Schlagwort-Archive: Wien

Hommage an das königliche Spiel


Veröffentlicht am 22. Dezember 2015

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„Schachnovelle“ fasziniert bis heute ihre Leser

Kurz vor dem Wunschzettelfinale. Falls noch dringlich ein Geschenk vonnöten, ein mittlerweile in die Jahre gekommenes Buch erfreut zu jeder Weihnachtszeit Verstandesmenschen und erfüllt bis heute das Wort Gabentisch mit Lebendigkeit. Geschrieben hat es ein großer Autor deutscher Sprache. Stefan Zweig war ein Gigant der Literatur, ein großer Humanist und nebenher ein sehr mäßiger Hobby-Schachspieler. Der 1942 im brasilianischen Petrópolis – seiner letzten Exilstation – aus dem Leben geschiedene österreichische Autor, erschöpft von der andauernden Flucht vor der Nazityrannei, hinterließ der Welt die bedeutendste Verarbeitung des Themas Schach in der Kunst. Ein begeisterter Laie brachte zu Papier, was Schachgroßmeister und Koryphäen der 64 Felder so niemals in Worte kleiden könnten. Dieser Mann des Wortes konnte mit der Macht der Sprache alles einfangen, was sein geistiges Auge erfasste. Das Spiel Schach wurde ihm in seiner berühmtesten Novelle zur Basis für ein menschliches und zeitgeschichtliches Drama. Dabei gelang ihm eine lesenswerte Würdigung der rätselhaften Faszination des Schachspiels, die ihresgleichen bis heute sucht. Weiterlesen

Drei Kandidaten für ein Halleluja


Veröffentlicht am 27. März 2015

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Auftakt zum FIFA-Präsidenten-Wahlkampf in Wien

Wenn am 29. Mai in Zürich über die FIFA-Präsidentschaft bis ins Jahr 2019 befunden wird, steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des Weltfußballverbands auf dem Spiel. Der umstrittene Amtsinhaber ist dann exakt 79 Jahre und 80 Tage alt, darf sich gleichwohl berechtigte Hoffnungen darauf machen, dass seinen 17 Dienstjahren an der Spitze weitere vier folgen werden. Mindestens. Denn bei der FIFA erscheint anno 2015 offenbar kein Szenario mehr zu verquer, als dass es nicht doch Mittel und Wege für eine Umsetzung geben würde. Schließlich geht es, das brachte kürzlich erst Wolfgang Bosbach im Gespräch mit Magath & Fußball treffend zum Ausdruck, einzig und allein um das Organisieren von Mehrheiten. Und darin ist Joseph Blatter, das muss man eingestehen, ein Meister seiner Klasse. Gut möglich also, dass der Patriarch des Weltfußballs seinen Kritikern und Gegnern auch über das Frühjahr hinaus die lange Nase dreht. Ein fünfter Blatter-Zyklus aber würde nicht nur die Chance einer Weltmeisterschaft auf Grönland oder den Philippinischen Inseln dramatisch in die Höhe schrauben, er würde wohl vor allem den ohnehin schon ramponierten Ruf der FIFA und damit einhergehend die Reputation des Fußballs in der Welt endgültig und nachhaltig beschädigen. Doch wer bitteschön sollte sich dem entgegenstellen? Der UEFA-Kongress in der Wiener Messehalle D lieferte zumindest erste Antworten auf diese entscheidendste aller Fragen. Weiterlesen

Eurosplitter


Veröffentlicht am 9. März 2015

Doppelpacker Harry Kane schraubte sein Torekonto auf 16 Treffer in die Höhe.

Doppelpacker Harry Kane schraubte sein Torekonto auf 16 Treffer in die Höhe.

FA Cup mit Überraschungen und Ausrutscher von Real Madrid

Die Premier League bot am Wochenende nur ein Nachholspiel. Die Tottenham Hotspur gewannen einige Straßenzüge weiter eine Auswärtspartie im Londoner Derby gegen die Queens Park Rangers mit 2:1. Angreifer Harry Kane – die verlässliche Lebensversicherung der Spurs – schlug dabei zweimal zu. QPR auch nach dem Abgang von Harry Redknapp latent im Abstiegskampf. Die Spurs nun harter Konkurrent von Arsenal, Manchester United und Liverpool um die finanzkräftigen Champions League Plätze. Der Rest auf der grünen Insel galt dem FA Cup. Der FC Liverpool trat wieder ohne den am Oberschenkel laborierenden Steven Gerrard an. Eine Art Vorgeschmack auf die Liverpooler Zukunft, man spielte in der Tat irgendwie kopflos. Die Leistung war ernüchternd, Reds-Fans schüttelten früh ihr Haupt. Weiterlesen

