Premier League schlägt zurück


Veröffentlicht am 27. November 2014

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Alle vier Bundesligavertreter unterliegen, nur Schalke gefährdet

Spieltag fünf in der Gruppenphase der Champions League verlief so gar nicht nach dem Geschmack der Bundesligisten. Alle drei deutsch-englischen Duelle gingen verloren, Leverkusen unterlag Monaco vor heimischem Publikum. Während Bayer 04 und Borussia Dortmund ihre Gruppe noch immer anführen, der FC Bayern Platz eins sogar schon in der Tasche hat, sind die Schalker auf Rang drei zurückgefallen und müssen nun um den Achtelfinaleinzug bangen. Geschichte wurde derweil auf Zypern geschrieben: Beim 4:0-Sieg Barcelonas gegen APOEL Nikosia traf Lionel Messi dreifach und ist nunmehr alleiniger Rekordtorjäger des Wettbewerbs. Mit astronomischen 74 Toren in 91 Partien verwies der Argentinier Raúl auf Platz zwei, der es zu seiner Zeit auf 71 Treffer in 142 Spielen gebracht hatte. Ebenfalls sein 71. Champions League Tor markierte Cristiano Ronaldo beim 1:0-Sieg Real Madrids im St.-Jakob-Park zu Basel. Der Weltfußballer allerdings hat schon 17 Einsätze mehr auf dem Konto, als sein großer Widersacher im Barca-Trikot.

Einen Torjäger mit derart verlässlichem Trefferglück hätte es am Mittwochabend auch in der BayArena gebraucht. Trotz großer Überlegenheit und 18:4 Torschüssen gelang es Bayer Leverkusen im Duell mit dem AS Monaco nicht, den für den Gruppensieg benötigten Punkt einzufahren. Die Werkself verlor gegen fürstliche Minimalisten – Monaco hat nach fünf Partien nunmehr ein Trefferverhältnis von 2:1 vorzuweisen – dank eines Joker-Tores von Lucas Ocampos unglücklich mit 0:1. Schon vor Anpfiff der Begegnung aber war klar, dass die Leverkusener in der Königsklasse überwintern werden. Dank des 1:0-Siegs von Zenit St. Petersburg über Benfica Lissabon steht man auch bei einer erneuten Niederlage im abschließenden Gruppenmatch in Portugal in der Runde der letzten 16.

Mit einer ähnlich komfortablen Tabellenkonstellation im Rücken trat Borussia Dortmund die Reise nach London an. Auch den Schwarz-Gelben hätte ein Unentschieden genügt, um die Gunners auf sicherer Distanz zu halten. Doch schon nach zwei Minuten waren im Emirates alle guten Vorsätze der bis dato in der Königsklasse verlustpunktfreien Dortmunder über den Haufen geworfen. Zwar stand Torschütze Yaya Sanogo hauchdünn im Abseits, der Treffer aber zählte und war gleichbedeutend mit dem sprichwörtlichen Anfang vom Ende. Insbesondere die Kreativabteilung der Borussia ließ einiges zu wünschen übrig: Henrikh Mkhitaryan agierte einmal mehr glücklos, Shinji Kagawa nach Einwechslung in Hälfte zwei fast schon lustlos, über die Darbietungen von Ciro Immobile und Adrián Ramos hängen wir lieber den Mantel des Schweigens. Einzig Ilkay Gündogan eine Art Hoffnungsschimmer. Auch der Nationalspieler, der die meisten Ballkontakte aller Akteure auf dem Rasen für sich verbuchte und die beste Leistung seit seiner Rückkehr bot, konnte die 0:2-Niederlage gegen Arsenal, besiegelt nach knapp einer Stunde durch ein Tor von Alexis Sanchez, jedoch nicht verhindern. Immerhin ging der direkte Vergleich nach dem 2:0-Hinspielerfolg nicht verloren, sodass dem BVB im abschließenden Gruppenspiel gegen Anderlecht nun ein Zähler zum Gruppensieg reichen dürfte. Dennoch: Die Zeit bis zur Winterpause, in der Dortmund auf den erneut schwer am Knöchel verletzten Marco Reus verzichten muss, könnte verdammt lang werden.

