Spektakel auf Augenhöhe


Veröffentlicht am 15. September 2014

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Spieltags-Rundschau durch Bundesliga und Premier League

Die deutsch-englischen Festspiele in der Königsklasse werfen ihre Schatten voraus, am Wochenende kamen sowohl Bundesliga als auch Premier League mit hohen Erwartungen und einigem Getöse aus der Länderspielpause. Großes Theater, volle Stadien, gutklassiger Fußball und die nicht ganz jungfräuliche Erkenntnis, dass Geld hin und wieder eben doch Tore schießt – Otto Rehhagel möge es verzeihen. Ein Blick auf die beiden derzeit wohl gefragtesten und attraktivsten Fußballligen dieses Planeten.

Bundesliga: Starke Borussen, Tradition am Tabellenende

Schon der Auftakt zur dritten Bundesliga-Runde am Freitagabend hatte es mächtig in sich: Tapfere Bremer erkämpften ein 3:3 in Leverkusen, stellten einmal mehr Nehmerqualitäten unter Beweis und sicherten auch im dritten Spiel trotz Rückstand noch einen Zähler. Die Werkself dagegen behauptete zwar ihren Platz an der Sonne, hätte die Partie aber eigentlich vor der Pause entscheiden müssen. Allzu oft stand dem Spielwitz der Bayer-Offensive noch Aluminium im Weg, das Unentschieden daher eine gefühlte Niederlage. Unabhängig davon grüßt in Leverkusen dieser Tage das Murmeltier: Beeindruckende Frühform gepaart mit einer gehörigen Portion Skepsis im Hinblick auf den traditionellen Einbruch im Winter.

Dass in Dortmund am Samstag auffallend viele rote Farbtupfer zu beobachten waren, lag weniger an den Freiburger Gästen als an einem alten Bekannten. Shinji Kagawa, vom BVB kurz vor Ende der Transferfrist vom Tribünen-Stammplatz im Old Trafford losgeeist, bedankte sich auf seine Weise für den gigantischen Empfang des Publikums. Als hätte es seine „zweijährige Auszeit“ in der Premier League nie gegeben, wirbelte Kagawa im Mittelfeld, bereitete das 1:0 vor, machte wenig später das 2:0 selbst und war der gefeierte Mann des Nachmittags beim 3:1 über den Sportclub. Gut 600 Kilometer weiter südöstlich verhalf ein ehemaliger Publikumsliebling der Schwarz-Gelben dem bayrischen Rivalen zu einem nie gefährdeten 2:0-Erfolg gegen Stuttgart. Mario Götze wurde nur von Franck Ribéry noch in den Schatten gestellt, der sich nach längerer Verletzungspause als Edeljoker zurückmeldete und die Begegnung fünf Minuten vor dem Ende entschied. Bayern nunmehr bei sieben, Borussia bei sechs Zählern angelangt – insgesamt sicher kein glanzvoller aber doch gelungener Start der beiden deutschen Flaggschiffe der letzten Jahre.

Max Kruse (Zweiter von links) bereitete zwei Tore vor und traf selbst zum zwischenzeitlichen 3:1 gegen Königsblau.

Max Kruse (Zweiter von links) bereitete zwei Tore vor und traf selbst zum zwischenzeitlichen 3:1 gegen Königsblau.

Im Topspiel setzten derweil die Gladbacher ein deutliches Ausrufezeichen. Fahrig und uninspiriert wirkende Schalker wurden beim 1:4 im Borussia-Park nach Strich und Faden vermöbelt, Horst Heldt blieb da nur der angesäuerte Milchbubi-Blick aus dem Nadelstreifen. Einzig Ralf Fährmann verhinderte mit starken Paraden ein noch größeres Debakel, während sich bei den Fohlen neben Doppeltorschütze André Hahn auch Raffael und Max Kruse Bestnoten verdienten. Auf dem harten, inzwischen aber längst nicht mehr ungewohnten Boden der Tatsachen landete nach kurzfristiger Transfermarkt-Offensive auch der runderneuerte „große HSV“ im Duell mit dem kleinen. Einsatzfreudige Hannoveraner führten dem Dino beim 2:0 deutlich vor Augen, an was es in der Hansestadt augenscheinlich weiterhin fehlt – an einer klaren Struktur und vor allem an Torgefahr, sind die Hamburger doch das einzige Team im deutschen Profifußball, dem noch immer kein Treffer gelang. Mit Schalke, Stuttgart und dem HSV ziert nun viel Tradition das Tabellenende.

In Frankfurt sammelte der FC Augsburg dank Raúl Bobadilla die ersten Punkte der Saison, Mainz gewann 3:1 in der Hauptstadt, die beiden Aufsteiger Paderborn und Köln trennten sich torlos und der Gassenhauer im Kraichgau zwischen Hoffenheim und Wolfsburg endete ebenfalls unentschieden (1:1). Beachtlich: Shinji Okazaki wurde mit seinem Doppelpack bei der Hertha zum erfolgreichsten Bundesliga-Japaner, der 1. FC Köln um U21-Nationaltorwart Timo Horn musste noch immer kein Gegentor verdauen und in der Autostadt ist mit Ivica Olić ein inzwischen 35 Jahre altes Stürmermodell mit himmelweitem Abstand am verlässlichsten.

