Schlagwort-Archive: Tage

Hommage an das königliche Spiel


Veröffentlicht am 22. Dezember 2015

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„Schachnovelle“ fasziniert bis heute ihre Leser

Kurz vor dem Wunschzettelfinale. Falls noch dringlich ein Geschenk vonnöten, ein mittlerweile in die Jahre gekommenes Buch erfreut zu jeder Weihnachtszeit Verstandesmenschen und erfüllt bis heute das Wort Gabentisch mit Lebendigkeit. Geschrieben hat es ein großer Autor deutscher Sprache. Stefan Zweig war ein Gigant der Literatur, ein großer Humanist und nebenher ein sehr mäßiger Hobby-Schachspieler. Der 1942 im brasilianischen Petrópolis – seiner letzten Exilstation – aus dem Leben geschiedene österreichische Autor, erschöpft von der andauernden Flucht vor der Nazityrannei, hinterließ der Welt die bedeutendste Verarbeitung des Themas Schach in der Kunst. Ein begeisterter Laie brachte zu Papier, was Schachgroßmeister und Koryphäen der 64 Felder so niemals in Worte kleiden könnten. Dieser Mann des Wortes konnte mit der Macht der Sprache alles einfangen, was sein geistiges Auge erfasste. Das Spiel Schach wurde ihm in seiner berühmtesten Novelle zur Basis für ein menschliches und zeitgeschichtliches Drama. Dabei gelang ihm eine lesenswerte Würdigung der rätselhaften Faszination des Schachspiels, die ihresgleichen bis heute sucht. Weiterlesen

Helenio Herrera über den Trainerberuf


Veröffentlicht am 25. September 2015

„Man hat mich bezichtigt, tyrannisch und vollkommen unbarmherzig mit meinen Spielern umzugehen. Aber ich habe eigentlich nur Dinge eingeführt, die später alle Vereine übernahmen: harte Arbeit, Perfektionismus, Krafttraining, Ernährungspläne und drei Tage der Konzentration vor jedem Spiel.“

(„Revolution auf dem Rasen“, Jonathan Wilson, Orion Books, London 2008)

Poesie, Fußball und Katalonien


Veröffentlicht am 26. Juli 2015

Beharrlich kämpft Pep Guardiola für die Unabhänigkeit Kataloniens

Die Freundschaft mit dem katalanischen Lyriker Miquel Martí i Pol war dem Fußballer Pep Guardiola einst so wichtig wie der Teamgeist des FC Barcelona und sein fußballerischer Ziehvater Johan Cruyff. In freimütiger Selbstbekundung gestand der Bayern-Coach kürzlich die lebenslange Zuneigung zur Poesie des 2003 verstorbenen Freundes. Für Guardiola zeichnen Fußball und literarische Texte einen Anfang und eine Idee gemeinsam, welche man verwirklichen möchte. Wenn der Multimillionär allerdings rührig wie fasziniert über die „Kunst der Armen“ fabuliert bleibt doch ein Stück weit fader Beigeschmack. Die Inspiration der Poesie begleitet Guardiola jedenfalls durch Leben und Beruf. Neben Lyrik und dem Fußball ist Guardiola aber vor allem ein katalanischer Bürger voller National- und Heimatstolz. Noch kann das Netz den Menschen nicht bis in die letzten Winkel ihrer Herzen schauen. In dem von Pep Guardiola könnte man dann durchaus eine Landkarte von Katalonien finden die ihm offenbar Pulsgeber durch sein Leben ist. Egal was Guardiola tut und wo er arbeitet, seine Heimat hat er stets im Visier und er gehört nicht zu den Dachstubengenies die zu allem eine Meinung haben aber dabei gern die vorgehaltene Hand der Flüsterer bevorzugen. Weiterlesen

Schlusslichter


Veröffentlicht am 17. Oktober 2014

Tabellenletzte in Europas Top-Ligen vor harten Zeiten

Bundesliga – Platz 18 – Werder Bremen – 7 Spiele – 10:16 Tore – 4 Punkte
Primera División – Platz 20 – Deportivo La Coruña – 7 Spiele – 8:19 Tore – 4 Punkte
Premier League – Platz 20 – Queens Park Rangers – 7 Spiele – 4:15 Tore – 4 Punkte
Serie A – Platz 20 – Sassuolo Calcio – 6 Spiele – 3:12 Tore – 3 Punkte

