenden Dampf noch lange unters Fußballvolk bringen zu können. Dabei stört nur etwas der Fußballalltag mit seinen realen Ergebnissen. Weiterlesen

Schwarz-Gelbe Flut an der Spree


Veröffentlicht am 30. Mai 2015

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BVB mit Heimspiel im Pokalfinale

Die 72. Auflage des DFB-Pokalendspiels sieht im Berliner Olympiastadion den Publikumsmagneten Borussia Dortmund und den scheckbuchgestärkten VfL Wolfsburg aufeinandertreffen. Das geschichtsträchtige Stadion wird dabei in einem schwarz-gelben Meer zur verlängerten Außenstelle des Signal Iduna Parks. Der grün daherkommende, frisch gebackene Vizemeister vom Mittellandkanal wird dennoch wegen der abgelaufenen Saisonleistung als leichter Favorit in die Partie gehen. Zu gerne würde der VW Konzern der 2009 erspielten Magath-Meisterschale neues Siegermetall an die Seite geben. Sicherlich nicht finanziell, aber immer noch sportlich kann der BVB natürlich in einem Spiel mit den Autobauern mithalten. In Sachen Fans spielt man in einem völlig anderen Universum. Borussia Dortmund hat auch in Berlin große Scharen von Anhängern, selbst im Reichstag unter den Abgeordneten gibt es längst die „Bundestagsborussen“. Wolfsburg-Fans sind außerhalb der eigenen Stadtmauer und des Werksgeländes von VW schwerlich mit der Lupe zu finden. Man erwartet dagegen um die 80.000 BVB-Fans in der Bundeshauptstadt. Das Plus der Kehlen, Hände und Herzen liegt am Samstag also eindeutig beim Verein aus der Ruhrmetropole. Die aus Dortmund und ganz Deutschland anreisenden Schwarz-Gelben werden sich mit den Borussen-Fans vor Ort mischen und Berlin einen Tag okkupieren. Der letzte Einsatz von Jürgen Klopp als Borussen-Trainer, der bei ihm immer auch Auftritt, wird ein Übriges tun und noch den letzten BVB-Fan mobilisieren. Bevor die Pöhler-Mütze endgültig an den Nagel der Fußballgeschichte gehangen und ihr Träger zu neuen Ufern aufbricht, möchte das Meer von Borussen-Fans an den heimischen Borsigplatz zurückschwappen, den DFB-Pokal in Händen ihrer Idole sehen und ihren Lieblingstrainer tränenreich verabschieden. VW würde dem geplanten Spektakel wohl liebend gerne mit einem Autokorso in der Autostadt einen Strich durch die Rechnung machen. Egal wer den Pott final in seinen Händen hält, möge die Hawk-Eye-Premiere in einem DFB-Pokalfinale die Chance auf einen gerechten Sieger erhöhen und kein Bayern-Dusel dieses Spiel entscheiden. Auf denn, zum Feste!

Redaktion Magath & Fußball

Wimbledon auf 64 Feldern


Veröffentlicht am 27. Januar 2015

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Magnus Carlsen gewinnt hochkarätiges Turnier der Weltelite

Das alljährlich stattfindende Schachturnier im holländischen Wijk aan Zee, das vom Stahlkonzern Tata Steel finanziert wird, gilt schon lange als eine Art Wimbledon des Schachsports. Nicht anders die gerade beendete Ausgabe des Jahres 2015. Die Schachwelt sah unterhaltsame und spannende Partien sowie eine sehr jugendliche Schachelite nebst einem bestens aufgelegten Weltmeister. Magnus Carlsen hatte entscheidenden Anteil am erfolgreichen Turnier und holte sich den völlig verdienten Sieg. Weiterlesen

Internationalität auf großer Bühne


Veröffentlicht am 28. August 2014

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Europas Spitzenclubs rekrutieren sich global

Grenzen, Nationalitäten, Inland oder Ausland, der Fußball hat solche Begrifflichkeiten längst überwunden. Internationale Top-Clubs sind in ihrer Personalgestaltung keine regional oder national begrenzten Gruppierungen mehr, ähneln eher einem internationalen Völkergemisch, welche in ihrer ethnischen und internationalen Vielfalt den Vereinten Nationen gleichen. Weiterlesen

Bundesliga startet in Saison 2014/15


Veröffentlicht am 22. August 2014

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Im Weltmeisterland beginnt der Ligalltag

Robert Lewandowski macht ein Team besser und es Gegnern schwerer. Insofern haben die Bayern den ersten Schlag der Saison gegen den BVB gewonnen, den zweiten Hieb – das Supercupendspiel – landeten aber die Dortmunder und schickten die Bayern 2:0 und Matthias Sammer rotgesichtig in den Süden zurück. Das Duell der beiden Großklubs wird auch die Saison 2014/15 bestimmen. Rhetorische Stilblüten und gegenseitige Pfeile von Funktionären aus beiden Vereinen werden uns als Begleitmusik zur Seite stehen, sehr zum Händerieb für Medien aller Arten. Aber auch spielerische Klasse und ungebrochene Magnetkraft fürs Publikum werden diese zwei Giganten bieten. Man muss kein Prophet sein, wenn es die Münchner für richtig halten, wird auch der Aderlass außergewöhnlicher Dortmunder Fußballer Richtung Bayern längst nicht beendet sein. Man weiß bei den Bayern, solche Karten treffsicher zu spielen, Mitbewerber zu schädigen. Die Antwort auf die Frage, ob Jürgen Klopp mit seinem BVB ein großes Stück der Strecke, bis zum Ende oder überhaupt nicht mithält, entscheidet über eine spannende oder eher langweilige Saison. Weiterlesen

Vorbildcharakter ?


Veröffentlicht am 18. August 2014

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Pecunia non olet

Aus der Welt des Sportgeschäftes eine neue Volte, die durchaus aufhorchen lässt und eine Art „Vorbildcharakter“ haben könnte. Der legendäre Garri Kasparow wollte dieser Tage – während der Tagung des Weltschachverbandes FIDE – Präsident der Organisation werden und dort mit alten Zöpfen aufräumen. Er hatte nicht nur eine intensive Rede vorbereitet, sondern auch an einen finanzstarken Sponsor gedacht, ließ sich in der Angelegenheit von einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei beraten. Seine Botschaft enthielt nicht nur Inhalt sondern auch zehn Millionen Dollar, die er der FIDE vom Sponsor umgehend in Aussicht stellte. Die FIDE ist da längst weiter als die FIFA, man spricht nicht in Hinterzimmern sondern auf offener Bühne an, was Sache: es geht ums Geld. Weiterlesen