Premier League: Souveräner Tabellenführer, erster Sieg für van Gaal

Englands Premier League liegt einen Spieltag vor der Bundesliga. Chelsea zieht eindrucksvoll seine Bahn. Man holt Punkte, zwölf aus vier! Thibaut Courtois, Cesc Fàbregas und Diego Costa, allesamt aus der Primera División, wurden sofort tragende Säulen im System des José Mourinho. Diego Costa lieferte sieben Tore zum Erfolgsstart, gegen Swansea waren es drei. Die momentanen Chelsea-Verfolger haben in dieser Rolle eher Seltenheitswert, Aston Villa und Swansea. Die Mannen aus Birmingham schlugen an der Anfield Road den FC Liverpool mit 1:0, wobei ein gnädiger Schiedsrichter den Verteidiger Alan Hutton von Aston Villa nicht vom Platz stellte, dessen rüder Einsatz nur Gelb sah. Swansea startete mit drei Auftaktsiegen optimal, nun also der 2:4-Dämpfer an der Stamford Bridge. Keine Schande, dort werden in dieser Saison sicher noch andere Teams gerupft.

Matchwinner an der Anfield Road: Gabriel Agbonlahor (Zweiter von links) schoss Aston Villa zum überraschenden Auswärtssieg.

Matchwinner an der Anfield Road: Gabriel Agbonlahor (Zweiter von links) schoss Aston Villa zum überraschenden Auswärtssieg.

Die gewichtige Chelsea-Konkurrenz schwächelt bei der Punktausbeute. Im hochklassigen Spitzenspiel Arsenal gegen Manchester City teilte ein gerechtes 2:2 die Punkte, Arsenals drittes Unentschieden. Der FC Liverpool auf Achterbanfahrt, zwei Siege und zwei Niederlagen. Die Heimpleite gegen Aston Villa hatte nach der Glanzvorstellung bei Tottenham keiner auf dem Schirm. Bei Manchester United wieder Licht. Louis van Gaal hat sein Team zum ersten Sieg geführt, 4:0 gegen Queens Park Rangers. Das Team, nach Startproblemen nicht zusammentrainiert sondern zusammengekauft, muss nun liefern. Wer kann auf dem Fußballkontinent Europa schon mit Ángel Di María, Radamel Falcao und Daley Blind „nachbessern“? Eine Traumtruppe für die Champions League mit Schönheitsfehler, man ist nicht dabei. Trotz martialischer Reporter-Sprüche „das Imperium schlägt zurück“, sollten normal gewandete Fußballfans die Queens Park Rangers nicht als Wertungsmaßstab einordnen. Der Aufsteiger kassierte auch bei den Tottenham Hotspurs eine 0:4-Abreibung. Ob van Gaals Red Devils Gefahr für Mourinhos Blues darstellen bleibt abzuwarten, die Namen auf dem Papier könnten sicher mithalten. Chelseas Start hält die Mitbewerber jedenfalls in Atem und auf Abstand. Die Blues liegen fünf Punkte vor Manchester City, sechs Punkte vor den Gunners und den Reds sowie sieben Punkte vor Manchester United. Beachtlich. Am kommenden Spieltag das Duell Manchester City gegen FC Chelsea.

Der Rest der Liga natürlich auch aktiv. Newcastle hat Schwächen der letzten Saison in die neue überführt, eine 0:4-Packung beim FC Southampton brachte die Rote Laterne. In Southampton wandelt Coach Ronald Koeman in der Erfolgsspur seines Vorgängers Mauricio Pochettino. Dieser kam mit den Spurs bei Sunderland zu einem 2:2. Everton landete den ersten Dreier, meldet sich mit gutem Spiel und 2:0-Auswärtssieg bei West Brom zu Wort. Zwei Aufsteiger punkten erneut. Burnley holt bei Crystal Palace ein 0:0, Leicester City gewinnt mit 1:0 seine Auswärtspartie bei Stoke City verdient. Am Abend beschließen Hull City und West Ham United den Spieltag.

Fußball ist auch in England längst mehr als nur Spiel. Fußballprofis werden immer reicher, Millionär heißt die Normalität. Die Werbe- und Medienwelt liegt den Spielern zu Füßen, spült zusätzlich Geld in die Kassen. Am unteren Ende der Fußballkette: Fans aus Reihen der „Working Class“, die dem englischen Fußball stets einen besonderen Charakter verliehen, nun aber kaum noch die überteuerten Eintrittskarten bezahlen können. Auch ein Abbild des Fußballalltags unserer Zeit.

Redaktion Magath & Fußball

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