Schlagwort-Archive: Rehhagel

Rein hypothetisch


Veröffentlicht am 27. März 2018

Alexander Bommes: Wenn Sie sich eine Mannschaft außerhalb Deutschlands für die WM aussuchen dürften, welche würden Sie nehmen. Welche würde Sie reizen?

Felix Magath: Die beste und aus meiner Sicht nie wieder zu bringende Leistung war, die von Otto Rehhagel, mit Griechenland Europameister zu werden. Wenn, dann schwebt mir auch so etwas eher vor. Spanien, so etwas ist doch Pillepalle. Mit wem könnte man was machen? Kroatien vielleicht oder so etwas.

(Gespräch Alexander Bommes mit Felix Magath, Sportschauclub, ARD, 23. März 2018)

Big Sam


Veröffentlicht am 17. Oktober 2015

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Solides Handwerk in Zeiten großer Töne

Zwei Trainer, zwei Welten. Während aus Liverpool die Halleluja-Klänge das ganze Königreich und gleich noch den Kontinent überschwemmten, drang aus Sunderland eher ein dumpfer Hammerschlag der Ernüchterung in die englische Fußballwelt. Der FC Liverpool hofft vom neuen Messias den Flug zu den Sternen, also Titel. Der AFC Sunderland wünscht sich von Sam Allardyce die Rettung vorm Abstieg. Ist der Stuttgarter Jürgen Klopp etwas für das glanzvolle Parkett einer neuen Fußballwelt, steht der Mann aus Dudley für den Job an der Ruderpinne der Galeere Fußball. Während Klopp von eigener Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme redet, wuchtet sich der von Freund und Feind oft als Big Sam titulierte Allardyce wie ein Schwergewichtsboxer auf den Stuhl. Falls Jürgen Klopp die Nouvelle Cuisine der Premier League darstellen soll, so ist Sam Allardyce längst deren Eintopf, solide bis auf den letzten Knochen. Allardyce hat alles durch im englischen Fußball, sofern es sich um dessen tabellarische wie spielerische Niederungen handelt. Als Kicker war Allardyce ein kantiger Abwehrspieler, eher robust als technisch beschlagen, in Bolton bei den Wanderers lief er von 1973 bis 1980 mit Schnauzer und breiter Brust in 184 Spielen auf, schoss als Defensivmann sogar 21 Tore. Sein größter Triumph als Spieler war der Aufstieg von der zweiten in die erste englische Fußballliga. Weiterlesen

Selbstaufgabe


Veröffentlicht am 16. Oktober 2015

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Bundesliga verabschiedet die Meisterschaft

Die Zwerge kapitulieren. Den Bayern ist kein Vorwurf zu machen, sie haben sich das hereinbrechende Gesamtlob verdient, erspielt und über Jahre erarbeitet. Das nötige Kleingeld für Mario Götze, Robert Lewandowski, Diego Costa, Arturo Vidal und allem was sonst an Personal nötig selbstverständlich stets zur Hand. En passant haben sie nun auch den Kampfgeist in der Liga des Weltmeisters gebrochen und pulverisiert, eine neue Qualität, so noch nicht dagewesen. Die Kapitulation der ehemaligen Gegner, vielleicht die größte Leistung der Bayern. Die Bundesliga ist von Angst befallen, in einer Art vorauseilendem Gehorsam gehen keine sportlichen Kampfansagen Richtung München, sondern nur noch der kollektive Kotau. Ein Mix aus Huldigungs- und Ergebenheitsadressen erreicht den Tabellenführer im Minutentakt. Vermeintliche Konkurrenten für wenigstens ein Spiel senden Gesten der Selbstaufgabe. Die Übungsleiter schauen aus dem Trainingsanzug wie verirrte Lämmer vor der Schlachtbank, huldigen dem Bayern-Spiel und dessen Trainer schon vor Anpfiff. Staunend, wie Kleinkinder im Spielzeugladen, bedanken sie sich artig, wenigstens dabei sein zu dürfen. Zauberlehrlinge bestaunen Merlin. Wie wirkt dieses Verhalten der Verantwortungsträger eigentlich auf die ihnen anvertrauten Spieler und Mannschaften? Von denen darf doch der Fan und Zuschauer Leistung, Kampf und Einsatz sowie Tore, Siege und Punkte erwarten. Wo ist im Bundesliga-Alltag des Jahres 2015 nur die Courage früherer Herausforderer geblieben? Weiterlesen

Made in Germany


Veröffentlicht am 16. November 2014

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Rehhagels Disziplin und Ordnung machte Griechenland einst zum Europameister

