Schlagwort-Archive: Scolari

Vierkampf um Platz drei


Veröffentlicht am 26. Oktober 2017

Felix Magath und Shandong Luneng Taishan vor spannendem Saisonfinale

Auf der Zielgeraden der Saison 2017 ist in der Chinese Super League ein Vierkampf um Platz drei und die damit verbundene Qualifikation für die AFC Champions League entbrannt. Neben der Mannschaft aus Hebei, dem starken Aufsteiger Tianjin Quanjian und Guangzhou R&F zählt durchaus überraschend auch Shandong Luneng Taishan zu den Podiumsanwärtern. Nach Platz 14 in der Vorsaison ist dies freilich alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Schon jetzt jedoch hat das Team stolze zwölf Zähler mehr gesammelt als in der kompletten Spielzeit 2016 und stellt zudem den mit Abstand besten Defensivverbund der Liga. Weil auch Platz vier für die Teilnahme am prestigeträchtigen Kontinentalwettbewerb im nächsten Jahr reichen könnte – Voraussetzung ist der Pokalsieg von Shanghai SIPG über den Stadtrivalen Shenhua –, sind die Aussichten zwei Runden vor Schluss nach wie vor glänzend.

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Verpasster Neuanfang


Veröffentlicht am 24. Juli 2014

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Carlos Dunga neuer Nationaltrainer in Brasilien

Die brasilianische Fußballgegenwart ist grau bis schwarz, die Freude gewichen, eine gute Zukunft nicht zu erahnen. Dunkelheit im Herzensland des Fußballs. Da hilft dann nur ein Blick zurück. Nur damit ist Trost zu finden. Im brasilianischen Verband hat man sich deswegen gleich für einen Griff in die Vergangenheit entschieden und einen neuen wie alten Nationalcoach namens Carlos Dunga aus dem Hut gezaubert. Vielen Brasilianern wäre ein Kaninchen lieber gewesen, mit Grauen erinnern sie sich an Dungas erste Amtszeit. Schwäbische Behäbigkeit und kein Ballzauber Marke Garrincha. Weiterlesen

Pein der Besiegten


Veröffentlicht am 12. Juli 2014

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Brasilien und Holland müssen um Platz drei spielen

Wer auszog, Weltmeister zu werden, der wandelt künftig nicht durchs Leben und ruft „ich bin Dritter“. Spieler und Trainer wollen dieses unsägliche Spiel um Platz drei nicht. Aber in dieser Frage geht es weder um den Willen von Sportlern noch um die Vernunft, hier geht es um die FIFA, Übertragungsrechte, TV-Einnahmen, Marketing und das liebe Geld. Da müssen die Verlierer der Halbfinals also ran. Wessen Lebenstraum vom Weltmeistertitel zerplatzt, diese Krönung eines Spieler- oder Trainerlebens gestorben, der Schmerz darüber noch gegenwärtig, hat allerdings anderes im Kopf und in den Beinen. In einer Farce, die oftmals noch den schrecklichen wie verhöhnenden Beinamen „Kleines Finale“ erhält, möchte niemand freiwillig auftreten. Die Besiegten der Halbfinals sollten in ihrem Scheitern künftig mehr Respekt empfangen und von dieser Pein befreit werden. Die Streichung dieses Spiels bei künftigen WM-Turnieren wäre ein Signal für Sportlichkeit, ein Zeichen für Anstand, Vernunft und Fairness.  Weiterlesen

Es geht weiter!


