Schlagwort-Archive: Trikot

Zwischen James Bond und Humankapital


Veröffentlicht am 2. November 2015

„Die Stellenbeschreibung eines Trainers bei einem der acht bis zehn großen Fußballclubs der Welt ist ganz simpel. Sie ist fast wie die von 007: Sie müssen eigentlich alles können. Sie müssen mit den Milliardären klarkommen, denen die Clubs gehören, mit den Millionären, die für sie spielen, und mit den Kleinverdienern, die Tickets und Trikots kaufen. Und nebenbei der hungrigen Nachrichtenmaschine rund um den Fußball täglich Stoff liefern. […] So sehr man einen Fußballclub auch zum modernen Unternehmen umbauen kann, es bleibt diese eine Nahtstelle zwischen dem Erfolg im Resultat, zwischen Gewinn und Gewinnen: der Trainer, das eigentliche Humankapital eines Clubs.“

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, „Großes Theater“ von Christian Eichler, 1. November 2015)

Ein Kaiser ohne Kleider


Veröffentlicht am 23. Juni 2014

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Ein großartiger Fußballer für den Olymp der Außergewöhnlichen wird man nicht nur durch gute Spiele und Tore, sondern durch ein Lebenswerk und Turniere, denen man seinen Stempel aufdrückt. Dem Clubfußball hat Cristiano Ronaldo große Spiele beschert, mit seiner Leistung zu Titeln und Erfolgen beigetragen. Im Trikot der Nationalelf bleibt vieles Stückwerk, gelingt wenig, gleicht er einem ewig Unvollendeten. Aus dem Baukasten für phantastische Fußballer hat er einige begnadete Werkzeuge mitbekommen, er wandelt damit nicht auf dem Weg des großen Eusébio, geht eher auf den Pfaden von David Beckham. Verdenken kann man es ihm nicht, Geld und Ruhm sind beachtlicher Treibstoff für ein Leben. Wer würde wohl nicht in den Glitzer dieser Welt greifen, wenn er ihm so üppig geboten? Nun muss auch die größte Werbeikone des Weltfußballs vorzeitig die Heimreise antreten. Das 2:2 von Portugal gegen die USA besiegelte auch sein WM-Schicksal, der fadenscheinige Strohhalm einer Resthoffnung bleibt Illusion. Weiterlesen

The Canaries


Veröffentlicht am 12. April 2014

Jonathan Howson, Ricky van Wolfswinkel und Robert Snodgrass (von links) beim Torjubel.

Jonathan Howson, Ricky van Wolfswinkel und Robert Snodgrass (von links) beim Torjubel.

Fulham FC empfängt Norwich City zum richtungsweisenden Duell

Der Kanarienvogel – Symbol der traditionsreichen Webergilde – ist längst das Maskottchen des Norwich City Football Club. Die ostenglische Stadt Norwich, die sich bis zum heutigen Tag einen wunderbaren Kleinstadtcharakter bewahrt hat und ca. 130.000 Einwohner zählt, ist Heimat der Canaries. In der Stadt befindet sich auch die Spielstätte von Norwich City, das Stadion Carrow Road. Auswärts im klassischen Schwarz-Weiß, kommen die Kanarienvögel aus Norwich im heimischen Stadion grün-gelb daher. The Canaries haben große Tage erlebt. In der frisch eingeführten Premier League, der ersten Saison überhaupt unter diesem Namen, beendete der Norwich City Football Club die Spielzeit 1992/1993 mit einem dritten Platz. Größter Triumph der Vereinsgeschichte – neben dem Gewinn des League Cup in den Jahren 1962 und 1985 – und gleichermaßen Berechtigung für den internationalen UEFA-Cup. In der Saison 1993/1994 schlug man dort Vitesse Arnheim und besiegte eine Runde weiter den FC Bayern München (2:1 und 1:1), erst gegen den späteren Titelträger Inter Mailand war mit zwei 0:1-Niederlagen in Runde drei das Ende des internationalen Abenteuers erreicht. Davor und danach eine wechselvolle Geschichte und Pendeln zwischen erster, zweiter und dritter Liga. Der Verein wurde 1902 gegründet und spielte seit 1908 an der Rosary Road. Das dortige Stadion wurde „Das Nest“ genannt, aus welchem Vögel ja nur ungern fallen. 1935 zog man freiwillig aus und an die Carrol Road. Weiterlesen

Scheinheilig


Veröffentlicht am 2. Dezember 2013

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Mario Götze ließ den Jubel nach seinem Tor bei Borussia Dortmund stecken. Scheinheilig! Irgendjemand hat sich einmal ausgedacht, dass sich Jubel gegen den Ex-Verein nicht gehört. Dabei halten die Spieler wie Götze beim 3:0 der Bayern meist die Hände nach oben, fast entschuldigend. War nicht so gemeint, ich musste das jetzt machen, aber eigentlich hab ich euch alle noch furchtbar lieb. Dabei hat niemand Götze gezwungen, nach München zu gehen, er ist auch nicht zufällig nach einer durchzechten Nacht im roten Trikot aufgewacht. Er ist zum FC Bayern gewechselt, weil er dort mehr verdient und vermutlich noch mehr Titel gewinnen wird als mit Borussia Dortmund.

(FOCUS-ONLINE, 24. November 2013)