Von Wiener zu Wiener – Merkel über Happel


Veröffentlicht am 5. August 2014

Max Merkel - Trainer

Max Merkel

„Den Wert eines Fußballtrainers bestimmen am allerwenigsten die Zensuren auf der Sporthochschule. Der Happel Ernst aus Wien hat nie eine Sporthochschule besucht, denn er besitzt, was den meisten fehlt: ein Fußballhirn. Bei ihm funktioniert die Intuition viel besser als die Definition. Mit diesem Fußballhirn läßt sich nirgendwo ein Doktorhut erwerben. Alle Abermillionen Zellen in diesem Bregen müssen irgendwie auf Fußball und auf Spiel eingestellt sein. Denn beim Pokern oder Roulette siegt der Happel auch wie in Trance. Wenn seine Mannschaft trainiert, neue Spielzüge einübt, dann guckt der Aschyl scheinbar gelangweilt in den Büschen ringsum nach, ob verirrte Bälle herumliegen. Schlaue Spieler denken, jetzt hat er meinen Fehler nicht gesehen. Aber er hat. Happel ist wie der Argentinier Menotti ein Kettenraucher, der mit einem Glimmstengel im Mundwinkel auffordert, die Gefahren des Tabakgenusses zu meiden.“

(Max Merkel, Kolumne Der Spiegel, 14. Juni 1982)

Defensive


Veröffentlicht am 13. März 2014

„Wenn sich ein Trainer beliebt machen will, betont er, dass er auf Angriff setze. Man darf aber auch das Wort Defensive nicht dämonisieren. Ist es etwa ein Verbrechen, auch defensiv stark zu sein? Schließlich geht es für einen Coach auch darum, das Potenzial beim Gegner zu schwächen.“

(Óscar Tabárez, Nationaltrainer Uruguay, Wien im März 2014)

Ernst Happel (II) – Holländische Jahre


Veröffentlicht am 13. August 2013

Ein Wiener zieht in die Welt, um den Fußball zu revolutionieren

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In Zeiten, wo Wohnungssuche und Harndrang von Spielern oder die Flughafenankunft eines Trainers Fußballnachrichten darstellen, ist den Apologeten solcher Meldungen schwer zu vermitteln, wie großartig und erfolgreich ein Trainer vom Qualitätsschlag Ernst Happels auch in unserer Zeit wäre. Aura und Charakter, wenn sie mit Kontur, Ecken und Kanten daherkommen, sind angeblich nicht mehr gefragt. Weit gefehlt! Das Außergewöhnliche im Fußball wird nur von außergewöhnlichen Persönlichkeiten geschaffen und ist auch nach Happel oft von seinem Holz. So Luis Aragonés, der Spaniens Nationalmannschaft aus 40-jähriger Agonie erweckte, so Felix Magath, der aus grauen Mäusen erfolgreiche Meisterwölfe machte und so Otto Rehhagel, der einen Fußballzwerg zum europäischen Thronriesen erhob. Durch die Bank eher kluge Beobachter als denn hyperaktive Dampfplauderer. Kollegen nach Happels Geschmack. Der Welt erfolgreichster Fußballtrainer war einem Happel immer näher als jedem Konzepttrainer, wer den Sir auf der Rennbahn trifft, sollte ihn danach fragen. Weiterlesen

Ernst Happel (I) – Frühe Jahre


Veröffentlicht am 19. April 2013

Die Spielerkarriere des Ernst Happel.

Ernst Happel (links) im Zweikampf mit Ladislav Kačáni. Dieses Vorrundenspiel der WM 1954 gegen die Tschechoslowakei entschieden die Österreicher mit 5:0 für sich. (Foto vom 19. Juni 1954)

Ernst Happel (links) im Zweikampf mit Ladislav Kačáni. Dieses Vorrundenspiel der WM 1954 gegen die Tschechoslowakei entschieden die Österreicher mit 5:0 für sich. (Foto vom 19. Juni 1954)

Die Blechbüchse auf dem Tor. Wurde sie nun mit Lackschuhen in Den Haag oder – 20 Jahre später – mit Fußballschuhen in Hamburg von ihrem Thron geschossen? Wer über Ernst Happel schreibt, kommt an der Happel-Biographie von Klaus Dermutz nicht vorbei. Ein Standardwerk über den Wiener „Wödmasta“, maßstabsetzend für Sportberichterstattung und jedes Menschenporträt. Geschichten, Anekdoten und Details weben sich zu einem phantastischen Gesamtfaden. Dem Autor Dermutz ist im Namen aller Fußballfans und „Happelianer“ herzlich zu danken. Mit seiner Neugier und der Hilfestellung von Happel, löste der österreichische Autor vermeintlich auch die Frage nach der berühmten Cola-Dose (Cola-Flasche?) auf der Torlatte. Um dann schnurstracks, im späteren Interview mit Felix Magath, der Schönheit dieser Geschichte selbst fragend zu erliegen. Autorenschicksal. Den Buchtitel „Genie und Grantler“ hätte Happel sicher mit einem wohlwollenden Zug aus seiner starken Belga bedacht. Weiterlesen