Schlagwort-Archive: Rasen

Blick hinter die Raute


Veröffentlicht am 4. September 2018

Der Niedergang des HSV als Sachbuchkrimi

„Vermutlich reicht das eine Buch nicht aus, um die jahrzehntelange Misswirtschaft des Vereins aufzeigen zu können! Mein Exemplar wird morgen zugestellt!“  (Facebook User)

Dieser User kann getrost sein. „Der Abstieg: Wie Funktionäre einen Verein ruinierenwird ihn eines Besseren belehren. Nicht jedes Buch wird einem dramatischen Sachverhalt vollumfänglich gerecht. Dem Autorengespann ist dieses gelungen. Ihr Buch seziert den Abstieg des HSV, betreibt klare Analyse und benennt Verantwortung. Dabei beherrschen die Autoren die Fülle des Materials, stützen sich auf Fakten und lassen sich nicht von persönlichen Ressentiments oder Sympathien leiten. Das Buch denunziert nicht, es zeigt vielmehr anhand von belegbaren Sachverhalten das Wirken und Handeln einer Führungselite unter dem Deckmantel der Raute. Kapitel um Kapitel gehen Tobias Escher und Daniel Jovanov einem hausgemachten Abstieg nach, beleuchten die falschen Weichenstellungen. Dabei werten sie nicht vorschnell, sondern geben den Blick frei auf Standpunkte und Handlungsweisen, lassen ihren Lesern Raum für eigene Wertungen. Darin liegt eine besondere Stärke des Buches. Die Spieler dieser Ära bekommen von den Autoren keinen Freibrief, auch ihre Verantwortung wird nicht unerwähnt gelassen. Weiterlesen

Risiken und Spektakel


Veröffentlicht am 21. Oktober 2015

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„Eine Mannschaft ist in erster Linie eine Idee und mehr noch als eine Idee ist sie eine Verpflichtung, und mehr noch als eine Verpflichtung verkörpert sie all die klaren Überzeugungen, die ein Trainer seinen Spielern vermitteln muss, um diese Idee zu verteidigen. Wir Trainer sollten uns nicht anmaßen, dem Spektakel seinen Festcharakter zu nehmen und stattdessen eine philosophische Vorlesung daraus zu machen, die niemand aufrechterhalten kann und die nur dazu dient, Risiken zu vermeiden. Denn im Fußball gibt es immer Risiken. Die einzige Möglichkeit, Risiken zu vermeiden, besteht darin, nicht zu spielen.“

(César Luis Menotti in „Revolution auf dem Rasen“, Jonathan Wilson, Orion Books, 2008)

Big Sam


Veröffentlicht am 17. Oktober 2015

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Solides Handwerk in Zeiten großer Töne

Zwei Trainer, zwei Welten. Während aus Liverpool die Halleluja-Klänge das ganze Königreich und gleich noch den Kontinent überschwemmten, drang aus Sunderland eher ein dumpfer Hammerschlag der Ernüchterung in die englische Fußballwelt. Der FC Liverpool hofft vom neuen Messias den Flug zu den Sternen, also Titel. Der AFC Sunderland wünscht sich von Sam Allardyce die Rettung vorm Abstieg. Ist der Stuttgarter Jürgen Klopp etwas für das glanzvolle Parkett einer neuen Fußballwelt, steht der Mann aus Dudley für den Job an der Ruderpinne der Galeere Fußball. Während Klopp von eigener Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme redet, wuchtet sich der von Freund und Feind oft als Big Sam titulierte Allardyce wie ein Schwergewichtsboxer auf den Stuhl. Falls Jürgen Klopp die Nouvelle Cuisine der Premier League darstellen soll, so ist Sam Allardyce längst deren Eintopf, solide bis auf den letzten Knochen. Allardyce hat alles durch im englischen Fußball, sofern es sich um dessen tabellarische wie spielerische Niederungen handelt. Als Kicker war Allardyce ein kantiger Abwehrspieler, eher robust als technisch beschlagen, in Bolton bei den Wanderers lief er von 1973 bis 1980 mit Schnauzer und breiter Brust in 184 Spielen auf, schoss als Defensivmann sogar 21 Tore. Sein größter Triumph als Spieler war der Aufstieg von der zweiten in die erste englische Fußballliga. Weiterlesen

Russland ohne Plan


Veröffentlicht am 20. Juni 2015

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Nationalelf von WM-Gastgeber 2018 am Boden

