Schlagwort-Archive: Zidane

Schicksalstage für Goliaths


Veröffentlicht am 19. Dezember 2015

Mourinhos Chelsea-Abgang könnte Trainerkarussell beschleunigen

Jürgen Klopp verliert ersten Glanz. Sein letzter Gegenpart Tony Pulis, seines Zeichens Trainer von Crystal Palace, bezichtigte ihn gerade als schlechten Verlierer, der mit einer 200 Millionen-Truppe keine 20 Millionen-Truppe schlagen kann und deswegen nach Spielende nicht nur den obligaten Händedruck verweigert, sondern mit öffentlicher Nörgelei von eigenen Problemen ablenken wolle. Der Waliser Pulis ist wegen seiner Bodenständigkeit besonders beim englischen Fußballproletariat beliebt, welches dieser Tage aus den Gazetten erfuhr, dass Jürgen Klopp in eine 5,2 Millionen Euro Nobelvilla gezogen sei. Solche Scharmützel und Meldungen müssen den Ex-Dortmunder noch nicht beunruhigen, aber auch englische Fußball- und Medienherzen können erkalten, selbst die in Liverpool. Echte Sorgen müssen sich dagegen einige andere Granden der Trainerzunft machen. Schon seit dem biblischen David weiß man um das fragile Gebilde der Goliaths. Die Riesen des Trainergeschäfts können ein garstig Lied davon singen. José Mourinho hat es schon erwischt, allerdings nicht in Form von Schleuder und Stein. Ihn warf ein leibhaftiger Milliardär von den Beinen, welcher im Mourinho-Feuern einschlägige Erfahrungen besitzt und überhaupt ein Spitzenmann in Sachen „Trainer raus“ ist. Weiterlesen

Wenn die Söhne mit dem Vater


Veröffentlicht am 29. November 2014

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Zinédine Zidane und sein persönliches Fußballquartett

Im Meer der Nachrichtensaat des Weltfußballs nur ein kleines Korn, aber aus was für einem Speicher! Enzo Fernández, mit vollem Namen Enzo Alan Zidane Fernández, wurde am 16. November 2014 beim 2:1-Sieg von Real Madrid Castilla im Ligaspiel gegen UB Conquense in den Schlussminuten eingewechselt und gab damit im Alter von 19 Jahren sein Punktspieldebüt bei den Madrilenen. Sein Trainer ist ein Mann mit einem der größten Namen des Weltfußball und im Hauptberuf auch noch der Vater von Enzo, kein geringerer als Zinédine Zidane. Real Madrid Castilla ist die Talentschmiede und zweite Mannschaft des spanischen Fußballclubs Real Madrid, die dem eigenen Nachwuchs als Anlaufstätte zum ersten Team dient. Man spielt gegenwärtig in der dritthöchsten Spielklasse des spanischen Fußballs, der Segunda División B. Seit Saisonbeginn 2014/15 ist Vater Zidane dort Cheftrainer. Die „10“ im Team trägt Enzo, eine Nummer, die dem Vater durchaus bekannt sein sollte. Weiterlesen

Hype um Martin Ødegaard


Veröffentlicht am 14. November 2014

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15-jähriger Norweger begeistert Landsleute und zieht Großclubs an

Als Schachweltmeister Magnus Carlsen, Norwegens Sportidol und Nationalheld, zum WM-Kampf gegen Viswanathan Anand am Austragungsort Sotschi eintraf, erwarteten ihn naturgemäß die Reporter und Kamerateams schon am Flughafen. Die erste Frage an den 23 Jahre alten Champion galt aber nicht den 64 Feldern, sondern dem grünen Rasen. Der bekennende Fußballfreund und Fan von Real Madrid wurde um seine Meinung zum Landsmann Martin Ødegaard gebeten. Die Königlichen in Person des großen Zinédine Zidane bemühen sich um den aufgehenden Stern am norwegischen Fußballhimmel. Ein seltener Weg der Galaktischen, die lieber fertige Weltstars für exorbitante Summen ins Haus holen und dabei umgehend die globale Werbetrommel anwerfen, eben ganz nach dem Geschmack des allmächtigen Präsidenten Florentino Pérez. In den letzten zehn Jahren sind eigentlich nur Sergio Ramos, Gonzalo Higuaín, Marcelo und Raphaël Varane als Jugendliche verpflichtet worden. Weiterlesen

Kontinentalduelle


Veröffentlicht am 11. Juli 2014

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Zum dritten Mal ein WM-Endspiel Deutschland – Argentinien

Europa gegen Südamerika, keine unerwartete Finalkonstellation. Das Ergebnis des Elfmeterschießens im Spiel Argentinien gegen Holland bescherte Deutschland seinen Endspielgegner. Man kennt sich. Die Leistung der Argentinier macht nicht fürchten. Messi allein auf weiter Flur wird Deutschland diesen Titel nicht nehmen können. Die Zeiten von Alleinherrschern Marke Maradona oder Zidane scheinen vorbei, einer gegen elf funktioniert im heutigen Fußballbetrieb nicht mehr. Deutschland spielt Fußball, Messi ist Fußball, das bessere Team wird aber den Ausschlag geben und die WM-Trophäe nach Europa holen.