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Für den FC Bayern München war der Betriebsausflug nach Manchester weitgehend bedeutungslos, stand man doch schon nach vier absolvierten Runden als Gruppenerster fest. Es durfte also durchaus damit gerechnet werden, dass Pep Guardiola die Rotationsmaschine in Gang bringen würde – tat er aber nicht. Bis auf die beiden Weltmeister Thomas Müller und Mario Götze brachte der Katalane die bestmögliche Bayern-Elf auf den Platz, die sich nach 20 Minuten allerdings selbst entscheidend schwächte. Sergio Agüero war auf und davon, Mehdi Benatia wusste sich nur durch ein Foul zu helfen. Dumm nur, dass der Sturmführer der Citizens schon bis in den Sechzehner vorgedrungen war – ein Elfmeter, den Agüero sicher vollstreckte, und die Rote Karte für Benatia die regeltechnisch richtige aber nach wie vor mit Blick auf den Fußball irgendwie unsinnige Folge. Das Unterzahlspiel der Münchner anschließend eine einzige Machtdemonstration. Mit nur neun Feldspielern brachte es der Champions League Sieger aus dem Jahr 2013 auf knapp 60 Prozent Ballbesitz, drehte die Partie nach einem blitzgescheiten Freistoß von Xabi Alonso und einem Kopfballtor von Robert Lewandowski noch vor dem Halbzeitpfiff zu seinen Gunsten. Dem englischen Meister fiel eigentlich nicht wirklich etwas ein, um den drohenden Vorrunden-K.O. noch abzuwenden, doch ausgerechnet Alonso spielte fünf Minuten vor Schluss Agüero auf Höhe der Mittellinie den Ball in den Fuß. Zielstrebig und mit hohem Tempo auf Manuel Neuer zulaufend, vollendete der kleine Argentinier aus schwieriger Position mit links und stellte auf 2:2. Doch damit nicht genug, der ansonsten starke und fehlerlos agierende Jérôme Boateng verteilte in der Nachspielzeit eine weitere Einladung. Und wieder nahm Agüero dankend an. Sein Dreierpack und der ziemlich glückliche 3:2-Sieg halten City im Rennen, große Spannung im finalen Showdown beim AS Rom damit garantiert. Nicht nur die Roma, auch ZSKA Moskau hat vor dem Schlussakkord in Gruppe E überraschend noch alle Möglichkeiten, müsste am letzten Spieltag dafür aber bei den Bayern mindestens punkten. Nach dem Last-Minute-Unentschieden gegen die Italiener (1:1) haben sowohl Moskau und Rom als auch Manchester fünf Punkte auf dem Konto. Eine kuriose Rechenkonstellation deutet sich an.

Völlig von der Rolle präsentierte sich dagegen der FC Schalke 04 im Heimspiel gegen Chelsea, die 0:5-Demontage gegen den Tabellenführer der Premier League im Ergebnis noch schmeichelhaft. Es war die erste Niederlage für Roberto di Matteo in der Veltins Arena – ausgerechnet gegen den Club, den er 2012 in der bayerischen Allianz-Arena zum Gewinn der Champions League führte. Ein Unterfangen übrigens, das José Mourinho in drei Anläufen mit den Blues noch nicht geschafft hat. In diesem Jahr aber ist der von Roman Abramowitsch aufs Neue millionenschwer gefütterte Topfavorit auf den englischen Meistertitel durchaus auch ein heißer Anwärter auf Europas Fußballkrone. Die Form stimmt. Als einzigem Vertreter von der Insel muss es Chelsea zugetraut werden, in die Phalanx der Favoriten aus Madrid, München und Barcelona einzubrechen. Mit diesen Gedankenspielen muss sich Horst Heldt auf Schalke nicht beschäftigen. Oder tut er es doch? Die Realität jedenfalls sieht grundlegend anders aus. Weil diese für den Schalke-Macher aber nicht immer bestimmendes Maß, könnte es durchaus sein, dass auch er schon über ein Halbfinale im Bernabéu sinniert. Zunächst allerdings müsste sein FC Schalke dafür erst einmal als Gruppenzweiter das Achtelfinale erreichen. Weil Sporting Lissabon im Parallelspiel NK Maribor 3:1 bezwang, haben die Portugiesen dahingehend nun die besseren Karten. Zwei Punkte Vorsprung auf Königsblau allerdings sind vor der Reise an die Stamford Bridge kein Ruhekissen. Es genügt ein Punkt, der direkte Vergleich mit S04 wurde gewonnen. Die Schalker unterdessen müssen in Slowenien unbedingt gewinnen, bei einer Niederlage in Maribor droht sogar Rang vier und damit das Verpassen der Europa League.

Der abschließende Gruppenspieltag der Bundesligisten

Dienstag, 9. Dezember 2014, 20.45 Uhr

Benfica Lissabon – Bayer 04 Leverkusen (Gruppe C)
AS Monaco – Zenit St. Petersburg

Borussia Dortmund – RSC Anderlecht (Gruppe D)
Galatasaray Istanbul – FC Arsenal

Mittwoch, 10. Dezember 2014, 20.45 Uhr

FC Bayern München – ZSKA Moskau (Gruppe E)
AS Rom – Manchester City

NK Maribor – FC Schalke 04 (Gruppe G)
FC Chelsea – Sporting Lissabon

Redaktion Magath & Fußball