Schlagwort-Archive: Ausgeglichenheit

Meister auf Abwegen


Veröffentlicht am 7. Oktober 2015

Neuzugang Hernanes (links) und Superstar Paul Pogba: Es läuft noch nicht rund bei der Alten Dame.

Neuzugang Hernanes (links) und Superstar Paul Pogba: Es läuft noch nicht bei der Alten Dame.

Juve sucht seine Form und hinkt hinterher

In den vergangenen vier Spieljahren entpuppte sich das Rennen um den Scudetto meist zu einer einseitigen Angelegenheit. Juventus Turin war in der Serie A das Maß aller Dinge und deklassierte den Rest der Liga zuletzt immer deutlicher. 2013/14 und 2014/15 betrug der Vorsprung der Alten Dame auf den Vizemeister AS Rom jeweils abenteuerliche 17 Zähler. In vier Jahren und 152 Meisterschaftsspielen wurden 109 Siege eingefahren, dabei stolze 360 Punkte erreicht und nur zehnmal verloren. Keine andere Mannschaft aus Europas Top-Ligen hatte im gleichen Zeitraum weniger Niederlagen zu verzeichnen, Barcelona (14), Bayern (15), Paris (16) und Real Madrid (18) wurden allesamt öfter bezwungen. In dieser Saison allerdings scheint alles anders. Zwar waren leichtere Startschwierigkeiten beim Double-Sieger und Champions League Finalisten durchaus zu erwarten gewesen. Dass Juventus nach sieben Spieltagen aber noch nicht einmal in der oberen Tabellenhälfte zu finden ist und mit drei Niederlagen bereits ebenso viele wie in der kompletten Vorsaison aufweist, überrascht sehr. Auch acht Gegentreffer nach sieben Spielen sind ungewöhnlich für eine der europaweit am schwierigsten zu bezwingenden Defensivreihen, zumal diese personell unverändert. Gegen das Tabellenschlusslicht Bologna brauchte es am Wochenende erneut erst einen frühen Rückstand, ehe sich die Bianconeri berappelten und ihren zweiten Saisonsieg einfuhren. Beim 3:1-Sieg über den Aufsteiger auch ein deutscher Weltmeister unter den Torschützen: Sami Khedira bot in der Zentrale wie schon in der Champions League gegen Sevilla eine vielversprechende Vorstellung. Überhaupt läuft es für Juventus auf internationalem Parkett bislang bedeutend besser. Ein 2:1-Auswärtserfolg bei Manchester City und der überlegene 2:0-Heimsieg über den Europa League Sieger bedeuten sechs Punkte und Gruppenplatz eins.

Von der Tabellenspitze in der Serie A ist das Team von Massimiliano Allegri derzeit hingegen noch ein gutes Stück entfernt. Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf den AC Florenz, der unter seinem neuen Coach Paulo Sousa – in Turin und Dortmund erinnert man sich gern an den Portugiesen – sechs seiner ersten sieben Partien gewann. Die Tabellenführung holte sich die Fiorentina mit einem fulminanten 4:1-Auswärtssieg über Inter Mailand am sechsten Spieltag im San Siro. Es folgte am Wochenende ein ungefährdeter 3:0-Sieg über Atalanta Bergamo, das Team scheint gefestigt. Auch die Serie A besticht in dieser Saison bislang durch ihre Ausgeglichenheit: Die Spitzengruppe um Florenz, Inter und die beiden Hauptstadtclubs ist eng beisammen und vieles deutet darauf hin, dass es 2015/16 bis ins Frühjahr wesentlich knapper zugehen wird als in der jüngeren Vergangenheit. Im Kampf um die Meisterschaft sollte man zudem den SSC Neapel im Auge behalten. Nach dem Weggang von Rafael Benítez in Richtung Madrid findet Napoli unter Maurizio Sarri allmählich zu alter Spielstärke, hat in Gonzalo Higuaín und Lorenzo Insigne das treffsicherste Offensivduo der Liga in seinen Reihen. Die Süditaliener allerdings noch zu unbeständig, dem 5:0-Kantersieg über Lazio Rom ließ man ein biederes 0:0 gegen Aufsteiger Carpi folgen, nur um anschließend Meister Juve 2:1 und den AC Mailand 4:0 zu besiegen. Das Tabellenende zieren über die Länderspielpause unterdessen die Aufsteiger: Carpi, Frosinone und Bologna werden es schwer haben, die Liga zu halten.

