Schlagwort-Archive: WM 2014

Über die Schmerzgrenze


Veröffentlicht am 19. September 2015

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„Das war für mich das erste WM-Finale, mit 29 Jahren, da denke ich nicht darüber nach, ob ich noch kann. Irgendwie haben mich weder die Schmerzen noch die ganzen Fouls beeindruckt. Für mich war da nur dieses Ziel: der Pokal. Manchmal muss man sich in wichtigen Spielen zwingen, nichts mehr zu registrieren. Ich habe den Ellenbogen des Gegenspielers gar nicht in meinem Gesicht wahrgenommen, mir war auch egal, ob der nun Gelb kriegt oder nicht. Obwohl es eigentlich hätte Rot sein müssen. Ich wollte nicht reklamieren. So was hält nur auf. Die Schmerzen kamen dann übrigens umso heftiger am nächsten Morgen.“

(Bastian Schweinsteiger, Interview Die Zeit, 17. September 2015)

Besinnungszeit


Veröffentlicht am 19. November 2014

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Jahresabschluss mit Stil – Neuer Weltmeister schlägt alten Weltmeister

In einem sportlichen Vergleich am Rande der Bedeutungslosigkeit bezwang die DFB-Elf im letzten Länderspiel ihres so erfolgreichen WM-Jahres 2014 den amtierenden Europameister und vormaligen Weltmeister. Ein Prestigesieg gegen den Dauerrivalen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ausgerechnet einer, den sie in Spanien inzwischen so sehr schätzen, machte im Dauerregen von Vigo den Unterschied. Weiterlesen

Keine Revanche


Veröffentlicht am 3. September 2014

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„Es ist eine Art Revanche, ja. Aber wenn wir gewinnen, bringt das auch nichts.“
(Sergio Agüero, kicker Sportmagazin, 1. September 2014)

„Es ist vielleicht so etwas wie ein guter Test vor der EM-Qualifikation, bevor es sozusagen im Alltag wieder richtig zur Sache geht und wir uns dort wieder neu beweisen müssen. Wir wollten einen starken Gegner, das sah unsere Planung vor. Ich glaube, man kann den Leuten das Gefühl des WM-Finales ein bisschen zurückgeben. Aber es hat natürlich nicht diesen Stellenwert. Es gibt keine Revanche für Argentinien, kann es nicht geben, denn der WM-Titel ist wichtiger als alles andere.“
(Joachim Löw, Videointerview ZDFsportonline, 2. September 2014)

„Es ist schon eine Herausforderung, dieses erste Spiel als Trainer – und das gegen den Weltmeister. Das Spiel hat nichts mit dem WM-Finale zu tun. Das Ergebnis können wir nicht wiedergutmachen.“
(Gerardo Martino, Pressekonferenz Düsseldorf, 2. September 2014)

„Ich finde es schade, dass das Spiel jetzt stattfindet. Zum jetzigen Zeitpunkt hat es keine Bedeutung. Dafür sind die Eindrücke aus Brasilien noch zu frisch. […] Vielleicht ist es für die Argentinier eine Motivation, so schnell wieder gegen Deutschland spielen zu können. Sie sind sich immer noch bewusst, dass sie die deutsche Mannschaft hätten besiegen können – ja, vielleicht müssen. Ich war im Stadion und habe es hautnah miterlebt. Die Argentinier werden sich noch jahrelang ärgern, dass sie ihre Chancen nicht genutzt haben. Sie hatten die klareren Möglichkeiten. […] Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass Deutschland beim Abseitstor von Higuain Glück hatte. Auch als Manuel Neuer ihn abgeräumt hat, war es Glück, dass es kein Rot gab.“
(Jens Lehmann, Interview Die Welt, 3. September 2014)

„Deutschland war die konstanteste, reifste Mannschaft. Im Finale hat Argentinien seine beste Turnierleistung gezeigt. Und wenn sie am Anfang das Tor machen, dann holen sie vielleicht den Titel. Aber Deutschland war das beste Team der WM, spielte am besten, am intelligentesten, verstand es, seine Pläne umzusetzen. Sie haben gelernt aus den letzten WM-Turnieren.“
(César Luis Menotti, kicker Sportmagazin, 1. September 2014)

Der Stille und der Mächtige


Veröffentlicht am 9. Juli 2014

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Argentinien oder Holland: Wer wird Finalgegner der Deutschen?

