Schlagwort-Archive: Roman Abramowitsch

Schicksalstage für Goliaths


Veröffentlicht am 19. Dezember 2015

Mourinhos Chelsea-Abgang könnte Trainerkarussell beschleunigen

Jürgen Klopp verliert ersten Glanz. Sein letzter Gegenpart Tony Pulis, seines Zeichens Trainer von Crystal Palace, bezichtigte ihn gerade als schlechten Verlierer, der mit einer 200 Millionen-Truppe keine 20 Millionen-Truppe schlagen kann und deswegen nach Spielende nicht nur den obligaten Händedruck verweigert, sondern mit öffentlicher Nörgelei von eigenen Problemen ablenken wolle. Der Waliser Pulis ist wegen seiner Bodenständigkeit besonders beim englischen Fußballproletariat beliebt, welches dieser Tage aus den Gazetten erfuhr, dass Jürgen Klopp in eine 5,2 Millionen Euro Nobelvilla gezogen sei. Solche Scharmützel und Meldungen müssen den Ex-Dortmunder noch nicht beunruhigen, aber auch englische Fußball- und Medienherzen können erkalten, selbst die in Liverpool. Echte Sorgen müssen sich dagegen einige andere Granden der Trainerzunft machen. Schon seit dem biblischen David weiß man um das fragile Gebilde der Goliaths. Die Riesen des Trainergeschäfts können ein garstig Lied davon singen. José Mourinho hat es schon erwischt, allerdings nicht in Form von Schleuder und Stein. Ihn warf ein leibhaftiger Milliardär von den Beinen, welcher im Mourinho-Feuern einschlägige Erfahrungen besitzt und überhaupt ein Spitzenmann in Sachen „Trainer raus“ ist. Weiterlesen

Er fällt nicht


Veröffentlicht am 9. November 2015

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José Mourinho weiterhin Chelsea-Manager

Seit Wochen blasen deutsche Schlagzeilen der Marke „Mourinho vor dem Ende“, „Letztes Ultimatum für Mourinho“, „Mourinho vor dem Aus“, „Mourinho taugt nur als Pappfigur“ und ähnliche Stilblüten zum Sturm auf die Festung des Chelsea-Managers. Alles in der spekulativen Hoffnung, man würde zu den prophetischen Siegern gehören, wenn das Ereignis endlich eintritt. Wenn dann noch ein selbsternannter Experte, welcher seine Feder für mehrere Blätter wetzt, hautnah aus England berichtet, erweckt dies den Eindruck von räumlicher Nähe, die auch „fachliches“ Wissen verursacht. Welch ein Irrtum! Die Sache hat außerdem einen kleinen wie beachtlichen Haken, José Mourinho ist immer noch da, die Chelsea-Fans feiern ihn und Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch entlässt ihn einfach nicht. Zumal weder Mourinho noch Abramowitsch bevorzugt zu deutschen Blättern greifen werden. Damit nicht genug, zu allem Überfluss urteilt der fachliche Teil englischer Medien in der Frage Mourinho/Chelsea mit einem gewissen Sachverstand und echter Nähe zur Materie. Drei Beispiele vom letzten Wochenende, allesamt nach der Niederlage von Chelsea bei Stoke City zu Protokoll gegeben, mögen daher als Zeugnis angeführt werden:

Phil McNulty (BBC Sport, Chef Fußballberichterstattung)
„José Mourinho sollte als Chelsea-Manager bleiben – er ist einer der Besten der Welt. Wer würde kommen und eine garantierte Verbesserung bringen? Ich kann niemanden sehen. Sie sind immer noch in der Champions League und die Fans stehen auch deutlich hinter ihm. Das ist ein entscheidender Faktor.“

Daniel Taylor (The Guardian, Chef-Kolumnist Fußball)
„Wir freuen uns über ein, zwei oder drei Top-Manager in der Welt mit einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz. Er ist einer der Besten und man entlässt Leute wie ihn nicht wegen einem schlechten Lauf. Sobald jemand entlassen wird, müssen Sie ihn ersetzen. Wer da draußen ist besser als jemand vom Kaliber eines José Mourinho?“