Drama soll stets hohe Kunst sein. Die Rote Laterne im Fußball verheißt Unbill und läßt das Wort Abstieg in den Ohren klingen. Noch ist diese Phase nicht völlig über die Tabellenletzten des europäischen Clubfußballs gekommen, aber die Wolken einer Mangelsaison schieben sich deutlich vor die Hoffnung auf bessere Tage. Von Spielkunst wenig, von Dramatik viel, diese Letzten werden sicher nicht mehr die Ersten sein. Keines der Schlusslichter ist bisher völlig verloren, Chancen auf Besserung durch die Anzahl der Spiele noch ausreichend vorhanden. Beim Bundesligaschlusslicht in Bremen hat der tabellarische Istzustand den Herbst des Patriarchen eingeläutet und offensichtlich Marco Bode in die Startlöcher geholfen. Ein Bode macht noch keinen Sommer aber vielleicht etwas Wind in Sachen Wiederbelebung. Eine Finanzspritze von Vermarkter Infront soll eine weitere Blutauffrischung bedeuten. Den Werder-Fans wird jeder Impuls willkommen sein um wieder etwas Mut zu fassen. Aus den bisherigen Auftritten ihrer sieglosen Truppe lässt sich dagegen wenig Optimismus ableiten. Die anstehende Partie bei den Bayern ist sicher keine Treppe zum Aufstieg aus dem Keller. Der letzte Platz könnte sich verfestigen. Ähnlich das Bild in der Premier League, auch dort ein Traditionsverein auf dem letzten Absatz. Weiterlesen

Auftritt Titelverteidiger – ein wahrer Monarch


Veröffentlicht am 7. Juni 2014

Seit 2011 darf er sich Marqués nennen. Gebrauch macht er davon nicht. Bei Anhäufung von Ehre verweist der Geachtete auf eine Lebensmaxime, man solle sich selbst bitte nicht zu wichtig nehmen. Spaniens König Juan Carlos hat dem Bescheidenen – der im Beruf der erfolgreichste spanische Fußballtrainer aller Zeiten – diesen Adelstitel verliehen. Juan Carlos dankt nun ab, der Thron geht an seinen Sohn. Die Spanier sind nicht mehr glücklich mit ihrer Monarchie und ihren Monarchen. Wenn sie die Wahl hätten würden sie nur einen König akzeptieren, den Marqués. Diesen wohl mit einem Abstimmungsergebnis nahe 100 Prozent: Vicente del Bosque González, Marqués de Del Bosque. Weiterlesen

Nach erstem Training im Motspur Park


Veröffentlicht am 17. Februar 2014

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„Ich habe jetzt nur Zeit, um mit den Spielern zu arbeiten und bereite das Team für das wichtige Spiel am kommenden Samstag vor. Über alle anderen Dinge werden wir danach reden. Ich bin sicher, ich kann Fulham in der Premier League halten, weil ich in Deutschland so komplizierte Dinge auch schon erlebt und Clubs in einer ähnlichen Situation gerettet habe. Ich bin sehr zuversichtlich, es hier in England mit Fulham auch zu schaffen. Ich denke, zwölf Spiele sind genug, um uns in der Premier League zu halten. Wir brauchen Vertrauen und wir brauchen Teamgeist. Wir werden nächsten Samstag bei West Bromwich loslegen. Wenn die Fans uns zu 100 Prozent unterstützen und die Spieler 100 Prozent in den nächsten Tagen geben, bin ich sicher, dass wir das Potenzial haben, um den Abstieg zu vermeiden. Ich denke, dass wir eine Mannschaft sind, die mehr Potenzial hat, als wir bisher gezeigt haben. Ich hoffe, unsere Fans werden uns im Spiel am kommenden Wochenende gegen West Bromwich unterstützen und wir können es besser machen als in unseren letzten Spielen.“

(Felix Magath, Fulham TV, 16. Februar 2014)

Mitten ins Herz


Veröffentlicht am 18. Oktober 2013

WDR-Dokumentation nähert sich der Dortmunder „Gelben Wand“

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Der moderne Sportreporter – zumal Fußballberichterstatter – krampft sich gern lautstark zu überbordenden Gigantenausdrücken, möchte damit Emotionen vermitteln, seine Sicht auf Dinge und Atmosphäre rüberbringen. Mit den ihm zu Gebote stehenden sprachlichen Mitteln landet er dann allzu bald im kollektiven Branchensatz: „Die Stimmung ist unbeschreiblich.“ Was soll uns das nun aber sagen? Liegt darin nicht der Beruf des Reporters, ist es nicht seine Aufgabe, uns eben genau diese Stimmung zu beschreiben? Wenn sich ein dem Journalismus verpflichteter Autor dieser Stimmung im Stadion annimmt, dann kann etwas Großartiges entstehen. Der WDR-Redakteur Klaus Martens hat den Beweis angetreten, trifft ins Herz. Mit der WDR-Produktion „Wir die Wand“ hat er ein dokumentarisches Licht auf den Fußballzirkus geworfen, diesen hautnah im Kreis von Fans erlebt und beleuchtet. Als Platz seiner Dokumentation wählte er einen der heißesten Orte des Fußballs, die legendäre „Gelbe Wand“, die Stehplatztribüne „Südkurve“ von Borussia Dortmund. Weiterlesen