Spannende Kost vor der Länderspiel-Tristesse


Veröffentlicht am 8. November 2014

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Brisante Partien in Bundesliga, Premier League und Ligue 1

Borussia Dortmund empfängt die ungeschlagenen Gladbacher, Chelsea reist an die Anfield Road und Olympique Marseille muss sich in Paris behaupten. Es sind ohne Frage die Highlights des bevorstehenden Fußballwochenendes, Spannung und eine Menge Zündstoff garantiert. Bevor in der nächsten Woche ungleiche EM-Qualifikationsduelle manchem Fußballfan die Gelegenheit bieten, auf andere Gedanken zu kommen und dem heimischen Fernsehgerät eine Ruhepause zu verordnen, geht es in den nächsten Tagen überall in Europa noch einmal hoch her.

Paderborn weiter furios, Borussenduell am Sonntag

Am Freitagabend machte die Bundesliga den Anfang, Hertha BSC und Hannover eröffneten den elften Spieltag. Viel Kampf, disziplinierte Niedersachsen und ein verdienter Auswärtssieg, Hiroshi Kiyotake dank Vorlage und eigenem Treffer der Matchwinner. 96 damit vorübergehend auf Rang vier, die Berliner weiterhin mit Tuchfühlung zu den Abstiegsrängen und nun bis zum Jahreswechsel mit ambitioniertem Restprogramm.

Im Landessüden stehen sich der FC Augsburg und der SC Paderborn gegenüber. Wer zu Saisonbeginn gewettet hätte, dass nach gut einem Drittel der Spielzeit Anfang November in der SGL-Arena der Tabellenzehnte den Tabellensiebten empfängt, der wäre vermutlich inzwischen ein reicher Mann. Insbesondere die Ostwestfalen konnte man in dieser Form nicht wirklich auf der Rechnung haben, es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Mannschaft von André Breitenreiter in der Bundesliga bewegt. Offensiv ausgerichtet ziehen sich die Paderborner keineswegs bis tief in die eigene Hälfte zurück, sondern spielen mutig nach vorne. Das geht zwar nicht immer auf – ein 0:4 in München allerdings weder Schande noch Liganovum – bewies sich bislang aber doch als durchaus erfolgsversprechende Philosophie. „Ich bin nicht dafür, im Spiel zu reagieren, ich bin dafür zu agieren“, unterstreicht Breitenreiter seinen Ansatz, der zuletzt zu zwei deutlichen wie verdienten Heimsiegen über Frankfurt und die Hertha (jeweils 3:1) führte. Auch in der Fremde zog sich der SCP bislang achtbar aus der Affäre, trotzte beispielsweise Bayer Leverkusen ein 2:2-Unentschieden ab und unterlag in Hoffenheim unglücklich 0:1.

Die Kraichgauer ihrerseits verloren den Nimbus der Unbesiegbarkeit erst am vergangenen Wochenende im Gladbacher Borussia-Park. Der allerersten Saisonniederlage soll im Heimspiel gegen Köln nun der fünfte Dreier folgen. Der SC Freiburg empfängt derweil mit dem Schwung des ersten Sieges im Rücken, 1:0 gewannen die Breisgauer am Sonntag in der Domstadt, den in der Champions League unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandeten FC Schalke. Die Königsblauen sind noch immer auf der Suche nach ihrer Rolle in dieser Spielzeit, ein Zähler weniger als Paderborn und Tabellenplatz acht sind nicht wirklich das, was man sich bei der nach Vereinsmitgliedern zweitstärksten deutschen Kraft ausrechnet. Immerhin: Gegen den Sportclub gewann S04 die letzten drei Bundesligapartien in Serie. Dabei muss es nicht bleiben.