Veröffentlicht am 9. Juli 2014

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Zwischen Mineirazo und Maracanã

Sie konnten einem richtig Leid tun, wie sie da standen, mit Tränen in den Augen und eine Erklärung suchten für das doch Unerklärliche. Die stolzen Brasilianer, der Rekordweltmeister, die Seleção, Botschafter des schönen Spiels, vom eigenen Volk und der Welt zum Siegen verdammt, vom enttäuschten Publikum im Estádio Mineirão schlussendlich mit Pfiffen verabschiedet. Selbst bei deutschen Fußballfans hinterließ der Blick auf die Anzeigetafel nach Spielschluss neben überschäumenden, euphorisierenden Freudgefühlen auch Mitleidsempfindungen für die brasilianische Seele. Diese wird nun zweifellos einen Moment brauchen, um sich aus ihrer Schockstarre zu erholen. 1:7! Zu unerwartet die Angriffswucht der DFB-Elf, zu unerwartet auch der Leistungsabfall der eigenen Mannschaft. Halten wir es trotzdem mit Felipão: Das Leben geht weiter! Man darf hoffen, dass seine Titel und Taten für Brasiliens Herzstück trotz des unfassbar großen Schmerz des Augenblicks niemals in Vergessenheit geraten. Denn dieser Mann erst erweckte den Traum eines ganzen Landes von der „Hexa Campeão“ zum Leben.

Während die Nacht von Belo Horizonte nun für die einen nicht das Ende der Welt, so ist sie für die anderen nicht das Ende des Weges. Die deutsche Mannschaft punktete nach zwei verlorenen WM-Halbfinalspielen diesmal auf ganzer Linie. Durch ihren schnörkellos effektiven wie abgeklärten Vortrag auf dem Rasen versetzte sie die Fußballwelt erst in kollektive Sprachlosigkeit, um dann im Anschluss mit ähnlicher Konsequenz alles dafür zu tun, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Das gefällt vor allem deshalb so gut, weil am Sonntag alles wieder von vorne los geht. Mit einer überbordenden Erwartungshaltung zwar, aber auch mit einem gänzlich anders eingestellten Gegner.

„Das ist die schlimmste Niederlage aller Zeiten. Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter. Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche.“
(Luiz Felipe Scolari)

„Ich danke Gott dafür, eine Weltmeisterschaft im eigenen Land habe spielen zu dürfen. Ein Glückwunsch an das gesamte Land für ein tolles Turnier. Wir standen dicht davor, aber es hat nicht gereicht.“
(Júlio César)

„Wir wollten unserem Volk nur Freude bereiten. Wir möchten uns entschuldigen.“
(David Luiz)

„Wir haben in der ersten Halbzeit schon sehr gut gespielt – aber jetzt geht es weiter. Ein bisschen Demut kann uns jetzt nicht schaden.“
(Joachim Löw)

„Wir erinnern uns noch gut an das Spiel gegen Algerien, da hat man uns permanent runtergeschrieben. Jetzt werden wir in den Himmel gehoben. Beides ist, denke ich, der falsche Ansatz.“
(Thomas Müller)

„Die Kunst des Krieges“


Veröffentlicht am 8. Juli 2014

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Brasilien und Deutschland spielen in Belo Horizonte um den Finaleinzug

Deutschland trifft auf angeschlagene Brasilianer, die mit dem Anführer (Thiago Silva) gleich noch ihre Gallionsfigur (Neymar) verloren. Der Kapitän fällte sich selbst, der auserkorene Heils- und Titelbringer Opfer eines tragischen Fouls. Das Spiel der Seleção, während des Turniers von wenigen Säulen und einem grandiosen Publikum getragen, nun um zwei zentrale Bausteine ärmer. Solcher Art wohl nur noch ein lockeres Gebälk, welches dem Ansturm der Deutschen nicht standhalten kann. Die Gastgebernation im kollektiven Schockzustand und wachsendem Fatalismus. Halt sucht man bei Trainer Scolari. Felipão soll es richten. An seiner Tafelrunde ist schwerlich Ersatz zu finden. Er muss sich fühlen, als hätte König Arthus seinen Edelritter Lancelot und den getreuen Parzival in einer Schlacht verloren. Arthus rief in höchster Not nach dem Zauberer Merlin. Aber für Brasilen kein Zauberer weit und breit. Scolaris Lieblingsautor Sunzi, dessen Traktat „Die Kunst des Krieges“ der Weltmeistertrainer von 2002 in und auswendig beherrscht, sagt in seinem strategisches Meisterwerk: „Wenn du nicht stark bist, sei klug.“ Klugheit wird Scolari brauchen, um das wohl Unvermeidliche zu vermeiden. Im deutschen Lager kann man dieser Partie entspannt entgegensehen. Man hält alle Trümpfe sicher in der Hand. Die Zielgerade ist wie gemacht für einen deutschen WM-Sieg. Brasilien schon vor Anpfiff entscheidend geschwächt, den kommenden Finalgegner tritt man dann mit einem zusätzlichen Ruhetag entgegen und im Endspiel wird man als Bezwinger des Gastgebers sicher auch die brasilianischen Fans auf seiner Seite haben. Die titellosen Jahre neigen sich mit aller Macht dem Ende. Wie heißt es bei Sunzi: „Wenn Du Deinen Feind kennst und dich selbst kennst, brauchst du das Ergebnis von 100 Schlachten nicht zu fürchten.“ Noch 180 Minuten bis zum vierten Stern.

