Schlagwort-Archive: Schiedsrichter

Kreisliga


Veröffentlicht am 13. November 2015

„Wer sich über eine WM im Winter beschwert, hat nie ein Kreisligaspiel im Januar gesehen: Der Kaffee ist kalt, das Bier gefroren und der Nebel so dicht, dass man nicht einmal die gegenüberliegende Eckfahne sieht. Da verbrüdert sich das Publikum aus erfolgshungrigen Eltern und grummeligen Rentnern gegen den Schiedsrichter, der wahlweise „voll Panne“ ist oder einfach „keine Augen im Kopf“ hat und eh die größte Pfeife seit Menschengedenken ist. In der Kreisliga geht es nicht ums Zaubern, sondern ums Kämpfen.“

(„Fußball extrem“, Wochenzeitung „Freitag“, 18. März 2015)

Rudi ratlos


Veröffentlicht am 10. November 2015

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In Leverkusen klaffen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit traditionell auseinander

Bei Bayer 04 ist es seit Jahren das Gleiche: Oberflächlich betrachtet sind die Voraussetzungen im Grunde genommen hervorragend. Darin besteht unter den Verantwortlichen, Fans und den mehr oder weniger kritischen Beobachtern meist im Vorfeld schon Einigkeit. In einer „spielstarken Mannschaft“ stimmt die Mischung aus Talent und jugendlichem Esprit sowie Reife und internationaler Erfahrung. An der Seitenlinie steht ein Mann mit Konzept, exzellenter Ausbildung und „hohem spieltaktischen Verständnis“. Und obendrein sorgt ein „potenter Namensgeber“ für das nötige Kleingeld in der Kasse, das auf dem Transfermarkt dann nicht selten großzügig verteilt wird. Kurzum: Eigentlich, so das allgemeine Verständnis, bietet das Leverkusener Fußball-Universum den idealen Nährboden für sportlichen Erfolg. Eigentlich. Denn die Realität sieht im Großen und Ganzen weitgehend anders aus: Die an den Fußball-Stammtischen der Bundesrepublik gerne und oft aufs Korn genommene Pokalvitrine der Rheinländer liegt tatsächlich erschreckend brach. Gemessen am wirtschaftlichen Starterpaket, man muss es so deutlich sagen, ist der fußballerische Ertrag in der Summe doch ziemlich überschaubar – um nicht zu sagen: äußerst bescheiden. Darüber können auch die regelmäßig halbgaren Champions League Auftritte nur schwerlich hinwegtäuschen. Nachhaltig seriöse Ursachenforschung allerdings verbietet sich offensichtlich, diesen Eindruck jedenfalls vermitteln die Entscheidungsträger auch dieser Tage unisono. Insbesondere Sportdirektor Rudi Völler gibt dabei bisweilen ein seltsames Bild ab. Weiterlesen

Die Sache mit dem Elfer…


Veröffentlicht am 1. Oktober 2015

Sicher verwandelt: Juan Mata lässt sich die Chance zum Ausgleich aus elf Metern nicht entgehen.

Sicher verwandelt: Juan Mata lässt sich die Chance zum Ausgleich nicht entgehen.

Wölfe und Fohlen mit knappen Niederlagen gegen Manchester – Ein Überblick über den zweiten Spieltag in der Champions League Gruppenphase

Mit einem Paukenschlag begann die Partie im Old Trafford: Die grün-weißen Gäste aus Wolfsburg kombinierten sich sehenswert durch die Abwehrreihe der Red Devils und gingen bereits nach fünf Minuten durch Daniel Caligiuri in Front – da staunten die knapp 75.000 Zuschauer in Manchester nicht schlecht. Als hätten die Mannen von Louis van Gaal ein solches Hallo-Wach-Signal unbedingt gebraucht, spielte bis zur Halbzeitpause fortan nur noch United. Wayne Rooney ließ die große Chance zum Ausgleich noch liegen, kurz darauf aber deutete Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn auf den Punkt. Torschütze Caligiuri bekam das Spielgerät im eigenen Sechzehner aus kurzer Distanz an den Unterarm geflankt – Absicht oder nicht, eine schwierige Entscheidung. Der Spanier Juan Mata jedenfalls blieb eiskalt und vollstreckte sicher links unten. Die Wölfe mit dem Stand von 1:1 beim Gang in die Kabine sicher nicht unzufrieden, nach dem Seitenwechsel allerdings ging das Anrennen des Premier League Tabellenführers unvermindert weiter. Einen abgeblockten Schussversuch des starken Bastian Schweinsteigers verlängerte wieder Mata geistesgegenwärtig und mit der Hacke über die VfL-Defensive in den Strafraum, wo Innenverteidiger Chris Smalling am schnellsten geschaltet hatte und das Leder ins Tor bugsierte. Mit der 2:1-Führung im Rücken zog sich Manchester United jetzt unerklärlich weit zurück, wenig bis nichts war mehr zu sehen von der millionenschweren Luxus-Offensive der Engländer. Wolfsburg nun mit der zweiten Luft und dem Mute der Verzweiflung, der eingewechselte André Schürrle und Ricardo Rodríguez kamen dem Ausgleich noch einmal ganz nah. Unterm Strich stand für den Bundesliga Vizemeister in Manchester letztlich trotz guter Leistung eine knappe Niederlage, einen Punkt aber hätte sich der VfL allemal verdient gehabt. Ganz ähnlich erging es derweil der Gladbacher Borussia im Duell mit Uniteds Stadtrivalen. Weiterlesen