Für Bayer Leverkusen geht es im Heimspiel gegen Mainz darum, die Erfolgserlebnisse aus der Königsklasse auf den Ligabetrieb zu übertragen – sechs Punkte aus den vergangenen fünf Spielen ließen den erstklassigen Saisonstart verblassen. Die Werkself zuletzt mit auffälligen Schwankungen, der FSV dagegen nach acht Spielen ohne Niederlage jüngst in Wolfsburg und gegen Bremen zweimal unterlegen. Eintracht Frankfurt derweil seit drei Begegnungen ohne Punkt, gegen die Bayern wird sich diese Serie kaum brechen lassen. Bei Bremen gegen Stuttgart am Samstagabend sind Tore garantiert, diese wohl auch in Wolfsburg am Sonntag. Der HSV beim zuletzt fünfmal siegreichen VW-Club krasser Außenseiter, allerdings holten die Hanseaten sieben ihrer neun Zähler in den Partien gegen die Champions League Clubs aus München, Dortmund und Leverkusen.

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Das vermeintliche Topspiel steigt schließlich am Sonntagabend, zum 85. Mal treffen sich Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. Die Vorzeichen könnten jedoch unterschiedlicher kaum sein. Während die Gladbacher auch nach 18 Pflichtspielen 2014/2015 weiter unbesiegt den zweifelhaften Titel „Bayernjäger“ für sich beanspruchen dürfen, legten die Schwarz-Gelben den schlechtesten Saisonstart ihrer Clubgeschichte hin, verloren die letzten fünf Ligapartien allesamt. Eine solche Negativserie gab es letztmals vor über 14 Jahren im April 2000 unter Bernd Krauss. 13 Punkte trennen beide Mannschaften inzwischen in der Tabelle und nicht nur Sebastian Kehl vermutet: „Gladbach wird schwerer als Galatasaray.“ Der Vizemeister der türkischen Süper Lig war unter der Woche in der Champions League erneut kein wirklicher Gradmesser, keiner in Dortmund wird den deutlichen 4:1-Sieg überbewerten. „Jetzt müssen wir den Beweis antreten, dass wir nach einem guten Champions League Spiel auch in der Bundesliga Punkte holen können. Es wäre ganz cool, wenn wir an diesem Wochenende damit anfangen“, betont der mit 34 Jahren älteste Dortmunder, der beim BVB in dieser schwierigen Phase noch zu den Konstanten zählt. Aufseiten der Gladbacher wird den angezählten Gegner mit Sicherheit niemand auf die leichte Schulter nehmen. „Dortmunds Qualität ist noch da, das haben sie in der Champions League schon bewiesen. Manchmal liegt es nur an Details, Kleinigkeiten können über Sieg oder Niederlage entscheiden“, mahnt Favre. Dass seine Mannschaft ausgerechnet beim kriselnden BVB erstmals in dieser Saison als Verlierer vom Platz geht, scheint unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Liverpool gegen Chelsea? Da war doch was…

Außerhalb der Bundesliga werfen zwei Spitzenspiele ihren besonderen Schatten. Die Scheinwerfer gehen zu unseren Nachbarn und auf die Insel. Englands Fußball lahmt durch die Champions League und versprüht nur kümmerlichen Charme. Dem Glanz der Bundesliga hat die Premier League auf internationalem Parkett momentan wenig entgegenzusetzen, muss sich derzeit verstärkt an sich selbst berauschen. Dazu bietet die Auftaktpartie des elften Spieltages reichlich Gelegenheit. Liverpool erwartet den FC Chelsea. Der FC Liverpool hat den Knacks der knapp verpassten Meisterschaft genauso wenig verkraftet, wie man den Weggang von Weltklassemann und Offensivkraft Luis Suárez nicht kompensieren konnte. Nun also ausgerechnet Mourinho und der FC Chelsea. Es war der 36. Spieltag der Vorsaison, an dem diese Paarung an der Anfield Road den Reds die Meisterschaft kostete. Ein 2:0-Sieg der Gäste von der Stamford Bridge nahm damals dem FC Liverpool den Titel-Wind aus den Segeln und Steven Gerrard wohl die letzte Hoffnung, mit seinem Verein einmal englischer Meister zu werden. Schwer lastet dieser Tag bis heute über Anfield.