Redaktion Magath & Fußball

Vor dem Sturm


Veröffentlicht am 4. Juli 2014

„Wir werden unter die letzten Vier kommen.“
(Joachim Löw, Deutschland)

„Da ist keine Anspannung bei uns, es ist eine Freude.“
(Didier Deschamps, Frankreich)

„Wir haben eine grossartige Mannschaft, die zu Grossem fähig ist.“
(José Pekerman, Kolumbien)

„Weniger Herz und mehr Fußball.“
(Luiz Felipe Scolari, Brasilien)

 

Gastgeber fällt nicht vom Drahtseil


Veröffentlicht am 29. Juni 2014

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Brasilien und Kolumbien im Viertelfinale

Mit Chile ist die zäheste Mannschaft aus dem Turnier geschieden, der Ausdruck geflogen verbietet sich. Wer etwas über Power im Fußball lernen will, der sollte auf diese Mannschaft blicken. Das Tor war der Feind, die Querlatte verbaute ihnen den Einzug ins Viertelfinale, der Pfosten ließ sie im Elfmeterschießen unterliegen. Pech. Im Glück dagegen Gastgeber Brasilien, welcher trotz höherer Chancenquote mit zunehmender Spielzeit an seiner Favoritenrolle zu ersticken drohte. Selbst der erfahre Trainer-Haudegen Scolari wirkte an der Seitenlinie wie ein ratloser Herbergsvater, dem seine Schar längst abhandengekommen, während sein Gegenüber Sampaoli den Eindruck erweckte, sich jeden Moment selbst einwechseln zu wollen. Die Gastgeber wackelten auf dem Drahtseil des Achtelfinals, aber sie stürzten nicht. Für Brasilien könnte dieser Lotterie-Sieg über Chile eine Initialzündung sein. Ob allerdings ein Hulk, ein Fred und ein Jo auch nur im Entferntesten ein Weltmeister-Gen in sich tragen, es darf bezweifelt werden. Der Teamspirit, der stimmt bei der Seleção allerdings. Wille, Leidenschaft und Glaube haben schon oft Berge versetzt, im Leben wie im Fußball. Weiterlesen

Verbales Donnergrollen


Veröffentlicht am 28. Juni 2014

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„Wir hatten Pelé, wir hatten Ronaldo, wir hatten Romario, Rivaldo und Ronaldinho, aber einen wie Neymar hatten wir noch nie.“
(Luiz-Felipe Scolari, Brasilien)

„Mir ist nicht bange. Wir haben viele junge, gute Spieler. Wir stehen am Ende einer sechsjährigen, sehr erfolgreichen Ära. Es wird jetzt weitergehen – wer auch immer der Trainer sein wird.“
(Vicente del Bosque, Spanien)

„Wenn wir ins Finale wollen, müssen wir jeden Gegner schlagen. Wir fangen deshalb jetzt nicht an, zu rechnen und zu spekulieren, wem wir aus dem Weg gehen wollen.“
(Joachim Löw, Deutschland)