Schlechtes Vorbild


Veröffentlicht am 21. September 2015

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José Mourinho, ein Spitzentrainer lässt Klasse vermissen

Schwäche zeigen, ist menschlich. Und was hätte es José Mourinho gekratzt, hätte er nach der Begegnung mit Arsenal London und seinem Intimfeind Arsène Wenger eine der üblichen Phrasen gedroschen? Beispielsweise, „Diego Costa hätte vom Platz gemusst. Zum Glück für uns hat es der Schiedsrichter nicht gesehen.“ Oder, „Das, was Diego Costa gemacht hat, gehört nicht auf den Fußballplatz. Darüber müssen wir reden.“ Fertig. Nicht mehr und nicht weniger. Angesichts des Spielverlaufs darf das durchaus als angemessen bezeichnet werden. Die drei Punkte hätte man ihm eventuell trotzdem nicht weggenommen. Und was wäre das überhaupt für eine Schwäche gewesen? Richtig, gar keine! Nur hätte „The Special One“ damit eben zugeben müssen, dass der 2:0-Sieg über die Gunners auch ein klitzekleines Bisschen vom unglücklichen Auftritt des Schiedsrichters Mike Dean begünstigt wurde und im Umkehrschluss nicht einzig und allein auf die eigene, überragende Genialität zurückzuführen ist. Ganz grundsätzlich besteht Einigkeit darüber, dass das von Diego Costa in der bedeutsamen Partie gegen den Stadtrivalen an den Tag gelegte Verhalten nicht auf den Fußballplatz gehört. Punkt. Eine persönliche Vorliebe für körperbetontes Spiel hin oder her, es kann hier keine zwei Meinungen geben. Sportliche Fairness und Respekt vor dem Gegner sind konstituierende Elemente jeder sportlichen Betätigung – der Fußball macht hier keine Ausnahme. Man bekommt dies in der Regel bereits im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule eingeimpft. Schläge ins Gesicht des Kontrahenten oder wiederholtes, absichtliches Treten in die Beine gehört sicher nicht dazu. Weiterlesen

So geht es auch


Veröffentlicht am 20. September 2015

„Miroslav Klose ging im Zweikampf mit Bielefelds Schlussmann Mathias Hain im Strafraum zu Boden, der Torhüter bekam die Gelbe Karte und der Angreifer einen Elfmeter. Doch Klose überzeugte den Schiedsrichter, dass Hain zuerst den Ball gespielt habe und dass der Elfmeter daher unberechtigt wäre. Der Schiedsrichter zog daraufhin seine Elfmeterentscheidung und die Gelbe Karte zurück. Klose erhielt dafür eine Fairplay-Auszeichnung und meinte bei der Verleihung: ‚Es ist eine große Ehre für mich, dass ich diesen Preis erhalte. Aber es wundert mich schon ein bisschen. Für mich war das selbstverständlich. Ich würde es jederzeit wieder tun‘.“

(fifa.com, 3. September 2012)

Die Bundesliga braucht einen Fernseh-Schiri


Veröffentlicht am 14. September 2015

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„Es braucht nur zehn Sekunden. Zehn Sekunden und man hat genug gesehen. Genug, um es richtig einzuordnen und zu entscheiden! Es wird keinen Fußball-Schiedsrichter, keinen Fan, keinen Trainer, Spieler, Verantwortlichen geben, der die getroffene Entscheidung von Knut Kircher zum alles entscheidenden Strafstoß in der 90. Minute zwischen Bayern und Augsburg nach kurzem Blick aufs TV-Bild als korrekt bezeichnen würde. Er selbst ja auch nicht. Und immer noch verweigert sich der Fußball solch einer Möglichkeit, die das Spiel nicht verändern, sondern fairer machen würde! Da schüttel’ ich länger als nur zehn Sekunden mit Unverständnis den Kopf.“

(Felix Magath, Kolumne express.de, 13. September 2015)

Chile im Finale


Veröffentlicht am 30. Juni 2015

Charles Aránguiz und Torschütze Eduardo Vargas bejubeln die chilenische Führung.

