Schlagwort-Archive: Verteidiger

Intelligenz vs. Werksklubs


Veröffentlicht am 10. August 2015

„Ich jammere nie. Natürlich macht einem Trainer diese Entwicklung Sorgen. Wenn Wolfsburg einen Spieler von uns will, hat es nicht mal Sinn, zu kämpfen. Da verlieren wir nur Zeit. Wir können nur eines tun: uns auf die Zukunft vorbereiten! Wir müssen Spieler wie Dahoud, Schulz oder unseren neuen Verteidiger Christensen und Elvedi so präparieren, dass sie irgendwann Topniveau haben. Ich weiß, dass wir in Gladbach keine andere Wahl haben, und ich freue mich auch auf diese Entwicklungsarbeit. Wenn wir gegen die Werksklubs eine Chance haben wollen, müssen wir sehr intelligent sein.“

(Lucien Favre, Süddeutsche Zeitung, Interview, 8./9. August 2015)

Zuverlässiger „Fußballgott“


Veröffentlicht am 22. Juli 2015

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Borussia Mönchengladbach und Tony Jantschke: Das passt!

Tony Jantschke ist anders als viele seiner Berufskollegen. Gladbachs Nummer 24 zählt nicht zu den schillernden Stars in der Manege, wirkt inmitten einer sämtlichen rationalen und gesunden Verhältnismäßigkeiten entrückten Branche beinahe wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Wie ein archaisches Überbleibsel aus einer Zeit, in der Fußball noch Fußball war und es weniger auf eine marktgerechte Inszenierung des Schauspiels, als auf die nüchterne, sportliche Leistungsfähigkeit ankam. Jantschke ist weder Selbstdarsteller noch Lautsprecher, wirkt wesentlich älter, reifer als jene 25 Jahre, die sein Spielerpass ausweist. Auf Auswärtsreisen spielt er lieber Skat oder Doppelkopf, wenn die meisten Teamkollegen den DVD-Player oder das iPad vorziehen. Im Großen und Ganzen ist er einfach er selbst, weiß was er kann und ist damit bislang außerordentlich gut gefahren. Jantschke muss niemandem mehr etwas beweisen, hat sich dennoch in seinem öffentlichen Auftreten stets eine angenehme Bodenständigkeit bewahrt. Freilich hat auch der gebürtig aus Hoyerswerda im sächsischen Landkreis Bautzen stammende Defensivspezialist gelernt, mit der Zeit zu leben, besitzt inzwischen natürlich einen Twitter-Account, pflegt sein eigenes Facebook-Profil. Das alles aber wirkt bei ihm echt und weniger künstlich – wie seine Verbundenheit zur Borussia aus Mönchengladbach. So etwas kommt an bei den Fans, erst recht am Niederrhein, wo sich Tony Jantschke bei der aufstrebenden Fohlenelf auch dank Lucien Favre zum unverzichtbaren Leistungsträger und Anführer entwickelt hat. Weiterlesen

Alte Dame zieht allen davon


Veröffentlicht am 2. Mai 2015

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Unangefochten holt Juventus Turin seinen 31. Meistertitel

Ab dem vierten Spieltag auf Platz eins waren die Zeichen früh auf Titel angelegt, wie in Deutschland die Meisterschaft eine Ein-Club-Veranstaltung. Der Scudetto ging heute mit einem 1:0-Auswärtssieg bei Sampdoria Genua an Italiens Vorzeigeclub Juventus Turin. Die Turiner in den Händen des Fiat-Konzerns haben weiterhin die gewichtige Unterstützung ihrer Besitzer, der Agnelli-Familie. Damit verfügt man über materielle Möglichkeiten, denen in Italien kein anderer Club folgen kann und in dessen Ergebnis ein Kader entstanden, der den Mitbewerbern deutlich überlegen. Dieser 31. Titel wurde nun im ligurischen Genua final eingetütet. Diesem Höhenflug können auch die Edelclubs aus Mailand nicht folgen, Inter wie der AC landen in der laufenden Saison abgeschlagen im Mittelfeld. Juventus Turin das Maß aller italienischen Fußballdinge, die momentane Leistungsstärke spiegelt sich auch im Erreichen des Champions League Halbfinales wieder. Alles klingt rosig, wird aber von den Schattenseiten der italienischen Fußballlandschaft verdunkelt. Weiterlesen