Es gibt angeblich Funktionäre und Nationen, die eine neue WM-Vergabe für 2018 und 2022 nicht kategorisch ausschließen, sogar in der FIFA soll sich der Gedanke ausbreiten. Nichts Genaues weiß man nicht. Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabeentscheidung stehen schon lange im Raum, die dramatischen Ereignisse innerhalb und außerhalb der FIFA befeuern dieses Feld zusätzlich, lassen keine Ruhe einkehren. Zu sportpolitischen und juristischen Fragen gesellt sich noch der desaströse wie planlose Eindruck, den die Russische Nationalelf auf dem grünen Rasen bietet. Weiterlesen

CL-Achtelfinale 2015 ist Geschichte


Veröffentlicht am 19. März 2015

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Ohne England geht es weiter – Bundesliga lässt Federn – Frankreich überrascht

Napoleon hat England nicht bezwingen können. Den Fußballclubs Paris Saint Germain und AS Monaco ist dies gelungen. Chelsea und Arsenal waren keine unüberwindbaren Hürden für die Teams aus der Ligue 1. Arsenal blamierte sich vom Ergebnis daheim, konnte im Rückspiel die Demütigung etwas vergessen machen, das Blatt aber nicht mehr wenden. Die Gunners haben wieder einen talentierten Trupp zusammen, aber auch das führt erneut nicht in Richtung Ziel. Arsène Wenger ist Lichtjahre vom Champions League Titel entfernt. Seinem Londoner Nachbarn José Mourinho, dem er in großer Antipathie „verbunden“, fehlt für seinen dritten CL-Titel wohl das richtige Team, so wird es jedenfalls nichts. Chelsea ging blamiert vom heimischen Rasen und hat den Schock noch nicht verdaut. Kluge wie rationale Schlüsse werden daraus wohl nicht gezogen. Weiterlesen

Eurosplitter


Veröffentlicht am 9. März 2015

Doppelpacker Harry Kane schraubte sein Torekonto auf 16 Treffer in die Höhe.

Doppelpacker Harry Kane schraubte sein Torekonto auf 16 Treffer in die Höhe.

FA Cup mit Überraschungen und Ausrutscher von Real Madrid

Die Premier League bot am Wochenende nur ein Nachholspiel. Die Tottenham Hotspur gewannen einige Straßenzüge weiter eine Auswärtspartie im Londoner Derby gegen die Queens Park Rangers mit 2:1. Angreifer Harry Kane – die verlässliche Lebensversicherung der Spurs – schlug dabei zweimal zu. QPR auch nach dem Abgang von Harry Redknapp latent im Abstiegskampf. Die Spurs nun harter Konkurrent von Arsenal, Manchester United und Liverpool um die finanzkräftigen Champions League Plätze. Der Rest auf der grünen Insel galt dem FA Cup. Der FC Liverpool trat wieder ohne den am Oberschenkel laborierenden Steven Gerrard an. Eine Art Vorgeschmack auf die Liverpooler Zukunft, man spielte in der Tat irgendwie kopflos. Die Leistung war ernüchternd, Reds-Fans schüttelten früh ihr Haupt. Weiterlesen

Schlusslichter


Veröffentlicht am 17. Oktober 2014

Tabellenletzte in Europas Top-Ligen vor harten Zeiten

Bundesliga – Platz 18 – Werder Bremen – 7 Spiele – 10:16 Tore – 4 Punkte
Primera División – Platz 20 – Deportivo La Coruña – 7 Spiele – 8:19 Tore – 4 Punkte
Premier League – Platz 20 – Queens Park Rangers – 7 Spiele – 4:15 Tore – 4 Punkte
Serie A – Platz 20 – Sassuolo Calcio – 6 Spiele – 3:12 Tore – 3 Punkte