Die Sorgen von Trainer Brendan Rodgers sind nicht klein, Tabellenplatz sieben unbefriedigend. Öffentliches Gerede auch über die Personalie Gerrard. Der Vertrag des Oldtimers läuft im nächsten Jahr aus und der Liverpooler Held immer öfter hinterher. Was Fußballexperten sehen, wollen Liverpooler Fans ungern wahrhaben. Rodgers wird seine Augen davor nicht verschließen können. Momentan quatscht ihm auch noch halb Europa nachträglich in seine Mannschaftsaufstellung der Champions League Partie gegen Real, Trainer müssen sich heutzutage einiges bieten lassen. Die Baustelle Mario Balotelli bleibt ein weites Feld, der exzentrische Italiener scheint einfach nicht zu passen. Keine guten Vorzeichen für die anstehende Partie. Chelsea kommt mit zwölf Punkten Vorsprung nach Liverpool. Bei einer Niederlage der Rodgers-Truppe wäre die letzte Meisterillusion der Reds auch für diese Saison geplatzt. Mourinhos Mannen haben eine komfortable Ausgangsposition, sind ungeschlagener Tabellenführer und machten bei den Spitzenspielen in Manchester gegen City wie gegen United eine souveräne Figur, kassierten erst spät jeweils den Ausgleich, weil man zu früh auf Ergebnis gespielt hatte. Diese Art trockener Minimalismus, der oft unschön anzusehen, ist der einzige Makel, den man Chelsea vorwerfen kann. Dennoch haben die Blues gute Chancen auf einen weiteren Sieg, Liverpool im heimischen Stadion eher Außenseiter. Trotz Maribor, es läuft zurzeit rund beim FC Chelsea. Konkurrent Brendan Rodgers, der weiterhin auf Daniel Sturridge verzichten muss, bringt es sachlich auf den Punkt: „Sie sind im Moment die beste Mannschaft in der Liga, genau deswegen stehen sie an der Spitze.“

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Feuertaufe für Olympique

In Frankreich startet der Spieltag nicht mit der Spitzenpartie, diese beendet dort vielmehr die 13. Runde. Tabellenführer Olympique Marseille tritt beim Starensemble von Paris St. Germain an. Die Pariser haben als amtierender Meister einen Rückstand von vier Punkten auf den Club vom Mittelmeer. Eine Niederlage also nicht erlaubt, sieben Punkte könnten schon zu viel des Unguten sein. Die müde Champions League Partie mit einem freudlosen 1:0-Sieg gegen APOEL Nikosia hat den Fans nicht unbedingt Mut eingeflößt, den Spitzenreiter Marseille abzufertigen. Da kam allen Beteiligten auf Pariser Seite eine laute Hoffnungsfanfare gut gelegen. Zlatan Ibrahimović hat seine langwierige Fersenverletzung auskuriert und wird wieder im Kader und wohl auch im Team stehen. Für alle PSG-Fans der Sieggarant und für Trainer Laurent Blanc Entlastung. Der stapelt allerdings tief und schränkt in Sachen Ibrahimović ein: „Ein kleines bisschen fehlt ihm noch.“ Was auch immer damit gemeint, in Marseille werden sie natürlich ein Auge auf den Schweden haben. Steht er auf dem Platz, ist er eine Gefahr.

Fürchten muss sich Olympique im Moment vor niemandem, das Team ist in Schuss und trotz der letzten Auswärtsniederlage beim Tabellendritten Olympique Lyon kommt man als bestes Auswärtsteam der Ligue 1 in die Hauptstadt. Was dem Pariser Scheich-Club sein Zlatan Ibrahimović, ist für Marseille der Franzose André-Pierre Gignac, der bisher zehn Treffer auf sein Konto brachte. Der wuchtige Stoßstürmer ist in bestechender Form und einer der Trümpfe im gut abgestimmten Kader von Gästetrainer Marcelo Bielsa. Beide Teams sind für das erste Meisterschaftsendspiel also bestens gerüstet.

Olympique bei PSG, Borussia mit Borussia und Liverpool gegen Chelsea, gute und spannende Kost ist da auf Europas Ligateller angerichtet. Mögen die Namen und Erwartungen den Hunger von Fans und Fußballfreunden auch stillen.

Redaktion Magath & Fußball