Macht hin oder her, die Großmeister der Zunft sind geprügelt vom Feld, del Bosque, Tabárez und Scolari längst ruhmlos gescheitert. Der kleine Mann aus Buenos Aires kann dagegen den Einzug ins WM-Endspiel erleben, ob nun als Boss, als Geduldeter oder Ohnmächtiger. Die einen fragen, wer Alejandro Sabella wirklich ist, andere ob es ihn überhaupt gibt. Die Neue Zürcher Zeitung nennt ihn „Schattenmann“, unfeinere Blätter „Marionette“ und deutsche Gazetten vergleichen ihn mit Berti Vogts, nichts davon ist schmeichelhaft gemeint. Tritt er nach vorn, spritzen ihm Spieler Wasser ins Gesicht, tritt er nach hinten, fällt er in die eigene Bank. Fettnäpfe scheinen seine Heimat. Auch soll Messi den Kader und das System bestimmen, nicht der Mann an der Seitenlinie. Nichts Genaues weiß man nicht, Spekulation schießen ins Kraut und perlen an Sabella ab. Er gilt zumindest als sehr fürsorglich gegenüber seinen Spielern und Mitarbeitern.

Ohnmacht fällt einem beim Gegenüber nicht ein. Anfechtungen sind Louis van Gaal fremd, sein sprudelnder Kraftquell ist um den Fußballglobus bekannt. Wenn der „Tulpengeneral“ in seine Kladde blickt oder schreibt, ist Epochales in Dingen Fußball zu erwarten, unter dem tut er es nicht. Sein Diktum ist Gesetz, seine Gestik richtungsweisend, das Ego praller als ein Atomsprengkopf, Erfolg pflastert seinen Weg. Ob Charisma über die Fürsorglichkeit siegt oder umgekehrt, wir werden es erleben. Nach Abpfiff kann es nur einen geben.

Redaktion Magath & Fußball

Meister ihrer Zunft


Veröffentlicht am 27. Juni 2014

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Cesare Prandelli legt sein Amt nieder

Er verbucht den spektakulärsten Rücktritt der Vorrunde. Selbst wer seinen Lebenslauf nicht kennt, begreift sofort, was dieser Mann ist, eine echte Persönlichkeit. Ein Mensch und Fußballtrainer mit Würde, Kanten, Facetten und Klugheit, dessen Lebensblick weit über das Planquadrat Rasen hinausgeht, der Mitgefühl entwickeln kann, wo andere nur in Siegerposen denken. Sein Abgang als italienischer Nationaltrainer macht die internationale Trainerbühne um einen menschlichen Faktor ärmer.

Vicente del Bosque bleibt Nationaltrainer von Spanien

Die Überlegenheit, welche er zeitlebens mit so viel Anstand zu behaupten wusste, entsprang nicht eitler Geltungssucht, sie beruhte vielmehr auf seinen menschlichen Fähigkeiten und seiner fachlichen Kompetenz. Vicente del Bosque trägt sein Wesen nicht zu Markte und ist dennoch ein außerordentlicher Mann, dessen Gedanken über den Fußball nie abreißen und dennoch das Leben immer im Blick behalten. Was er sagt, ist stets gehaltreich. Ein Mensch von hohen Graden bleibt dem Weltfußball erhalten. Er hätte sich die Schuld für das WM-Aus der Furia Roja auf seine Schultern geladen, auch darin wieder ein Geber und kein Nehmer. Der spanische Verband zeigt Stil und Umsicht, spricht dem Mann aus Salamanca weiterhin das Vertrauen aus und handelt danach. Eine Entscheidung gegen den billigen Trend des Traineropfers. Ein richtiges Zeichen. Chapeau!

Redaktion Magath & Fußball

Brasilien WM 2014 (II) – „Wir sind dabei!“


Veröffentlicht am 16. Oktober 2013

Aber: Wie aussagekräftig war die deutsche Dominanz in der WM-Qualifikation?

