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Big Sam


Veröffentlicht am 17. Oktober 2015

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Solides Handwerk in Zeiten großer Töne

Zwei Trainer, zwei Welten. Während aus Liverpool die Halleluja-Klänge das ganze Königreich und gleich noch den Kontinent überschwemmten, drang aus Sunderland eher ein dumpfer Hammerschlag der Ernüchterung in die englische Fußballwelt. Der FC Liverpool hofft vom neuen Messias den Flug zu den Sternen, also Titel. Der AFC Sunderland wünscht sich von Sam Allardyce die Rettung vorm Abstieg. Ist der Stuttgarter Jürgen Klopp etwas für das glanzvolle Parkett einer neuen Fußballwelt, steht der Mann aus Dudley für den Job an der Ruderpinne der Galeere Fußball. Während Klopp von eigener Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme redet, wuchtet sich der von Freund und Feind oft als Big Sam titulierte Allardyce wie ein Schwergewichtsboxer auf den Stuhl. Falls Jürgen Klopp die Nouvelle Cuisine der Premier League darstellen soll, so ist Sam Allardyce längst deren Eintopf, solide bis auf den letzten Knochen. Allardyce hat alles durch im englischen Fußball, sofern es sich um dessen tabellarische wie spielerische Niederungen handelt. Als Kicker war Allardyce ein kantiger Abwehrspieler, eher robust als technisch beschlagen, in Bolton bei den Wanderers lief er von 1973 bis 1980 mit Schnauzer und breiter Brust in 184 Spielen auf, schoss als Defensivmann sogar 21 Tore. Sein größter Triumph als Spieler war der Aufstieg von der zweiten in die erste englische Fußballliga. Weiterlesen

Magath und die Heimatstadt


Veröffentlicht am 17. März 2015

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Herr Magath, wie lange ist denn Ihr letztes Bier im Schlappeseppel her?
Felix Magath: Das ist leider schon zu lange her. Weil der Schlappeseppel immer so voll ist. Aber wenn die sich mal überlegen, in München einen Laden aufzumachen, dann wäre ich da sicherlich Stammgast.

Es ist in letzter Zeit ruhiger um Sie geworden. Was machen Sie so?
Magath: Ich bin vielleicht nicht mehr so im Blickpunkt, aber trotzdem noch viel unterwegs. Mal in Berlin und mal in Hamburg, Außerdem habe ich endlich mal ein Privatleben. Unternehme viel mit meiner Frau und meinen Kindern. Langweilig ist mir also noch nicht.

Wie sieht es mit Hobbies bei Ihnen aus? Die meisten Fußballer golfen…
Magath: Ich bin auf jeden Fall kein Golfer. Letztens habe ich mir einen Tennislehrer geleistet, der mir schon viel beigebracht hat und ich bin zufrieden mit meinen Fortschritten. Es wird nicht mehr zum Profi reichen, aber bei den Ü60 greif ich noch mal an. Weiterlesen

Historische Chance vertan


Veröffentlicht am 18. Februar 2014

Gegen 23 Uhr, als alles vorbei war, saß Felix Magath in seinem Hotel, nahm einen Schluck Rotwein und sagte: „Es hätte etwas Gutes entstehen können. Ich gehöre zum HSV wie der HSV zu mir. Aber jetzt ist der Fall für mich erledigt. An diesem Tag hatte er „seinem“ HSV abgesagt, als Retter auf der Trainerbank und als Vorstandsmitglied nach Hamburg zurückzukehren. Mit einem Dilettantismus, der nicht mehr zu überbieten ist, hat der HSV möglicherweise eine historische Chance vertan. Fünf Punkte, die dafür sprechen:

1. Weil sich Vorstand und ein zerrissener Aufsichtsrat nicht auf eine Entlassung des erfolglosen Trainers van Marwijk einigen konnten (obwohl alle die Notwendigkeit erkannt haben), rückt der Abstieg immer näher. Setzt es heute in Braunschweig auch noch die siebte Niederlage in Serie, ist vermutlich schon alles zu spät.

2. Dem Verein fehlt ein Mann, der mit Kompetenz und Autorität die Zügel in die Hand nimmt. Jetzt bleiben die (vor allem sportlich) Ahnungslosen wieder unter sich.

3. Die „Marke HSV“ wird weiter und weiter beschädigt.

4. Die dringend notwendige Strukturreform (HSV plus) erscheint plötzlich fraglicher denn je. Denn was nutzt die schönste Reform, wenn niemand da ist, der sie dann auch mit Leben erfüllt?

5. Die Gräben im Verein, so tief wie der Grand Canyon, sind jetzt kaum noch zuzuschütten. Nun kann man streiten, ob Felix Magath der richtige Mann ist, die Probleme zu lösen (ich glaube ja!). Natürlich darf man auch anderer Meinung sein.

Aber einfach NICHTS tun – das darf man nicht. Die Chaos-Tage von Hamburg haben vor allem eines gezeigt: Letztlich geht es immer nur um persönliche Interessen – und nicht um den HSV!

(Alfred Draxler, BILD Kommentar, 15. Februar 2014)

Was für ein Schotte!


Veröffentlicht am 10. Mai 2013

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Keine Abgesänge. Der Fußball liebt ihn, und er den Fußball. Daran wird sich nichts ändern. Alex Ferguson nimmt Abschied von der Trainerbank, nicht vom Fußball oder vom Leben. Im Trainerolymp muss er nicht um Einlass bitten, er wohnt dort längst. Dieses Leben hat noch tolle Dinge für ihn parat. Die Familie war immer seine feste Burg. Sie werden ihn willkommen heißen. Seine Pferde sind so edel wie seine Weine erlesen, die häusliche Bibliothek so üppig wie sein Wissensdurst groß. Auch bei den Red Devils wird man ihn weiterhin wollen, fragen und begehren. Manchester United ist Alex Ferguson und Alex Ferguson ist Manchester United. Das wird die Zukunft des Clubs nicht lähmen, sondern stärken. Wie er stets auf die Loyalität von Bobby Charlton bauen konnte, wird sich David Moyes auf die unbedingte Loyalität von Sir Alex verlassen können. Als der Meistertrainer des FC Aberdeen sich Richtung Manchester aufmachte, um einen Verein zu übernehmen, der im Mittelmaß versank und nur noch von der eigenen Legende lebte, ahnte niemand was da begann. Er hatte keinen Zauberstab, er wirkte keine Wunder. Er tat was Jungs aus dem rauen Govan gelernt haben, er begann hart zu arbeiten. Heute bestaunt die Fußballwelt den Neuschöpfer von Manchester United und verneigt sich respektvoll vor dessen Lebenswerk. Wenn er am Sonntag das Old Trafford betritt, steht wohl einer der emotionalsten Momente der englischen Fußballgeschichte bevor. Den Schotten wird es freuen. Dann wird er tun, was er immer getan, er wird seinen Job machen. Magnificent dieser Mann. DANKE Fergie.

Redaktion Magath & Fußball