Schlagwort-Archive: Temperament

Unantastbar!


Veröffentlicht am 29. Mai 2015

FIFA Mehrheit wählt den moralischen Niedergang

Der Herbst des Patriarchen endet nicht. Diese neueste Krönung des Sepp Blatter ist eine weitere Ohrfeige für den Fußball und seine Fans. Der Usurpator siegt nach Belieben. Blamiert sind vermeintliche Gegner, die das Wort Opposition nicht verdienen. Schon am Vortag machten markige Sprüche Schlagzeilen und blieben ohne jeden Wirkungstreffer. Die UEFA muss sich diesen Blatter-Triumph ankreiden. Große Töne und vielschichtiges Palaver, an deren Ende nicht mal ein starker Gegenkandidat oder ein Boykott der Blatter-Show stand. Am Krönungstag kein kritischer Satz der Europäer, kein flammendes Plädoyer gegen Blatter, man blamierte sich mit peinlichem Schweigen. Zu wenig um einen skrupellosen Machtmenschen zu verdrängen und dessen Stimmblöcke in die Schranken zu weisen. Uneins und ängstlich hüpft die UEFA Familie übers marode Feld. Einen starken europäischen Eindruck machte einzig DFL-Präsident Reinhard Rauball, der Dinge beim Namen nennt ohne sich in blumigen Wortgirlanden zu verlieren. Sein „man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“ wurde gehört aber natürlich nicht beachtet. Weiterlesen

„Beim Fußball kein Sushi, sondern Bratwurst“


Veröffentlicht am 20. Februar 2015

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Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags im Interview

Dieser Mann hat Courage und redet Klartext. Ein Politiker mit Leib und Seele, ein eigenständiger Kopf und Kämpfer in allen Lebenslagen. Wolfgang Bosbach, der einst als Lehrling im Supermarkt begann, das Abitur nachgemacht und Jura studiert hat, ist heute wohl der profilierteste Innenpolitiker der Bundesrepublik Deutschland. Ein Ausnahmepolitiker von Format, wie die Demokratie sie dringend benötigt. Intensiv kümmert sich der CDU-Mann um seinen Wahlkreis und die Anliegen seiner Wähler und Mitbürger. Vom Wahlkreis bis zur großen Bundespolitik legt der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestags ein leidenschaftliches Engagement an den Tag. Trotz schwerster Krankheit bürdet dieser Politiker sich einen 16-Stunden-Tag auf, wirkt dabei so energiegeladen als sei er einem Jungbrunnen entstiegen. Eine empfehlenswerte Biographie über Wolfgang Bosbach, der viele Leser zu wünschen sind, trägt den kämpferischen Titel „JETZT ERST RECHT!“. Der kraftvollen Lebensbejahung von Wolfgang Bosbach muss man großen Respekt zollen. Sein tägliches Arbeitspensum sollte einmal mit dem von Fußballprofis verglichen werden, die es mittlerweile schon als Zumutung empfinden, zweimal am Tag zu trainieren. Seine Familie, Frau und Kinder sowie Eltern sind für Wolfgang Bosbach ein steter Kraftquell, ihnen gehört seine ganze Liebe. Neben dieser Liebe gibt es für den Vollblutpolitiker natürlich den Karneval und eine lebenslange aktive Sportbegeisterung, hier sind besonders Tennis und Fußball genannt. Die ewige Treue zu seinem 1. FC Köln, in dessen Beirat wie in der AG Fankultur er mitwirkt, gehört zu den Selbstverständlichkeiten im Leben des Wolfgang Bosbach. Die Redaktion Magath & Fußball erlebte einen sach- und fachkundigen Fußballexperten, der über seinen Verein und die große Leidenschaft Fußball sprach. Im Interview kann man seine Sichtweise auf die Stadionatmosphäre zwischen Opernpublikum und Hardcore-Fans erfahren, wie auch von seiner Sympathie für Kölns Trainer Peter Stöger. An so manch denkwürdiger Begegnung auf dem Fußballplatz lässt Wolfgang Bosbach den Leser teilhaben, gibt freimütig Einblick in eigene Trainingserfahrungen und nimmt in Sachen FIFA selbstverständlich kein Blatt vor den Mund. Temperamentvoll lässt Wolfgang Bosbach auch ein Tennismatch mit eigener Beteiligung erneut aufleben. Weiterlesen

Auf den Gabentisch – Weihnachtsempfehlung I


Veröffentlicht am 14. Dezember 2014

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Berliner Fußballplätze und Stadien

