Schlagwort-Archive: Struktur

Struktureller Stillstand


Veröffentlicht am 1. September 2015

„Die Bundesliga ist den Weg der Professionalisierung nicht wirklich konsequent gegangen. Die größte Innovationsbremse ist der strukturelle Stillstand. In Deutschland existiert nach wie vor ein romantisiertes Vereins-Ideal und führt zu einem Festhalten an einer antiquierten 50+1-Regel. In vielen internationalen Ligen sind längst Investoren tätig. Dass damit kein Untergang der eigentlichen Fußball-Kultur einhergeht, zeigen ja gerade die Engländer, deren Tradition, Fair Play und Fan-Kultur hierzulande oft neidisch betrachtet werden. Die Struktur und Entscheidungswege unserer Bundesliga hemmen auch auf anderen Gebieten die Weiterentwicklung. Sei es bei der notwendigen technischen Unterstützung der Schiedsrichter oder in der TV-Vermarktung. Exklusives Pay-TV muss in Sachen Spitzen-Fußball endlich als selbstverständlich angesehen werden. Einerseits wollen wir international mithalten, die Strukturen sollen sich aber nicht an die Standards in anderen Ländern anpassen! Dass wir jetzt schon sportlich hinterherlaufen, hat sich in der letzten Europapokal-Saison gezeigt. Die Bayern-Erfolge haben den Blick auf die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga lediglich verzerrt.“

(Felix Magath, Kolumne Express-Köln, 31. August 2015)

HSV muss sich besinnen


Veröffentlicht am 13. April 2015

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„Ich muss nach diesem Wochenende und vor allem nach dem Auftritt [gegen Wolfsburg] sagen: Es fällt mir jetzt auch schwer, zu sehen, wie man noch ans rettende Ufer kommen soll. […] Jetzt zittere ich wie alle HSV-Fans mit dem Verein. […] Ich kann nur sagen, das Spiel war das eines Absteigers. Der VfL Wolfsburg war nicht überragend, sondern der HSV war schwach. Das Publikum ist fantastisch, in so einer Situation noch hinter der Mannschaft zu stehen, hinter dem Verein. Aber von der Mannschaft kam nichts. […] Man muss die Situation intensiver betrachten. Das Problem gibt es ja jetzt nicht seit drei Wochen, oder zwei Spielen, sondern im Grunde haben wir das Problem, dass es diese Saison genauso weitergegangen ist, wie es in der letzten aufgehört hat. Deswegen, glaube ich, dass wenn man Ursachen sucht, die Ursachen darin zu finden sind, dass meiner Meinung nach der Hamburger Sport-Verein bisher so agiert hat, als wäre der Abstieg kein Thema. Wenn man in einer solchen Situation ist wie der HSV, dann muss man alle Kräfte bündeln, dann muss man alles zusammenholen und sich nur für den Kampf gegen den Abstieg wappnen – und nicht Diskussionen anfangen über die neue Saison, über die Zukunft, über die Jugendabteilung oder über die Struktur. Das war ja letztes Jahr das Thema, die Struktur, und was hat’s gebracht? Keinen Unterschied.“

(Felix Magath, NDR Sportclub, 12. April 2015)

Drei Kandidaten für ein Halleluja


Veröffentlicht am 27. März 2015

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Auftakt zum FIFA-Präsidenten-Wahlkampf in Wien

Wenn am 29. Mai in Zürich über die FIFA-Präsidentschaft bis ins Jahr 2019 befunden wird, steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des Weltfußballverbands auf dem Spiel. Der umstrittene Amtsinhaber ist dann exakt 79 Jahre und 80 Tage alt, darf sich gleichwohl berechtigte Hoffnungen darauf machen, dass seinen 17 Dienstjahren an der Spitze weitere vier folgen werden. Mindestens. Denn bei der FIFA erscheint anno 2015 offenbar kein Szenario mehr zu verquer, als dass es nicht doch Mittel und Wege für eine Umsetzung geben würde. Schließlich geht es, das brachte kürzlich erst Wolfgang Bosbach im Gespräch mit Magath & Fußball treffend zum Ausdruck, einzig und allein um das Organisieren von Mehrheiten. Und darin ist Joseph Blatter, das muss man eingestehen, ein Meister seiner Klasse. Gut möglich also, dass der Patriarch des Weltfußballs seinen Kritikern und Gegnern auch über das Frühjahr hinaus die lange Nase dreht. Ein fünfter Blatter-Zyklus aber würde nicht nur die Chance einer Weltmeisterschaft auf Grönland oder den Philippinischen Inseln dramatisch in die Höhe schrauben, er würde wohl vor allem den ohnehin schon ramponierten Ruf der FIFA und damit einhergehend die Reputation des Fußballs in der Welt endgültig und nachhaltig beschädigen. Doch wer bitteschön sollte sich dem entgegenstellen? Der UEFA-Kongress in der Wiener Messehalle D lieferte zumindest erste Antworten auf diese entscheidendste aller Fragen. Weiterlesen

Dominanz in Ligue 1


Veröffentlicht am 9. Oktober 2014

Marcelo Bielsa haucht Olympique Marseille neues Leben ein – Favoriten hinken hinterher

Wie einst Winston Churchill im Krieg, vermittelt auch Marcelo Bielsa in seinem Schaffen den respektheischenden Eindruck, er lebe wie drei Personen, die sich den Tag untereinander aufteilen, um das Pensum an Arbeit zu bewältigen. Mit Akribie und Besessenheit übt der Argentinier den Trainerberuf aus. Seine Arbeit hat ihm kollegiale Anerkennung auf dem Fußball-Globus eingebracht. Von Óscar Tabárez und Diego Simeone über Pep Guardiola und Felix Magath bis zu Carlo Ancelotti und Vicente del Bosque reicht das Spektrum der Wertschätzung. Für Guardiola „der beste Trainer der Welt“. Ob bei den Newell’s Old Boys in Argentinien, der Nationalmannschaft seiner Heimat und der von Chile oder dem baskischen Club Athletic Bilbao, überall sind sich Fußballliebhaber einig, mit Marcelo Bielsa hat ein außergewöhnlicher Fußballlehrer dem Sport gedient und seine charismatichen Spuren hinterlassen. Weiterlesen