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Neben dem Rasen


Veröffentlicht am 22. März 2016

Pfarrer Rainer M. Schießler (links).

Pfarrer Rainer M. Schießler (links).

Entspannung für die Osterzeit – Tipps für den Kopf

Wer der eintönigen Mattigkeit des aktuellen Fußballbetriebes einmal entrinnen möchte, der kann sich an Kultur und Unterhaltung gütlich tun. Ostern bietet Anlass. Neben der Hoffnung auf gutes Wetter besteht die reale Chance mit Buch, Film, TV und Spiel vorzüglich entspannt zu werden. Im Kino läuft „Spotlight“, die reale Geschichte der Redaktion des „Boston Globe“, die mit klassischem Journalismus, zäher Recherche und ohne Furcht vor politischem Druck den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufdeckte. Wer wissen will was eine gute Zeitung von Gazetten unterscheidet und sich an einem phantastischen Darstellerensemble erfreuen möchte, der sollte unbedingt ins Kino. Ein großer Film, der den Vergleich mit den „Unbestechlichen“ nicht scheuen muss und ein schändliches wie unverzeihliches Kapitel der Kirche. Packendes Kino. Ein helles Kapitel von Glauben und Kirche schlägt dagegen der Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler auf. Mitten unter den Menschen versieht er lebensprall seinen Dienst. Ob Trauer oder Freude, ob Altar oder Motorrad, der Mann ist authentisch und eine personifizierte Hoffnung. Wer diesen Zeitgenossen nicht kennt, der hat etwas verpasst. Die Möglichkeit zum Kennenlernen ist nun gegeben. Im Kösel-Verlag kann man unter dem Titel „Himmel, Herrgott, Sakrament“ einen unverstellten Blick in die Ansichten und das große Herz dieses klugen Mannes werfen. Ein Blick der lohnt und bereichert. Weiterlesen

Menschliche Qualitäten und Expertise


Veröffentlicht am 13. Dezember 2014

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Man muss kein Neurowissenschaftler sein, um wirksam etwas im Gehirn verändern zu können. Das tut jeder gute Lehrer, jeder gute Fußballtrainer, jeder Experte, dessen Metier es ist, andere zu beeinflussen. Man muss etwas von den Beeinflussungsmethoden und Übungen verstehen, die in dem spezifischen Bereich besonders wirksam sind. Sicher gibt es auch bereichsübergreifende menschliche Qualitäten, die gute Beeinflusser kennzeichnen, aber menschliche Qualitäten reichen nicht aus, um ein erfolgreicher Fußballtrainer zu sein. Es braucht neben menschlichen Qualitäten in allen Beeinflussungsberufen bereichsspezifische Expertise, um erfolgreich zu sein. Würde es einem Fußballtrainer helfen, noch besser zu werden, wenn er möglichst viel vom Gehirn versteht? Wohl kaum. Man hat nichts davon gehört, dass sich die Fußballtrainer am Ende der Dekade des Gehirns mit einem mal alle auf die Hirnforschung stürzen.

(Prof. Dr. Klaus Grawe, „Neuropsychotherapie“, Hogrefe Verlag, 2004)

Tagebuch und Fußball bis ans Ende


Veröffentlicht am 9. Dezember 2013

Der Autor von „Tschick“ und „Sand“ spielte gerne Fußball

Wolfgang Herrndorf - Schriftsteller

Hobbyfußballer Wolfgang Herrndorf (1965 – 2013) – Schriftsteller, Maler u. Illustrator

Am 8. Oktober 2010 klingt es nach dem alltäglichen Leid eines Spielers: „Fußball in der Halle. Nachdem wochenlang jeder Direktpass von mir beim Gegner landete, geht’s heute wieder”. Sport und Fußball auch im Leben dieses bemerkenswerten Menschen. Im Tagebuch vom 2. Dezember 2011 finden wir „Zwei Tore geschossen, eins mit der Hacke”. Dieses Tagebuch, seit Wochen in aller Munde. Sein Verfasser, der Autor, Maler und Hobbyfußballer Wolfgang Herrndorf, starb durch eigene Hand im August 2013. Am Beginn des Jahres 2010 diagnostizierten die Ärzte bei Herrndorf einen unheilbaren Gehirntumor, die Begrenzung der Lebenszeit wurde mit einem Schlag überschaubar. Der Autor kapitulierte nicht, er stürzte sich in die Arbeit, schrieb weiter, begann auch umgehend ein digitales Tagebuch in Form eines Blogs zu führen, welcher nun als Buch auf dem Markt ist. Und er ging weiter zum Fußball, spielte oft und gern. Am 07. Oktober 2011 heißt es „Vom Verlag zum Fußball gerast und so gut gespielt wie lange nicht“. Das Buch bestimmt in diesen Tagen Feuilleton und Kulturteil von Zeitungen, Magazinen und TV Formaten. Der Buchtitel „Arbeit und Struktur“ ist mit dem Blog gleichen Namens identisch, ein Meisterwerk der Tagebuchliteratur, in dem der Sport seinen Platz hat. Unter dem 19. August 2011 bemerken wir „Fußball, nachdem ich fast verschlafen habe. Läuferisch gut.“ Wer aufmerksam liest, findet eben nicht nur einen großartigen Chronisten seiner selbst und klugen Beobachter unserer Zeit, sondern auch einen Menschen, der gerne Sport trieb, Zeit am Wasser verbrachte und die Natur liebte. Laufen, mit dem Rad fahren, Schwimmen, Volleyball, lange Spaziergänge, Eishockey und vor allem Fußball gehörten zum aktiven Leben, solange es eben ging. Am 27. Dezember 2010 ist zu lesen: „Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt”. Eines darf auf keinen Fall übersehen und vergessen werden, der universelle Künstler Wolfgang Herrndorf war auch Mitglied der Fußballnationalmannschaft der Autoren namens „Autonama“. Diese wurde einst von keinem Geringeren als von Hans Meyer trainiert. Wolfgang Herrndorf wird also nicht nur als großartiger Schriftsteller in Erinnerung bleiben, sondern auch als ein begeisterter und leidenschaftlicher Hobbyfußballer. Es würde ihn freuen. Wie heißt es im Tagebucheintrag vom 14. Mai 2010: „Nach langer Zeit wieder Fußball in der Bergstraße. Wie schon beim letzten Mal kämpfe ich mit der Nostalgie…”

(Zitate: Wolfgang Herrndorf, „Arbeit und Struktur“, Rowohlt-Berlin, Dezember 2013)

Redaktion Magath & Fußball