Charles Aránguiz und Torschütze Eduardo Vargas bejubeln die chilenische Führung.

Vargas-Doppelpack und der nächste heftig umstrittene Platzverweis

Der Gastgeber hat es geschafft! Durch einen 2:1-Erfolg über Peru erreichten die Chilenen in der Nacht von Montag auf Dienstag im Nationalstadion der Hauptstadt Santiago de Chile das Endspiel der Copa América 2015 im eigenen Land. Matchwinner für das Team von Jorge Sampaoli dabei ein Mann vom SSC Neapel: Eduardo Vargas sicherte La Roja mit seinen Turniertoren drei und vier den dritten Finaleinzug nach 1979 und 1987. Wie schon im Viertelfinale gegen Uruguay, als der brasilianische Schiedsrichter Sandro Meira Ricci den Topstar der Urus Edinson Cavani nach fragwürdiger Einlage des inzwischen nachträglich gesperrten Mainzers Gonzalo Jara des Feldes verwies, stand auch im Halbfinale der Unparteiische besonders im Blickpunkt. Mitte der ersten Halbzeit schon schickte José Ramón Argote Vega aus Venezuela den peruanischen Innenverteidiger Carlos Zambrano mit Rot vom Platz und brachte die Hausherren damit unweigerlich auf die Siegerstraße. Weiterlesen

Kleine Erbse ganz groß


Veröffentlicht am 23. April 2015

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Real Madrid und Juventus Turin komplettieren Halbfinale

Der Bann ist gebrochen, Real kann ein Stadtderby doch noch gewinnen. Der erste Sieg über Atlético im achten Vergleich der laufenden Spielzeit brachte die Königlichen auf dem Weg in Richtung Titelverteidigung in der Königsklasse einen wichtigen Schritt voran. Die Madrilenen haben damit ein Stückchen Fußballgeschichte weiterhin in der eigenen Hand, denn noch nie gelang einem Champions League Sieger die Wiederholung seines Triumphs im darauffolgenden Jahr. Das goldene Tor des Abends im Bernabéu erzielte in Minute 88 ausgerechnet der Mexikaner Javier Hernández, ausgeliehen bis zum Saisonende von Manchester United. Chicharito, „die kleine Erbse“, war für den verletzten Karim Benzema in die Bresche gesprungen und belohnte sich auf Vorlage von Cristiano Ronaldo per Abstauber für einen engagierten Auftritt. Am knappen und dem Spielverlauf letztlich entsprechenden 1:0-Erfolg Reals waren auch zwei Deutsche beteiligt. Zum einen natürlich Toni Kroos, der als Schaltzentrale vor der Abwehr aufseiten der Hausherren gewohnt unaufgeregt und passsicher operierte. Und zum anderen Dr. Felix Brych, der mit einer durchaus zweifelhaften Entscheidung dem Spiel eine entscheidende Wendung gab. Weiterlesen

Viel Kampf, wenig Fußball


Veröffentlicht am 15. April 2015

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Derbi madrileño ohne Sieger, Juve profitiert von fragwürdigem Elfmeterpfiff

Nein, die Viertelfinal-Ouvertüre in Madrid war beileibe kein rauschendes Fußballfest, eher zu vergleichen mit einem Boxkampf, bei welchem sich beide Kontrahenten zwar blutige Nasen holten, einander aber nicht auf die Bretter schickten. Im Estadio Vicente Calderón trennten sich Atlético und Real torlos, Entscheidung vertagt. Die Frage, welcher Mannschaft dieses Unentschieden größeren Nutzen erweist, ist nicht ohne weiteres zu beantworten. In der kommenden Woche hat Real zwar das Bernabéu im Rücken, allein davon wird sich der Nachbar aber mitnichten beeindrucken lassen, die Angst vor den Königlichen hält sich bei Diego Simeones Mannen in Grenzen. Womöglich spielt das Resultat dem konterstarken Atlético sogar in die Karten, Real muss vor heimischer Kulisse nun unbedingt treffen, um zum fünften Mal in Serie ins Halbfinale vorzustoßen. Weiterlesen