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Die Crux mit Messi und Tévez


Veröffentlicht am 31. Juli 2015

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„Seit vielen Jahren gibt es Dinge, die offenbar stören. So etwas muss man im Training beheben. Ein Team ist eine Idee, wie Musiker in einem Orchester müssen sie einen gemeinsamen Ton erzeugen. Ein Akkordeon und eine Geige können nicht allein aufspielen, sondern immer gemeinsam in einem Orchester. Wäre ein Team mit Di Stéfano, Pelé, Cruyff und anderen Koryphäen aufgestellt, würden viele Menschen fragen, ob es funktioniert. Di Stéfano hat diese Frage einmal beantwortet: „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich glücklich war neben und mit Ferenc Puskás und Héctor Rial zu spielen.“ Messi und Tévez sind gute Menschen. Der erste ist großzügig, wenn er den Ball besitzt, denkt er zuerst an sein Team. Carlito [Tévez] ist ihm darin gleich. Ich sehe nicht, warum sie nicht miteinander spielen konnten. Dann muss man es eben trainieren und es nicht dem Zufall überlassen. Wenn es nicht funktioniert, bleibt alles weiter allein an Messi hängen. Ich hörte einen Mann sagen, dass Messi zwölf Sekunden ohne Ballberührung gewesen sei und ihn darüber mit heimischen Journalisten reden. Was für eine schreckliche Definition. Messi ist in der Welt unumstritten. Er wurde zehn Blocks von den CA Newell’s Old Boys geboren aber man ließ ihn einfach gehen, weil man die 20 Pesos für seine Behandlung nicht bezahlen wollte. Heute ist er der Beste in der Welt. Und Punkt.“

(César Luis Menotti, mundoD Online, 29. Juli 2015)

Logisch denken


Veröffentlicht am 21. Januar 2014

„Ich bin ein Schachfreund. Das ist ein wunderbares Spiel, für das mehr getrommelt werden sollte. Ich hielte es für sinnvoll, dieses Spiel in der Schule zu fördern. Durch Schach werden Jugendliche angeleitet, logisch zu denken, zu kombinieren, zu entwickeln, diszipliniert zu sein. Fußball ist der schönste und schwierigste Sport, der zweitschönste ist Schach. Der eine oder andere wird jetzt sagen, der Magath spinnt. Schach ist genau wie Fußball ein Spiel, in dem sich zwei Mannschaften auf einem abgegrenzten Feld gegenüberstehen. Das Zielobjekt liegt im Zentrum der gegenüberliegenden Grundlinie. Aus dieser Gemeinsam­keit ergeben sich gleiche Strategien und Taktiken. Allerdings gibt es beim Schach keinen Zufall und keine äußeren Einflüsse, das ist das Schöne.“

(Felix Magath, Interview Nürnberger Zeitung, 01. Januar 2014)

Schach lehrt Fußball


Veröffentlicht am 22. November 2013

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„Ich habe vom Schach viel Wertvolles in den Fußball mitnehmen können. Dass jede Aktion eine Begründung hat, dass möglichst jeder Zug eine Bedrohung für den Gegner sein soll. Übersetzt in den Fußball: Dass man die Macht des Zufalls verringern muss. Dass es entscheidend ist, das Tempo hochzuhalten und trotzdem die Kontrolle zu behalten. Zeit ist Raum.“

(Felix Magath, Interview mit tz München, 22. November 2013)

Drama und mythische Kraft


Veröffentlicht am 10. August 2013

„Es gibt unter Künstlern natürlich diese große Bewunderung dafür, dass der Fußball etwas kann, was die Darstellende Kunst, das Theater, die Oper oder auch die Literatur nur sehr schwer herzustellen vermag: die Durchbrechung der vierten Wand, die Verschmelzung von Publikum und Bühne und Aktion. Die zwei Tore der Dortmunder zum 3:2 in 69 Sekunden gegen Malaga im Viertelfinale der Champions League, das ist Drama in Vollendung. Darstellende Kunst ist Wiederholung, Planung, Probe, mit auswendig gelernten Texten. Da ist die Ekstase, diese Eruption von Emotion, kaum zu erreichen, eher im Fußball, wo die Dinge dann doch noch von Fügung und Zufall bestimmt werden. Zwar verfügen Mannschaften über Können und Taktik, aber sobald der Ball eine andere Richtung nimmt, bestimmt der Zufall die Welt. Der Fußball hat ein kulturelles Gedächtnis, eine fast mythische Erzähl- und Erinnerungskraft, ich kann mich an keine meiner insgesamt vielleicht 500 Lesungen erinnern, aber an jedes eigene Fußballspiel.“

(Schriftsteller Moritz Rinke, Interview Cicero, 22. April 2013)