Wenn vermeintliche Fußballnationen gepeinigt, dann sind die Färöer-Inseln nicht weit. Einst schlugen sie, es war in der EM-Qualifikation 1990, auf fast heimischem Boden, man spielte im schwedischen Landskrona, die Österreicher mit 1:0. In unserem Nachbarland ist das seither eine quälende Sporterinnerung. Nun machte sich die Nationalmannschaft von der 43.000 Einwohner Insel auf nach Hellas und besiegte, was einst nicht mal dem persischen Großkönig Xerxes gelang, die Griechen auf deren heimischem Boden. Für den Ex-Europameister keine geringere Schmach als für die Wiener Alpenrepublik. Im Resultat kostete diese Niederlage dem italienischen Trainer Claudio Ranieri den Job, den er erst im Sommer diesen Jahres angetreten. Die Probleme des griechischen Fußballs liegen aber in einer eher schwachen Liga und den Verhältnissen im griechischen Fußball, weniger beim Trainer. Die Zeche zahlt aber wie immer dieser, und natürlich allein. Ranieri geht und ein Name ist wieder allgegenwärtig, weil gerade in Untergangstagen immer wieder die trostlose Gegenwart mit Niederlagen gegen Rumänien, Nordirland und die Färoer von der gloriosen Vergangenheit überdeckt wird. Dann hört man es über den Peloponnes schallen, was das doch für Zeiten waren, als der Deutsche noch unseren Fußball lenkte. Weiterlesen

Nottingham Forest Football Club


Veröffentlicht am 17. September 2014

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FC Fulham Gast im City Ground

Zwischen dem Craven Cottage und dem City Ground von Nottingham Forest liegen 256 km. Nottingham beheimatet zwei der ältesten Fußballclubs der Welt. Notts County, aktuell League One, wurde 1862, Nottingham Forrest, aktuell Championship, wurde 1865 gegründet. 1866 bestritten beide Teams das erste Derby der Fußballgeschichte. Robin Hood durchstreift nicht mehr die Wälder um Nottingham, aber seine Legende lebt. Auf allen Kontinenten kennt man die Taten des ehrlichen Räubers und seiner Gefährten, auch Hollywood sei Dank. Ein Denkmal des Helden mit dem Bogen steht heute vor dem Schloss von Nottingham. Die Stadt in den East Midlands beherbergt nicht nur rund 300.000 Einwohner, sondern auch weitere Legenden. Der „Ye Olde Trip To Jerusalem“ soll angeblich ältester Pub in England sein, aus der Zeit der Kreuzzüge stammen. Auch Könige wirkten in Nottingham. Wilhelm der Eroberer ließ im Jahr 1068 auf dem Sandsteinfelsen von Nottingham ein Schloss errichten. Der englische Bürgerkrieg nahm 1642 in Nottingham seinen Anfang. In Nottingham atmet man in allen Straßen Tradition. Die britische Industrie sah in Nottingham stets ein wichtiges Zentrum. Die berühmte „Raleigh Cycle Company“ versorgt seit 1887 die Briten mit Drahteseln, die „Imperial Tobacco Group“ mit Zigaretten und Tabak. Die Stadt in der Grafschaft Nottinghamshire ist auch bedeutendes Bildungszentrum, nennt zwei Universitäten ihr Eigen. Zur Universität Nottingham gehört das „Queen’s Medical Centre“, größtes Krankenhaus in Großbritannien. In der Stadt gibt es vier Theater. Nottinghams zentrale Lage macht die Stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt für Schiene und Straße. Seit 1969 ist Karlsruhe die deutsche Partnerstadt von Nottingham. Weiterlesen

Licht und Fado


Veröffentlicht am 21. Mai 2014

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Im „Estádio da Luz“ steigt das CL-Finale 2014

Von außen ist ein Fußballstadion selten ein schöner Ort, seine Funktionalität und Aufgabe verbietet den großen Glanz, auch manch Lichtspiel kann darüber nicht hinwegtäuschen. Nähert man sich einem Stadion und betritt es, verschieben sich die Perspektiven, die Betrachtung wird milder. Menschen in der Erwartung auf Fußball machen den Ort lebendig und von innen schön, das Stadion wird dann zur Kathedrale des „kleinen Mannes“. „A Catedral“ nennt der portugiesische Volksmund auch das Lissaboner Stadion „Estádio da Luz“, selbst im Deutschen klingt es noch nach einem Filmtitel für den Emotionskanal: „Stadion des Lichts“. Weiterlesen

Ernst Happel (II) – Holländische Jahre


Veröffentlicht am 13. August 2013

Ein Wiener zieht in die Welt, um den Fußball zu revolutionieren

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In Zeiten, wo Wohnungssuche und Harndrang von Spielern oder die Flughafenankunft eines Trainers Fußballnachrichten darstellen, ist den Apologeten solcher Meldungen schwer zu vermitteln, wie großartig und erfolgreich ein Trainer vom Qualitätsschlag Ernst Happels auch in unserer Zeit wäre. Aura und Charakter, wenn sie mit Kontur, Ecken und Kanten daherkommen, sind angeblich nicht mehr gefragt. Weit gefehlt! Das Außergewöhnliche im Fußball wird nur von außergewöhnlichen Persönlichkeiten geschaffen und ist auch nach Happel oft von seinem Holz. So Luis Aragonés, der Spaniens Nationalmannschaft aus 40-jähriger Agonie erweckte, so Felix Magath, der aus grauen Mäusen erfolgreiche Meisterwölfe machte und so Otto Rehhagel, der einen Fußballzwerg zum europäischen Thronriesen erhob. Durch die Bank eher kluge Beobachter als denn hyperaktive Dampfplauderer. Kollegen nach Happels Geschmack. Der Welt erfolgreichster Fußballtrainer war einem Happel immer näher als jedem Konzepttrainer, wer den Sir auf der Rennbahn trifft, sollte ihn danach fragen. Weiterlesen