Fußball einmal anders. Aber pur und mit Genuss. Arm und sexy bezeichnete ein Berliner Bürgermeister seine Stadt. Er vergaß dabei etwas fundamentales, Berlin war stets sportlich, immer fußballverrückt und ständig in Bewegung. „Der Berliner hat keine Zeit. Er hat immer etwas vor, er telefoniert und verabredet sich, kommt abgehetzt zu einer Verabredung und etwas zu spät – und hat sehr viel zu tun“, so einst Kurt Tucholsky, Berlins großer Journalist in einem seiner unvergessenen Wortgebilde über Deutschlands Hauptstadt. Wenn Tucholsky zum Buch griff, übertitelte er seine Rezensionen „Auf dem Nachttisch“. Diese Weihnachtsempfehlung unserer Redaktion hätte er dort sicher gern platziert. Ein engagiertes und kundiges Autorenteam hat im Verlag „edition else“ unter dem Titel „Rasen der Leidenschaften“ den Fußball Berlins anhand der Geschichte seiner Stadien und Fußballplätze eingefangen. Über ein Jahrhundert Berliner Fußballgeschichte wurden sachkundig dokumentiert, Freud und Leid einer Großstadt und seiner Menschen spiegeln sich in den Porträts der Fußballorte. Denoch ist dieses Buch kein lokal begrenztes Kompendium der Berliner Fußballbiographie, sondern vielmehr ein beeindruckendes Zeugnis deutscher und europäischer Fußballkultur. Dieses Buch kommt trotz historischer Last nie angestaubt oder antiquiert daher, es prickelt frisch und hebt den Blick erhellend, erzählt auch vom vibrierenden Temperament der Stadt Berlin und lädt zum sofortigen Spaziergang durch die Metropole an der Spree ein. Damit auch ein kommunikatives wie familienfreundliches Buch. Weiterlesen

Wenn die Söhne mit dem Vater


Veröffentlicht am 29. November 2014

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Zinédine Zidane und sein persönliches Fußballquartett

Im Meer der Nachrichtensaat des Weltfußballs nur ein kleines Korn, aber aus was für einem Speicher! Enzo Fernández, mit vollem Namen Enzo Alan Zidane Fernández, wurde am 16. November 2014 beim 2:1-Sieg von Real Madrid Castilla im Ligaspiel gegen UB Conquense in den Schlussminuten eingewechselt und gab damit im Alter von 19 Jahren sein Punktspieldebüt bei den Madrilenen. Sein Trainer ist ein Mann mit einem der größten Namen des Weltfußball und im Hauptberuf auch noch der Vater von Enzo, kein geringerer als Zinédine Zidane. Real Madrid Castilla ist die Talentschmiede und zweite Mannschaft des spanischen Fußballclubs Real Madrid, die dem eigenen Nachwuchs als Anlaufstätte zum ersten Team dient. Man spielt gegenwärtig in der dritthöchsten Spielklasse des spanischen Fußballs, der Segunda División B. Seit Saisonbeginn 2014/15 ist Vater Zidane dort Cheftrainer. Die „10“ im Team trägt Enzo, eine Nummer, die dem Vater durchaus bekannt sein sollte. Weiterlesen

Hans „Joan“ Gamper – Vater des FC Barcelona


Veröffentlicht am 23. Januar 2014

Ein Mann aus Winterthur beschenkte Katalonien

Joan Gamper an seinem Schreibtisch – eine historische Nachbildung des Gründungsmitglieds im Museum des FC Barcelona.

Joan Gamper an seinem Schreibtisch – eine historische Nachbildung des Gründungsmitglieds im Museum des FC Barcelona.

„Wer hat’s erfunden? Die Schweizer!“ Wer kennt ihn nicht, den Werbeslogan eines Pastillenherstellers. In Barcelona braucht man witterungsbedingt wenig Halsbonbons, ein Eidgenosse hat dort aber einen besonders guten Ruf, er erfand den Katalanen ihren FC Barcelona: Hans „Joan“ Gamper. Der lebenskluge Gamper war, was es angeblich nicht gibt, eine Art „eierlegende Wollmilchsau“. Wenige Dinge, in denen dieser Mann nicht zu Hause, wenige Hürden die ihn schreckten. Sieht man heute seine Silhouette im Vereinsmuseum des FC Barcelona, gleicht diese Peter Ustinov in dessen Paraderolle von Agatha Christies Superdetektiv Hercule Poirot. Gezwirbelter Schnurrbart und stilvoller Kneifer, Gamper scheint dem Großschauspieler wie aus dem Gesicht geschnitten. Weiterlesen