„Balotelli war Teil des Projekts, und es war kein siegreiches Projekt.“
(Cesare Prandelli, Italien)

„Im Fußball gibt es keinen Platz für Angst, die gibt es nur im richtigen Leben. Sorgen vielleicht, aber nicht Angst.“
(Óscar Tabárez, Uruguay)

„Die FIFA spricht immer von Fair Play, und dann spielt sie immer mit solchen Tricks. Das ist nicht gut, das ist kein Fair Play. Warum zur Hölle tun sie das?“
(Louis van Gaal, Holland)

„Wenn du etwas zu sagen hast, dann reiß dich zusammen und hab wenigstens die Eier, es den Leuten ins Gesicht zu sagen.“
(Miguel Herrera, Mexiko)

„Ich denke, der größte Sieg ist immer der nächste.“
(Jorge Sampaoli, Chile)

„Es macht mich stolz, die Spieler verdienen diese Beachtung.“
(Jorge Luis Pinto, Costa Rica)

„Wenn du einen Spieler wie Messi hast, gibt es immer eine Abhängigkeit. Wir versuchen, diese zu verkleinern.“
(Alejandro Sabella, Argentinien)

„Wir können Geschichte schreiben, hier in Südamerika, wo schon einige Europäer ausgeschieden sind, Argentinien schlagen.“
(Ottmar Hitzfeld, Schweiz)

„Das US-Team bestreitet ein kritisches WM-Spiel gegen Deutschland, und wir brauchen die volle Unterstützung der Nation, wenn wir in die nächste Runde kommen wollen.“
(Jürgen Klinsmann, USA)

„Der Verband hat mich gebeten, weiterzumachen. Ich bin sehr froh, dass sie mich noch wollen.“
(Roy Hodgson, England)

„Wenn du immer nur in der gleichen Liga spielst, dann wirst du dich nur schwer verbessern. Das hält den russischen Fußball auf.“
(Fabio Capello, Russland)

„Ich wollte uns nach vorne bringen und die Qualifikation für das Achtelfinale schaffen. Ich übernehme die volle Verantwortung.“
(Alberto Zaccheroni, Japan)

Na endlich !


Veröffentlicht am 13. Juni 2014

Es ist vollbracht. Seit heute wird über Fußball nicht nur geredet, nun wird er auch gespielt. Vor uns liegt – ein entspannender Nebeneffekt – offensichtlich eine WM ohne infernalische Vuvuzelas, die Ohren gehören damit zu den ersten Gewinnern. Außerdem, Wetterberichte hin oder her, gibt es auch in Brasilien offenkundig angenehme Fußballtemperaturen. São Paulo hatte diese freundlich zu bieten. Nach der Eröffnungsfeier endlich Fußball. Beim 3:1 Auftaktsieg von Brasilien über Kroatien erledigte der Gastgeber die Tore auf beiden Seiten, hinterließ uns der Schiedsrichter einen merkwürdigen Nachgeschmack in Sachen Strafstoß, wackelte die Seleção des Öfteren und konnte Kroatien nicht wirklich von einem glücklichen Tag reden. An der Seitenlinie des Gastgebers, Luiz Felipe Scolari in erwarteter Manier. Ein engagierter Zampano, der unprätentiös im Trainingsanzug seine Truppe dirigierte und mit der Ausbeute zufriedener sein wird als mit der Leistung. Vieles lag im Argen. Die brasilianische Turnierdramaturgie nimmt jedenfalls Fahrt auf, noch befeuert durch zwei Neymar-Tore. Auftakt gelungen. Nun sind die anderen Favoriten am Zug. Für neutrale Betrachter war die Partie nicht unbedingt etwas für die Geschichtsbücher des Fußballs, was Auftaktspiele selten sind. Die Kombattanten einer Eröffnungspartie haben immer ein dickes Brett zu bohren. Aber auch aus einem mäßigen Fußballspiel kann ein großes Turnier erwachsen. Die gastfreundlichen Menschen in Brasilien sind dazu offenkundig bereit.

Redaktion Magath & Fußball