Neil Moxley (Sunday People, Chef-Sport)
„In dieser Phase der Saison lösen Sie sich nur von einem Manager, wenn klar ist, die Spieler sind nicht für ihn. Auf der Grundlage dessen, was ich hier bei Stoke City gesehen habe, die Spieler spielen für ihn. Die Spieler waren darin eindeutig und Chelsea hat gut gespielt. Er hat seine Fähigkeit im Laufe einer sehr erfolgreichen Karriere gezeigt. Er sollte bleiben.“

(Alle drei Zitate stammen von der BBC Website, BBC Sport Football, 8. November 2015)

Redaktion Magath & Fußball

Solidarität


Veröffentlicht am 31. Oktober 2015

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Chelsea-Fans stützen ihren Trainer – Jürgen Klopp assistiert

Das posaunte Duell José Mourinho gegen Jürgen Klopp fand nicht statt. Es spielte stattdessen der FC Chelsea gegen den FC Liverpool. Vor, während und nach dieser Partie wurde José Mourinho mit Transparenten und Gesängen von den Chelsea-Fans gefeiert. Die Töne der Solidarität mit einem Bedrängten klangen bis in den Presseraum der Stamford Bridge. Natürlich machte dieser Zuspruch die 1:3-Heimniederlage gegen Liverpool nicht wett, bleibt dennoch bemerkenswert in unserer aufgekratzten Fußballwelt. Hierzulande funktioniert das mediale Geschäft, Teile der Fans gegen Trainier aufzubringen, um das eigene Schlagzeilenband am Laufen zu halten, fast reibungslos. Bei Jürgen Klopp und dem BVB scheiterte dieser Kampagnenstil in der letzten Saison allerdings eindrucksvoll. So konnte der neue Coach der Reds dem Kollegen Mourinho und den Fans des FC Chelsea mit seiner eigenen Geschichte hilfreich beispringen. „Solche Dinge passieren. Ich hatte eine ähnliche Situation mit Dortmund im letzten Jahr. Aber niemand im Club zweifelte an meiner Position.“ In Richtung Mourinho tat Klopp noch viel mehr, dies unmissverständlich: „Er ist ein großartiger Trainer – niemand in diesem Raum kann im Zweifel sein, dass er einer der besten der Welt ist.“ Beeindruckende Solidarität unter Berufskollegen. Was Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch darüber denkt weiß kein Mensch, wohl nicht einmal José Mourinho. Die Blues-Fans waren dem Liverpool-Trainer jedenfalls dankbar für seine Worte und stehen auch in der Öffentlichkeit weiter zu ihrem eigenen Manager. Fans und Zuschauer führten nochmals die großen Verdienste und Erfolge des Portugiesen vor Augen, mahnten Ruhe und Kontinuität für den Verein an. „Mourinho raus“ suchte man vergeblich. Diese Art Fairplay und Denkkraft von Fans gegenüber einem in den Medien bedrängten Trainer wird Jürgen Klopp nicht verborgen geblieben sein. Darin könnte er durchaus eine weitere Bestärkung seiner Entscheidung für England und die Premier League gefunden haben. José Mourinho sah derweil das Endspiel der Rugby WM im Kreis seiner Familie und den dortigen 34:17-Sieg nebst Titelgewinn der All Blacks aus Neuseeland gegen Australien. Am Sonntag hat er ein Training angesetzt, vielleicht trifft er dort auch Roman Abramowitsch.

