Schlagwort-Archive: Trauer

* 23. Dezember 1918 – † 10. November 2015


Veröffentlicht am 10. November 2015

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Helmut Schmidt.

„Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.“

(Helmut Schmidt, Abschiedsrede im Bundestag am 10. September 1986)

Ein letzter Sturmlauf – ohne Blumen


Veröffentlicht am 30. April 2015

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Jürgen Klopp und der BVB fahren nach Berlin, Wolfsburg beendet furiose Pokalsaison der Arminen

Es war ein in vielerlei Hinsicht denkwürdiges Pokal-Halbfinale im Münchner Nachthimmel. Die Neuauflage des letztjährigen Endspiels zwischen dem Titelverteidiger Bayern München und seinem Herausforderer Borussia Dortmund war wohl das vorerst letzte Aufeinandertreffen beider Clubs mit Beteiligung von Jürgen Klopp, der am Saisonende der Bundesliga aller Voraussicht nach auf unbestimmte Zeit den Rücken kehren wird. Einigermaßen großspurig hatten die Bayern in Person von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in einem seltsamen Anflug von mitfühlender Trauer über den Weggang ihres wohl unerbittlichsten Widersachers des letzten Jahrzehnts angekündigt, Klopp in der Allianz-Arena mit einem großen Strauß Blumen verabschieden zu wollen. Am besten sogar noch vor dem Spiel. Gerade noch rechtzeitig waren passend dazu in den Tagen vor der Begegnung an verschiedenen Stellen Gerüchte gestreut worden, wonach der Name Jürgen Klopp schon immer auf dem Zettel des deutschen Branchenriesen gestanden hätte, dies ungeachtet der mindestens noch bis ins kommende Jahr andauernden Amtszeit von Pep Guardiola womöglich weiterhin tut. Auch ein Bayern-Interesse am offenbar wechselwilligen Dortmunder Spielgestalter İlkay Gündoğan wurde eifrig kolportiert. Das übliche Vorgeplänkel eben, alles nicht wirklich neu. Zunächst aber stand noch einmal der deutsche Clasico an – und tatsächlich schafften es Jürgen Klopp und der BVB, dem großen Favoriten nicht nur ein Bein zu stellen, sondern einmal mehr eine empfindliche Niederlage beizufügen. Blumen freilich sollte es hinterher keine geben. Weiterlesen

Hillsborough-Stadion, Sheffield, 15. April 1989


Veröffentlicht am 15. April 2014

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Fast unbemerkt, sich dann eruptiv ins Bewusstsein brechend, nahm die Katastrophe ihren Lauf, offenbarte am Ende des Tages ihre grausigen Ausmaße. Während des FA Cup Halbfinalspiels am 15. April 1989 zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion in Sheffield fanden 96 Menschen den Tod, hunderte Fans wurden schwer verletzt. Der Tod veränderte schlagartig die Chronik des Ereignisses. Technische Unzulänglichkeiten, menschliches Versagen und Panik im Angesicht des Dramas führten zu einer Verkettung tragischer Umstände, in deren Verlauf viele Menschen, in einem für die Liverpooler Fans vorgesehenen Block, erdrückt und totgetrampelt wurden. Die Abläufe sind hundertfach geschildet, das Unfassbare in Worte gekleidet worden. Im Augenblick des Todes gibt es einen Moment des Innehaltens. Auch mit gedenkender Rückschau sollte kein Lärm verbunden sein. 25 Jahre nach der Katastrophe gebührt ehrendes und mahnendes Gedenken einzig den Opfern und Respekt wie Mitgefühl den Angehörigen, ihnen gehört der Augenblick der Stille.

Die Erschütterung, die von diesem Sterben ausging, hält bis heute an. Diese Toten gehören seither zum Leben in Liverpool und auf ewig zur Fußballfamilie der Reds. Im Erinnern an die Opfer liegt ein Stück Menschlichkeit, sie wurden nie vergessen. Noch lange werden ihre Leben vielerorts spürbar sein und nachwirken. Die Sprache wird immer ein unzulängliches Instrument bleiben, wenn es um die Erinnerung an dieses Ereignis geht. Eindrucksvoll und mit großer Würde gedachten der englische Fußball und seine Protagonisten am vergangenen Spieltag der Toten von Hillsborough, knüpften ein Band der Zusammengehörigkeit von Rasen und Tribüne. Vor Anpfiff jeder Partie, tiefes und spürbares Schweigen in einem ergreifenden Moment völliger Ruhe. Eine Gedenkminute von beeindruckender Schlichtheit und stiller Größe. Auch hier mögen die Worte nun enden und mit einem Satz von Elias Canetti der Toten gedenken:

„Den Tod widerstehen, das heißt: sich erinnern.“

Redaktion Magath & Fußball

Derbyfieber


Veröffentlicht am 3. Juli 2013

Nachbarschaftsduelle – Rivalität auf ewig

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Wahnsinn. Was macht ein Derby aus Menschen? Bürgerliche Existenzen verwandeln sich zu explosiv-emotionalen Wesen, die sich im Zwischenreich von „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“ aufhalten, in den Modus „alles oder nichts“ schalten. Gemütszustand im Dauerfieber. Der Jubel immer etwas lauter, die Tränen stets dicker. Freude hält ewig, Trauer will nicht weichen. Derbyfieber! Übertrieben? Wer jemals Celtic – Rangers, Boca Juniors – River Plate, Schalke – Dortmund oder Lazio – AS Rom in sein Fußballblut gelassen, der wird sagen: weit untertrieben, alles noch viel schlimmer! Das Derby führt direkt ins Herz. Heißblütig geht es her, ob im kühlen Schottland, bei den Gauchos in Argentinien, im bodenständigen Ruhrpott oder in der ewigen Stadt. Bei legendären Derbys geht es nicht nur um Punkte und Siege, sondern oft um mehr. Von Ehre bis Religion ist alles im Spiel, auch gesellschaftliche Gräben tun sich auf. Selbst vor Familien und Freunden machen die Risse keinen Halt. Nachbarn werden zu Hyänen. Weiterlesen