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Vater Courage


Veröffentlicht am 26. Mai 2015

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Thomas Schaaf tritt bei Eintracht Frankfurt zurück

Jede Saison hat früher oder später ihre Nachbeben, eines davon ereignete sich in Frankfurt am Main. Thomas Schaaf kann seinen Beruf, ist ein Ehrenmann und unaufgeregter Zeitgenosse. Dabei kommt er auch als Trainer alter Schule daher, dem die Arbeit am Team wichtiger als das Entertainment einer sich selbst berauschenden Branche. Das Wirken für einen nachhaltigen Erfolg von Mannschaft und Verein kam bei ihm stets vor der schnellen Schlagzeile zur Selbstprofilierung. Die sich dem Spektakel verweigernde Trainerpersönlichkeit, die nur den Anspruch auf eine seriöse Arbeitsbasis erhebt, wirkt immer öfter wie aus der Zeit gefallen. Der Berufsstand Fußballtrainer wird längst als Sündenbock für alles und jeden missbraucht und ist dabei noch der Egozentrik immer mächtiger werdender Profis ausgeliefert. Nebenher muss er nahezu ohnmächtig der Profilierungssucht von Funktionären zusehen. Die Begleitmusik der Abwrackung des Berufsstandes Übungsleiter, genährt aus „gut unterrichteten Kreisen“, liefert dazu dann eine jeden Verein umflatternde Medienlandschaft, die auch dem erfahrensten Trainer bei erster Gelegenheit jedwede Unterstellung hinterherwirft, birgt sie nur die kleinste Chance auf knallige Stimmungsmache. Fans, die den Überschriften folgen, lassen sich immer finden und geben Ruf und Reputation des Trainers den Rest. Thomas Schaaf wollte Herr seines Schicksals bleiben und sich nicht zum Spielball machen lassen. Souverän brachte er die Sache auf den Punkt und ging mit Stil und Würde aus seinem Engagement: „Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren. Deshalb ist es zu der Trennung gekommen.“ Der Mann redet nicht viel, wenn er es tut aber treffsicher, couragiert und auf den Punkt gebracht. Ein idealer Trainer.

Redaktion Magath & Fußball

Auf den Gabentisch – kurz vor Schluss


Veröffentlicht am 23. Dezember 2014

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Furioser Roman über Liverpool-Legende Bill Shankly

Statistiken behaupten, der Großteil der Fußballfans ist männlich und die Mehrheit der Leser von Romanen weiblich. Kurz vor dem Weihnachtsfest der Versuch einer Zusammenführung. David Peace ist einer der spannendsten Autoren unserer Zeit, seine Kriminalromane führen uns tief in den Abgrund menschlicher Taten, knapp die Sprache, düster die Handlung, es gibt kein Gut und Böse, jeder trägt Schuld. Der Leser braucht Nerven, dafür wird er nie gelangweilt. Aufwühlend und verstörend kommen diese Meisterwerke daher. Seine von realen Ereignissen angeregten Romane brennen unter der Haut, gehen an Grenzen. Wer das „Red Riding Quartett“ über den Yorkshire Killer oder die „Tokyo-Krimis“ gelesen, der war Gast in der Apokalypse. Ein leidenschaftlicher Schreiber ist dieser Brite aus Ossett. Mit weniger Blut aber gleichermaßen Spannung springt uns David Peace in Sachen Fußball an, seiner zweiten Obsession. Vor Jahren beschäftigte ihn die Trainerlegende Brian Clough in dem Roman „Damned United“, nun huldigt er einem anderen Trainerdenkmal, dem Schotten Bill Shankly. Ein Meisterwerk mit allem was Fußball ausmacht, ein Werk voller Leidenschaft, von Größe und tiefem Fall. „Red or Dead“ ist ein wunderbarer Fußballroman. Was will man mehr? Weiterlesen