Robustheit auf dem Rückzug


Veröffentlicht am 29. März 2015

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„Ein anständiges Tackling gehörte lange zum Repertoire jedes Defensivkünstlers. Es kann, formvollendet ausgeführt, ebenso viel Beifall bringen wie ein Pass in die Tiefe oder ein Hackentrick. Doch die Grätsche ist bedroht. Ein zweiter Grund für das Grätschensterben sind die Regeln. Laut FIFA sollen Spieler bestraft werden, wenn sie mit ‚überzogener Härte‘ grätschen, selbst wenn sie den Ball spielen und ihren Gegenspieler nicht einmal berühren. Tacklings von hinten werden mittlerweile automatisch mit Platzverweisen geahndet. Verständlich, weil diese Attacken gesundheitsgefährdend sind. Doch was ist mit dem Tackling von der Seite oder von vorne, mit ritterlich offenem Visier? Die Firma Impire wertet seit mehreren Jahren Statistiken zu Fußballspielen aus. Gab es 1998 in der Bundesliga noch 1.043 sogenannte Grätschenfouls, sank die Zahl seitdem kontinuierlich. Im Jahr 2012 wurden nur noch 367 gezählt. Es ist damit zu rechnen, dass die FIFA die Regeln weiter verschärft. Sie schützt damit die Offensiven, die Künstler. Keinesfalls aber aus Gutmenschentum, sondern vor allem des schnöden Mammons wegen. Die Offensivspieler sind es, die für Tore und Schlagzeilen sorgen. Sie bringen dem Fußball die Milliarden. Ein grätschender Verteidiger lässt sich nicht gut verkaufen.“

(Die Zeit, „Das Ende der Blutgrätsche“, Auszug, 14. Februar 2013)

Ach was!


Veröffentlicht am 13. Februar 2014

Vico von Bülow machte sich auch über den Fußball Gedanken

„Schon vor Hunderttausenden von Jahren hatte der Mensch Freude daran, Gegenstände mit Fußtritten in rasche Bewegung zu versetzen. Allerdings ging man seinerzeit noch auf allen vieren, so dass ein Schuss aufs Tor sich meist schon in den eigenen Vorderbeinen verfing. Da begriff der Mensch, er müsse sich, wenn er erfolgreich Fußball spielen wollte, in den aufrechten Gang erheben. Und diese Erkenntnis führte, wie wir wissen, zu Tempo und Eleganz des Fußballspiels und damit auf den Weg in die Zivilisation. Politiker, Wissenschaftler und Kulturschaffende folgten Jahrtausende später. Leider gewöhnen sich seither viele Menschen an den aufrechten Gang, die gar nicht vorhaben, Fußball zu spielen. Als Erste empfanden sportinteressierte Studenten die Leistung ihrer Mittelfinger als unbefriedigend und wandten sich einem damals hier zu Lande noch weithin unbekannten Rasenspiel zu, dem Fußball, einem Spiel, bei dem der Mittelfinger nie oder nur in kritischen Situationen zum Einsatz kommt. Das Spiel stammte, wie die meisten Sportarten, bei denen es gilt, Leib und Leben zu riskieren, aus englischen, für ihre Fairness bekannten Akademikerkreisen. Seither ist es auch bei uns üblich, ein beabsichtigtes Foul dem Gegner anzukündigen mit den Worten: „Gestatten Sie, Sir . . .“ Aber da seit längerem keine Fouls mehr gespielt werden, ist dieser Vorgang kaum noch zu beobachten.“

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Gareth Bale – Vom Verteidger zum Angreifer


Veröffentlicht am 23. Oktober 2013

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Gareth Bale und Harry Redknapp

„In meiner Zeit bei Tottenham habe ich Gareth Bale als ein Ausnahmetalent kennengelernt: stark, schnell und mit einem phantastischen Schuss. Anfangs war es schwer mit ihm. Wir mussten den Kämpfer in ihm wecken. Er schien einfach zu weich für einen Verteidiger. Also haben wir ihn weiter vorne ausprobiert und ihn zum Angreifer umfunktioniert. Er ließ sich im Training bei jeder Berührung fallen und humpelte vom Platz. Die Physiotherapeuten schenkten ihm sofort Aufmerksamkeit. Ich habe denen gesagt sie sollen es lassen. Es funktionierte. Gareth stand auf, machte weiter und wurde besser und besser. Es ging nur darum, sein Selbstvertrauen aufzubauen. Der Plan ging auf. Er hat mich allerdings auch oft verrückt gemacht. Technisch war er überragend, aber zu oft mit seiner Frisur beschäftigt. Ich habe vorausgesagt, er würde unsere Cristiano Ronaldo werden. So ist es gekommen.“

(Harry Redknapp, Manager QPR, Kolumne Daily Mail, 7. Oktober 2013)