Drama soll stets hohe Kunst sein. Die Rote Laterne im Fußball verheißt Unbill und läßt das Wort Abstieg in den Ohren klingen. Noch ist diese Phase nicht völlig über die Tabellenletzten des europäischen Clubfußballs gekommen, aber die Wolken einer Mangelsaison schieben sich deutlich vor die Hoffnung auf bessere Tage. Von Spielkunst wenig, von Dramatik viel, diese Letzten werden sicher nicht mehr die Ersten sein. Keines der Schlusslichter ist bisher völlig verloren, Chancen auf Besserung durch die Anzahl der Spiele noch ausreichend vorhanden. Beim Bundesligaschlusslicht in Bremen hat der tabellarische Istzustand den Herbst des Patriarchen eingeläutet und offensichtlich Marco Bode in die Startlöcher geholfen. Ein Bode macht noch keinen Sommer aber vielleicht etwas Wind in Sachen Wiederbelebung. Eine Finanzspritze von Vermarkter Infront soll eine weitere Blutauffrischung bedeuten. Den Werder-Fans wird jeder Impuls willkommen sein um wieder etwas Mut zu fassen. Aus den bisherigen Auftritten ihrer sieglosen Truppe lässt sich dagegen wenig Optimismus ableiten. Die anstehende Partie bei den Bayern ist sicher keine Treppe zum Aufstieg aus dem Keller. Der letzte Platz könnte sich verfestigen. Ähnlich das Bild in der Premier League, auch dort ein Traditionsverein auf dem letzten Absatz. Weiterlesen

Meister ihrer Zunft


Veröffentlicht am 27. Juni 2014

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Cesare Prandelli legt sein Amt nieder

Er verbucht den spektakulärsten Rücktritt der Vorrunde. Selbst wer seinen Lebenslauf nicht kennt, begreift sofort, was dieser Mann ist, eine echte Persönlichkeit. Ein Mensch und Fußballtrainer mit Würde, Kanten, Facetten und Klugheit, dessen Lebensblick weit über das Planquadrat Rasen hinausgeht, der Mitgefühl entwickeln kann, wo andere nur in Siegerposen denken. Sein Abgang als italienischer Nationaltrainer macht die internationale Trainerbühne um einen menschlichen Faktor ärmer.

Vicente del Bosque bleibt Nationaltrainer von Spanien

Die Überlegenheit, welche er zeitlebens mit so viel Anstand zu behaupten wusste, entsprang nicht eitler Geltungssucht, sie beruhte vielmehr auf seinen menschlichen Fähigkeiten und seiner fachlichen Kompetenz. Vicente del Bosque trägt sein Wesen nicht zu Markte und ist dennoch ein außerordentlicher Mann, dessen Gedanken über den Fußball nie abreißen und dennoch das Leben immer im Blick behalten. Was er sagt, ist stets gehaltreich. Ein Mensch von hohen Graden bleibt dem Weltfußball erhalten. Er hätte sich die Schuld für das WM-Aus der Furia Roja auf seine Schultern geladen, auch darin wieder ein Geber und kein Nehmer. Der spanische Verband zeigt Stil und Umsicht, spricht dem Mann aus Salamanca weiterhin das Vertrauen aus und handelt danach. Eine Entscheidung gegen den billigen Trend des Traineropfers. Ein richtiges Zeichen. Chapeau!

Redaktion Magath & Fußball

Heiliger Rasen


Veröffentlicht am 3. Mai 2014

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Fulham FC ist Gast auf traditionsreichem Grund

In der Sportsprache wird manches verklärt, überhöht und der Wirklichkeit entfremdet, nimmt pseudoreligiöse Züge an. Im Britannia Stadium, Heimstätte von Stoke City, darf man aber mit Fug und Recht von heiligem Rasen und einem weihevollen Ort sprechen, der Name eines Mannes erlaubt diese Verklärung: Sir Stanley Matthews. Er war 1956 erster Träger des Titels „Europas Fußballer des Jahres“. Schon zu Lebezeiten eine landesweite Legende, weit über den Fußball hinaus ein große und prägende Persönlichkeit, spielte Matthews zwischen 1934 und 1957 für Englands Nationalmannschaft und trug von 1934 bis 1947, dann nochmals von 1961 bis 1965 das Trikot von Stoke City. Ein wirklicher Sir und Gentleman, Stolz des englischen Fußballs, Stolz der Stadt Stoke-on-Trent und seines Clubs Stoke City. 36 Jahre währte diese glanzvolle Karriere, mit 50 Jahren absolvierte Stanley Mathews sein letztes Pflichtspiel. Als Mathews im Jahr 2000 im hohen Alter von 85 Jahren starb, säumten am Tag seiner Beerdigung ca. 100.000 Menschen die Straßen von Stoke, während der Trauerzug seine Urne ins Britannia Stadium überführte. Unter dem Rasen des Spielfeldes fand die Asche von Matthews letzte Ruhe und damit ewige Verbundenheit mit dem Spiel seines Lebens. Vor dem Stadion erinnert inzwischen ein veritables Denkmal für Stanley Matthews an den großen Sohn der Stadt. Weiterlesen