Der Sonntagabend wird Deutschland in eine einzige Partyzone verwandeln, wenige wollen nicht dabei sein. An eben diesem Sonntag werden die Brasilianer sehen, wie ihr Bezwinger Weltmeister wird, aber wenigstens nicht erleben müssen, wie ihr größter Rivale den Titel mit ins Nachbarland nimmt. Sicher nur ein schwacher Trost. Keiner mag das Spiel um Platz drei, Brasilien und Holland müssen aus der Agonie der Niederlage direkt in diese Pein, Freude wird keine aufkommen. Mögen nach dem Abpfiff die Menschen in Brasilien bald wieder Frieden mit ihrem Fußball schließen und die Freude am Spiel in ihre Herzen zurückkehren. In den deutschen Fußballherzen beginnt dagegen immer deutlicher der lang ersehnte vierte Stern zu leuchten.

Redaktion Magath & Fußball

Ein Kaiser ohne Kleider


Veröffentlicht am 23. Juni 2014

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Ein großartiger Fußballer für den Olymp der Außergewöhnlichen wird man nicht nur durch gute Spiele und Tore, sondern durch ein Lebenswerk und Turniere, denen man seinen Stempel aufdrückt. Dem Clubfußball hat Cristiano Ronaldo große Spiele beschert, mit seiner Leistung zu Titeln und Erfolgen beigetragen. Im Trikot der Nationalelf bleibt vieles Stückwerk, gelingt wenig, gleicht er einem ewig Unvollendeten. Aus dem Baukasten für phantastische Fußballer hat er einige begnadete Werkzeuge mitbekommen, er wandelt damit nicht auf dem Weg des großen Eusébio, geht eher auf den Pfaden von David Beckham. Verdenken kann man es ihm nicht, Geld und Ruhm sind beachtlicher Treibstoff für ein Leben. Wer würde wohl nicht in den Glitzer dieser Welt greifen, wenn er ihm so üppig geboten? Nun muss auch die größte Werbeikone des Weltfußballs vorzeitig die Heimreise antreten. Das 2:2 von Portugal gegen die USA besiegelte auch sein WM-Schicksal, der fadenscheinige Strohhalm einer Resthoffnung bleibt Illusion. Weiterlesen

Solidarität von Arsène Wenger


Veröffentlicht am 2. Dezember 2013

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Zahir Belounis. Bis gestern saß der unbekannte französische Fußballprofi in Katar fest. Ohne Zustimmung seines Arbeitgebers, des katarischen Armeeklub Al-Jaish, erhielt er kein Reisevisum. So behandelt Katar seine Arbeitsmigranten, so sind dort die Gesetze. Nun ist Belounis nach langem Kampf am Donnerstag in Paris gelandet, wohl nur, weil er auf Gehälter verzichtet. „Teilweise haben sie mich zerstört“, sagte Belounis am Flughafen den vielen Reportern. Zu seinem Kampf gehörten auch offene Briefe an Zinédine Zidane und Pep Guardiola. Die FIFA hat ihre WM an Katar verkauft. Zidane, der wie Belounis algerische Wurzeln hat, und Guardiola sind Katars hochbezahlte WM-Botschafter. Geholfen haben andere, so etwa die internationale Spielergewerkschaft FIFPro, Menschenrechts-organisationen und verschiedene Medien. Auch Arsène Wenger solidarisierte sich mit Belounis. Die FIFA schwieg, ebenso Zidane und Guardiola. Der Bayern-Trainer ist nun in der Ethik-Liga ein Tabellennachbar der FIFA. Was sagt er dazu? Vielleicht nimmt ihn ja fcb.tv für seine Feigheit in die Mangel.

(Die Zeit, 29. November 2013)

Triumph der Einfachheit


Veröffentlicht am 16. Juli 2013

Vicente del Bosque prägt mit seiner Persönlichkeit den spanischen Fußball

imago10902593m_cSchwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt. Vicente del Bosque weiß um Bürde und Flüchtigkeit einer von „König Fußball“ verliehenen Regentschaft. Weltmeister! Empfang beim König. Liebling der Nation. Milde lächelnd nahm er die Ehrungen hin. Die Gedanken sind ihm auch im Erfolg nicht ins Gesicht geschrieben. Der wirkliche Triumph stand allerdings noch bevor. Xavi und Iker Casillas, Weltstars beide, wussten, wie sie ihrem Trainer danken konnten. Sie brachten dessen geliebten Sohn Alvaro mit auf das Oberdeck des Busses, der die Furia Roja durch das euphorisierte Madrid fuhr. Del Bosque, dessen Sohn am Down-Syndrom leidet, zeigte Rührung und alle Anstrengung des WM-Turniers fielen von ihm ab. Weiterlesen