Redaktion Magath & Fußball

Meister wie Mourinho – Champion wie Chelsea


Veröffentlicht am 3. Mai 2015

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Premier League entschieden – Fünfte Meisterschaft für den FC Chelsea

Der Besitzer ging aufgeräumt in die Partie, zeigte sich im zwölften Jahr seiner Herrschaft über den FC Chelsea bei bester Laune auf seinem obligaten Tribünenplatz. Sein Chef auf der Bank trug das edle Clubsakko mit feinem Vereinsemblem und sah den Ereignissen entspannt entgegen. Ein Lächeln zauberten ihm seine Kicker während des Spiels allerdings äußerst selten in die Gesichtszüge. Beachtliches war eher schon vor Anpfiff zu vermelden. 250 Tage hat Chelsea die Tabellenführung der Premier League inne. Sportlich beeindruckend. Im letzten Jahr wechselte diese Tabellenführung im Verlauf der Saison noch 25-mal den Inhaber. Der Faktor Sport entscheidet große Titel natürlich längst nicht mehr allein. Geld ist ein wichtiger Erfolgsgarant der Spitzenteams in allen europäischen Topligen, die Premier League darin keine Ausnahme. Auch dieser Titel ist nicht nur im Schweiß geboren, er speist sich vor allem aus einer unerschöpflichen Quelle großen Geldes, geschuldet den Ölmilliarden von Club-Eigentümer Roman Abramowitsch. Mittlerweile steht der Verein beim russischen Oligarchen mit einer Milliarde in der Kreide, soviel hat der Mann seit dem Kauf des Londoner Clubs am 1. Juli 2003 bisher in den Verein gebuttert. Der Umsatz – laut eines Guardian-Artikels aus der letzten Woche – belief sich im Geschäftsjahr 2013/14 auf 304 Millionen Pfund, umgerechnet also 411 Millionen Euro. 55 Prozent davon der Anteil für Gehälter. Erfolg wird auch dadurch möglich. Er wurde am Sonntag mit Abpfiff um 16.20 Uhr MESZ an der Stamford Bridge, nach sehr zähem Gang, eingeholt und brachte dem FC Chelsea mit einem Sieg über den verbissen kämpfenden und konterstark daherkommenden Lokalrivalen Crystal Palace den Titel, dem 2015/16 weitere folgen sollen. Das Tor der Partie gelang Eden Hazard. Er wollte einen Elfmeter, Schiedsrichter Kevin Friend gab ihm diesen in der 43. Minute sehr gnädig. Hazard versuchte es selbst, scheiterte mit seinem harmlosen Versuch etwas kläglich, den vom Gästetorwart Julian Speroni nicht festghehaltenen Ball köpfte er dann im Nachversuch zur 1:0-Pausenführung umgehend in die Maschen. Mehr musste nicht passieren. 1:0 auch der Endstand, drei neue Punkte für die Tabelle bedeuten die Meisterschaft. „We Are the Champions“ aus den Lautsprechern. Über der Stamford Bridge schien die Sonne, gutes Wetter in London. Nun lächelte auch der Mann auf der Bank wie der Mann oben auf der Tribüne. Weiterlesen

José Mourinho vs. Pep Guardiola


Veröffentlicht am 21. Juni 2013

Wiedersehen vorprogrammiert – Explosion nicht ausgeschlossen

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An alte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist José Mourinho, hat Verein, Standort und Perspektive gewechselt. In seiner Lieblingsstadt London ist er wieder Manager des FC Chelsea. Understatement war seine Sache nie, Bescheidenheit hält er für keine Tugend. „I am the European Champion. I think I am a special one.“ Der erste Einstieg in England war laut wie deutlich. Spott war dem Premier League-Newcomer damals sicher. Die Medien rieben sich die Hände. Was zählt schon ein Champions League Sieg mit Porto? Im Mutterland des Fußballs offenbar nicht viel. Weiterlesen

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Veröffentlicht am 6. Juni 2013

Neue Fußballgroßmacht in Monaco?

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Wenn einer Messi und Ronaldo die Fußballshow stehlen kann, dann Radamel Falcao, das technische Kraftpaket mit eingebauter Torgarantie. Um den Kolumbianer von Atlético Madrid wollten sich alle Top-Clubs in Europa ein Hauen und Stechen liefern, heiße Transferkämpfe wurden erwartet. Aus allen Winkeln macht Falcao Tore, ob in der Luft oder auf dem Boden, der Mann ist Weltklasse und erhöht Titelchancen. Die Transferschlacht blieb aus. Falcao verlässt Atlético, allerdings nicht in Richtung Beletage des europäischen Fußballs. Was ist geschehen? Weiterlesen