Schlagwort-Archive: Südafrika

Elfmeterheld mit Wadenkrämpfen


Veröffentlicht am 11. Februar 2015

imago18923471m_c

Elfenbeinküste gewinnt hochdramatisches Finale gegen Ghana und ist zum zweiten Mal nach 1992 Afrikameister

Bewegende Bilder aus Bata gingen am Sonntagabend um die Welt. In der Hauptstadt der zu Äquatorialguinea gehörenden Festlandsregion Mbini und der Provinz Litoral standen sich im Finale des Afrika-Cups die beiden großen Turnierfavoriten gegenüber. Sowohl die Elfenbeinküste als auch Ghana hatten sich durch klare Halbfinalsiege in überzeugender Manier für das Endspiel im 35.700 Zuschauer fassenden, größten Stadion des Landes, dem Estadio de Bata, qualifiziert. Obgleich weder reguläre Spielzeit noch Verlängerung reichhaltige Kost für Fußball-Feinschmecker boten, wurde es ein Finale der besonderen Sorte mit Hang zur Legendenbildung. Das in jeder Hinsicht spektakuläre Elfmeterschießen entschädigte für alles, sorgte für Tränen der Freude aufseiten der Elefanten und für verzweifelte Trauer bei den Black Stars. Der Afrika-Cup 2015 in Äquatorialguinea lieferte einmal mehr die komplette Bandbreite: Ein besonderes Fußballspektakel auf dem Schwarzen Kontinent ohne Frage, dessen sportlicher Wert in der Nachbetrachtung allerdings von den Gebaren des afrikanischen Verbands, wunderlichen Schiedsrichterentscheidungen und dem Gewaltausbruch einheimischer Fußballfans in Malabo überschattet wird. Weiterlesen

Eine Tragödie von vielen


Veröffentlicht am 27. Oktober 2014

Senzo Meyiwa: * 24. September 1987 in Durban, † 26. Oktober 2014 in Vosloorus.

Senzo Meyiwa: * 24. September 1987 in Durban, † 26. Oktober 2014 in Vosloorus.

Verbrechen machen vor der Sportwelt nicht halt

Bewaffnete Raubmörder haben in der Nähe von Johannesburg/Südafrika den 27-jährigen Senzo Meyiwa hingerichtet. Anders kann man den Mord wegen eines Mobiltelefons wohl nicht nennen. Weil Meyiwa sich der gewaltsamen Drohung nicht beugte und die Herausgabe seines Handys verweigerte, wurde er niedergeschossen. Die Verletzungen erwiesen sich als tödlich, auf dem Weg ins Krankenhaus verlor er sein Leben. Die Meldung wäre weder in die Fußballwelt noch zu den Menschen außerhalb Südafrikas vorgedrungen, wenn es sich bei Senzo Meyiwa nicht um den Torwart und Kapitän der Südafrikanischen Fußballnationalmannschaft gehandelt hätte. Er ist Opfer und Zahl in einer unfassbaren Kette von Gewaltverbrechen, die den Alltag in Südafrika bestimmen und die Menschen dort heimsuchen. Laut südafrikanischer Polizeistatistik findet im Land alle drei Minuten ein Einbruch, alle fünf Minuten ein Überfall und etwa alle 30 Minuten ein Mord statt. Eine tägliche Zahl von um die 50 Mordopfer lässt die Menschen in ihrem Grauen abstumpfen. Die Ermordung von Senzo Meyiwa sorgt einen Tag für Schlagzeilen und Aufmerksamkeit, den Fortgang der Gewalt wird sie leider nicht stoppen. Beileid und Mitgefühl gilt der Familie, den Angehörigen und Freunden von Senzo Meyiwa.

Redaktion Magath & Fußball

Kein gewöhnlicher Montag


Veröffentlicht am 16. Juni 2014

imago06176101m_c

In diesen Tagen, an denen sich aus Fußballleidenschaft eine Fluchtfunktion vor Alltag und Routine entwickelt, wirft das runde Ding wieder seine alte Verzauberungskraft in die Waagschale. Nur wenige Massenspektakel der positiven Art kommen dem gleich. Und wir wehren uns gering, sich davontragen lassen, den Sommer mit der Leidenschaft Fußball einzuläuten, wer gibt sich solcher Art Versuchung nicht gerne hin? Ein Turnier dieser Wucht hat ja immer drei Fixpunkte, den Tag der Eröffnung, das von allen ersehnte Finale und wenn dazwischen endlich die eigene Mannschaft ins volle Geschehen greift. Der Tag ist nun gekommen, die Voraussetzungen sind perfekt. Dazu Felix Magath: „Joachim Löw kann auf den qualitativ besten Kader zählen, mit dem jemals ein Bundestrainer bei einer Weltmeisterschaft antreten durfte. Alle Mannschaftsteile sind inzwischen mit erfahrenen Profis internationaler Klasse besetzt. Das spricht für eine stabile Qualität auf höchstem Niveau.“

Ein milder Sommerabend steht ins Haus. Die Plätze, Straßen und Tische sind bereitet. Das Land ist für ein außergewöhnliches Massenerlebnis gerüstet. Was 2006 heimisches wie gigantisches Sommermärchen, funktionierte bei wiederum gleißender Hitze auch in 2010, vom fernen Südafrika schwappte die Stimmung über einen Kontinent und brach sich in Deutschland die freudige Bahn. Public Viewing das neue Zauberwort. Von Fußballexperten und sachkundigen Zuschauern über eventverliebte Frauen und Männer bis zu stimmungskreischenden Teenagern, alles war auf den Beinen. Jung und Alt klopfte sich die Schulter oder fiel um verfügbare Hälse, eine friedliche Masse flatterte emotional aufgeladen wie vergnügungssüchtig über Straßen, Plätze und Wiesen. Eine Fanfamilie auf Zeit ward geboren. Ein wochenlanger Freudentaumel bestimmte den nationalen Herzschlag, dann kamen die Spanier wie einst die Italiener. Halbfinale hieß die jeweilige Endstation. Nun also auf ein Neues. Elf Deutsche in Brasilien können erneut die Steilvorlage für ein Land im stimmungstechnischen Ausnahmezustand liefern. Es ist angerichtet.

WM | 16. Juni 2014 | 18.00 Uhr MEZ: Deutschland – Portugal  (Arena Fontana Nova, Salvador, Brasilien)

Redaktion Magath & Fußball