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Ja, man kann über Joachim Löw denken, was man möchte. Stefan Kießling hin, Mats Hummels her – nicht alle Personalentscheidungen, die der Bundestrainer in der jüngeren Vergangenheit traf, gingen geräuschlos über die Bühne. Man darf da durchaus auch anderer Meinung sein, muss nicht zwingend nachvollziehen können, warum beispielsweise mit Roman Weidenfeller der statistisch gesehen konstanteste deutsche Torhüter der letzten fünf Jahre noch immer auf eine Länderspiel-Einladung wartet (auch wenn sich das möglicherweise bald ändert). Eines muss man dem 53-Jährigen mit dem markanten schwäbischen Akzent aber lassen: Erneut hat sich die deutsche Fußballnationalmannschaft in äußerst souveräner Manier für ein großes Turnier qualifiziert. Unter dem Strich stehen neun Siege und ein Unentschieden. Das ist Fakt. Weiterlesen

Von Schatzsuchern und Abnormitäten


Veröffentlicht am 5. September 2013

Hat Belgien seine „Goldene Generation“ gefunden?

Hintere Reihe von links: 1 Thibaut Courtois, 9 Romelu Lukaku, 6 Axel Witsel, 8 Marouane Fellaini, 3 Daniel Van Buyten, 22 Nacer Chadli, 4 Vincent Kompany. Vordere Reihe von links: Toby Alderweireld, 15 Sébastien Pocognoli, 7 Kevin De Bruyne, 10 Eden Hazard.

Hintere Reihe von links: 1 Thibaut Courtois, 9 Romelu Lukaku, 6 Axel Witsel, 8 Marouane Fellaini, 3 Daniel Van Buyten, 22 Nacer Chadli, 4 Vincent Kompany. Vordere Reihe von links: Toby Alderweireld, 15 Sébastien Pocognoli, 7 Kevin De Bruyne, 10 Eden Hazard.

Alle Jahre macht der Begriff die Runde. Trotz inflationärer Verwendung steht er für ein Versprechen: Eine „Goldene Generation“ soll Pokale, Titel, Erfolge bringen. Unklar jedoch oft, was sich dahinter verbirgt. Eine Wundertüte, zweifelsohne. Dann und wann entpuppt sie sich als Rohrkrepierer, die Portugiesen, Holländer und ja, irgendwie auch Jogi’s Jungs können ein Lied davon singen. Manchmal aber erhebt sie sich über alle Erwartungen, da weiß Vicente del Bosque zu berichten. Klar ist jedenfalls, es hilft ein Ausflug in die Markenwelt: Nicht überall, wo Gold drauf steht, ist auch Gold drin. Nun sieht es so aus, als dürften sich die Belgier begründete Hoffnungen machen, bei der Schatzsuche ganz weit vorne zu sein. Weiterlesen

Die Zwei


Veröffentlicht am 12. Juni 2013

Scolari und Parreira sollen Brasilien zum WM-Triumph 2014 führen

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Brasilianische Fußballgeschichte ist immer auch die Fußballgeschichte der Welt, eine formidable Chronik großer Tragödien und noch größerer Triumphe. Einst galt Brasilien als Mittelpunkt der Fußballwelt, eine Einschätzung, die längst nicht mehr den aktuellen Fußballrealitäten entspricht. Brasilianische Fußballgrößen wie Garrincha, Vava, Pelé, Tostáo, Gérson, Zico und Ronaldo zieren die Ruhmeshallen des Weltfußballs, die Liste ließe sich in die Unendlichkeit erweitern, kein Land hat so viele Ausnahmespieler hervorgebracht. Von den Favelas bis zu den futuristischen Wohn- und Büropalästen Oscar Niemeyers sind sie die Helden ihrer Nation, der Begriff Volkssport hat für den brasilianischen Fußball bis heute lebendige Gültigkeit. Doch die letzten Jahre waren eher matter Abglanz einstiger Größe. In solcher Not greift man auch in Brasilien gern auf Bewährtes zurück. Zwei Männer mit großer Vergangenheit sollen dem brasilianischen Fußball neues Leben einhauchen, an Erfolge vergangener Tage anknüpfen. Keine Zukunftsvision wird ihnen abverlangt, sie sollen nur ein Jahr erfolgreich arbeiten und dem großen Ziel alles unterordnen, am Ende ihrer Arbeit muss der sechste WM-Titel für Brasilien stehen. Nicht mehr und nicht weniger wird von ihnen erwartet, ansonsten gilt ihre Mission als gescheitert. Weiterlesen