Der Frühling naht, es naht die WM


Veröffentlicht am 26. Februar 2014

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Spannungsbogen zwischen Meisterkämpfen und WM-Turnier

Die Tage werden länger und die Temperaturen merklich besser, die Top-Ligen laufen sich heiß. Das WM-Jahr nimmt Fahrt auf. Fußballherz, was willst du mehr! In Frankreich ein Zweikampf zwischen sehr finanzstarken Clubs. In Italien das Fernduell zwischen Turin und Rom. In England kristallisiert sich ein Quartett der Titelkandidaten heraus und in Spanien bestimmt ein Trio die Szene. Die Bundesliga geht ohne Meisterrennen Richtung WM. Im ganzen Trubel nicht dabei aber doch mittendrin, kommt auch ein WM-Trainer endlich aus der Deckung, will Weltmeister werden. Hochdruck und Erwartung allenthalben.

Ein tristes wie gewohntes Bild in deutschen Landen. Die Bayern haben den Konkurrenten gespürt, der hieß Borussia Dortmund und holte äußerst glanzvoll drei heimische Titel, wähnte sich damit auf bajuwarischer Augenhöhe. Ein Dortmunder Fehler, den man beim Namensvetter in Gladbach hätte hinterfragen können. Wer den Bayern sportlich im Nacken sitzt, bekommt einige tragende Pfeiler aus dem Gerüst montiert, nebenher noch den feinen Virus der Unruhe eingeimpft und fertig ist die Klatsche. Das Prinzip funktioniert so frisch wie am ersten Tag, wenn auch sein Erfinder augenblicklich mit so manch eigener Unbill zu kämpfen hat. Dortmunds Geschäftsführer Joachim Watzke ging ein spätes Licht auf, er artikulierte seine Ohnmacht in sprachlichem Zorn. Dafür musste er dann handelsübliche Prügel einstecken, man erhebt nicht den mahnenden Finger gegen den „Branchenprimus“, man hat zu huldigen, Ende der Vorstellung.

Der Sportdirektor aus Leverkusen weiß so etwas und sprang den Bayern sofort bei. Leverkusen ist immerhin ärgster „Bayern-Verfolger“, hechelt mit 19 Punkten Rückstand hinterher, wird international regelmäßig eingeseift, bekommt nicht mal im deutschen Werksduell einen halben Fuß auf die Erde, thront aber als Zweitplatzierter in der Bundesligatabelle. Man ist damit glücklich und zufrieden. Zu mehr hat es ja nie gereicht. Was für Konkurrenten, was für Spannung, in München hat man längst das Fürchten verlernt. Pep Guardiola muss sich Gegner mit dem Fernglas in den Weiten Europas suchen und wird auch dort kaum noch fündig. In den Medien wird in Text, Bild und Ton eine Schramme am Bayern-Knie intensiver behandelt als ein ganzer Spieltag, kleine Vereine müssen ihre Berichte mit der Lupe suchen.

Felix Magath, neuer Manager des FC Fulham brachte es dieser Tage auf den Punkt: „Das ist eine ganz schlechte Entwicklung, wenn sie vor der Saison schon wissen, wer Meister wird. Es will ja auch gar kein anderer mehr Meister werden. Man muss sich nur anschauen, wie die Spiele aussehen: Wenn der Tabellenzweite gegen die Bayern spielt, ist da ein Klassenunterschied. Wenn die Überlegenheit so deutlich ist, ist das für mich kein Sport mehr. Es macht mir als Sportler keinen Spaß.“ Es werden wohl für viele Jahre siebzehn andere Vereine freundliche Kulisse für Krönungsmessen spielen, Statisten einer Meisterschaft ohne Titelkampf. Wo bleibt der knisternde Wettbewerb, wo ist die Spannung? In Spanien und England vibriert es dagegen vor Spannung. Dorthin geht der Blick.

In der Premier League können sich mindestens vier Teams noch reale Meisterchancen ausrechnen. Die beste und populärste Fußballliga der Welt bietet auch das spannendste Rennen um die Titelkrone, das Mutterland des Fußballs macht in der Saison 2013/2014 dem sportlichen Wettkampf alle Ehre. Den FC Chelsea auf Platz eins und den FC Liverpool auf Platz vier trennen ganze vier Punkte, dazwischen Arsenal und ManCity, das Rennen völlig offen, kaum jemand wagt Prognosen. Nur die Titelverteidigung von Manchester United haben wohl auch die größten Fans der Red Devils längst abgeschrieben, zu groß klafft die Lücke nach oben. Sollte es beim diesjährigen Griff nach der Krone am Ende sogar das Torverhältnis sein? Dann hält Manchester City einen Trumpf, liegt bei den Treffern derzeit deutlich vor den Mitbewerbern.

Die Spanier bieten den Engländen in Sachen Spannung die Stirn. Ein Dreiklang tönt von der Tabellenspitze. Real, der FC Barcelona und Atlético Madrid rennen auf Augenhöhe durch die Spieltage, wechseln sich an der Spitze ab, um dann sofort wieder den Atem der Verfolger zu spüren. Es könnte am Ende nur ums Torverhältnis gehen. Da kommen dann die personifizierten Torfabriken ins Spiel, jene von Ronaldo liefert im Moment im Alleingang was die Kombination Messi und Neymar nur im Duo schafft. Derweil macht für Atlético Diego Costa Bude um Bude und wird immer interessanter für die Weltmeisterschaft. Er hat sich nach zwei Freundschaftsspielen für Brasilien dann doch für die spanische Nationalmannschaft entschieden und könnte ein Knüller des WM-Turniers werden.

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Diego Costa also nicht in Reihen des Gastgebers, sondern im Team des Titelverteidigers. Weltmeistermacher Vicente del Bosque ist damit schon vor dem Turnier ein Coup gelungen. Diego Costa könnte dem brasilianischen Coach Scolari schlaflose Nächte bereiten. Noch schläft Luiz Felipe Scolari gut und optimistisch, ist selbstbewusst wie eh und je. Während sich in Europa die Trainer vieler Favoriten-Teams das klare Bekenntnis zum Titel vom Leib halten, als gelte es, einer todbringenden Krankheit zu entrinnen, kommt Scolari aus der Deckung, spricht offen vom Titel für Brasilien und nimmt die Favoritenrolle an. „Wir werden unsere Gegner respektieren, aber wir sind bereit, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Die Favoriten, die sind wir. Wir spielen hier mit dem Volk im Rücken, mit unseren Fans. Wenn uns das nicht die Zuversicht gibt, dass wir die Qualität haben, dass wir große Spieler haben – was hätten wir dann hier zu suchen. Ja, wir haben die Voraussetzungen, Weltmeister zu sein. Wir haben die Mannschaft dafür, die Strategie, die Organisation und die Qualität.”

Augenzwinkernd nennt Scolari aber auch Exilländer, die er wohl ansteuern muss, falls es mit dem Titel am heimischen Zuckerhut nicht klappt. Zwischen „Hosianna!“ und „Kreuzigt ihn!“ liegt auch in Brasilien oft nur ein Tor. Etwa eines von Diego Costa? „Wenn wir es nicht schaffen, dann gehe ich ins Asyl nach Kuwait“, so Scolari. Noch ist es ein Scherz an der Copacabana, und alle lachen mit…

Redaktion Magath & Fußball

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