Redaktion Magath & Fußball

Verkehrte Welt


Veröffentlicht am 6. Oktober 2015

Überraschender Tabellenführer in Spanien ist nach sieben Spieltagen der FC Villareal.

Überraschender Tabellenführer in Spanien ist nach sieben Spieltagen der FC Villarreal.

Spannung in der Primera División

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde in der Bundesliga allerorts vor sogenannten „spanischen Verhältnissen“ gewarnt. Gemeint war damit die sich anbahnende Über-Dominanz der Bayern und Dortmunder, die zwischen Hamburg und Stuttgart, Gelsenkirchen und Bremen für lange Gesichter sorgte. Ein Zweikampf auf unbestimmte Dauer zeichnete sich ab, ähnlich dem, der in der Primera División seit Jahrzehnten schon tobt. Von den letzten 31 ausgespielten Meisterschaften gingen in Spanien 26 mit bisweilen riesengroßen Abständen entweder an Real Madrid oder den FC Barcelona, nur Atlético Madrid (1996, 2014), der FC Valencia (2002, 2004) sowie Deportivo La Coruña (2000) schafften es, in die elitäre Phalanx der Dauerrivalen einzubrechen. Ein ähnliches Szenario deutete sich an, als Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp den Bayern einige Jahre in Folge gehörig auf die Pelle rückte, 2011 und 2012 sogar zweimal in Serie den Titel gewann und gemeinsam mit dem Rekordmeister alle anderen Clubs deutlich distanzierte.

In der Bundesliga ist die Angst vor einem dauerhaften Zweikampf um die Schale nunmehr längst der Realität eines bajuwarischen Meisterschaftsmonopols gewichen, von „spanischen Verhältnissen“ spricht niemand mehr. Dagegen wirkt die Primera División nach sieben absolvierten Runde 2015/16 ebenso erfrischend wie erstaunlich ausgeglichen. Das Tabellenbild spricht eine durchaus gewöhnungsbedürftige Sprache: Die Mannschaften auf den ersten acht Plätzen trennen lediglich fünf Punkte, Triple-Sieger Barcelona hat öfter verloren als der SD Eibar und Celta Vigo hat genauso viele Treffer erzielt wie das Starensemble der Königlichen um Super-Kanonier Cristiano Ronaldo.

Am siebten Spieltag konnte kein Club der Top-Sechs einen Dreier landen, dafür gewannen sowohl der vormalige Tabellen-15. und 16. als auch der 18. und 19. ihre Partien allesamt. Gleich vier Teams verpassten den Sprung an die Tabellenspitze, die trotz einer 0:1-Niederlage in Levante nun über die Länderspielpause hinweg der FC Villarreal innehält. Das „gelbe U-Boot“ nach sieben Spielen bei fünf Siegen und 16 Punkten angelangt, dicht gefolgt von Real Madrid, Celta Vigo und dem FC Barcelona (alle 15 Zähler). Real kam im Stadtderby gegen Atlético nur zu einem glücklichen 1:1, Celta im Heimspiel gegen Getafe nicht über ein 0:0 hinaus und Barca scheiterte beim FC Sevilla an sich selbst, verlor nach fünf Aluminiumtreffern im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán sogar mit 1:2. Zwar bleibt zu befürchten, dass diese Ausgeglichenheit an der Spitze der wohl besten Liga der Welt nicht bis zum Saisonende anhalten wird, in der Bundesliga hätten wir die gegenwärtigen „spanischen Verhältnisse“ dennoch liebend gern.

Redaktion Magath & Fußball

Vielfalt ist Trumpf


Veröffentlicht am 14. Juli 2015

Die Sensation ist perfekt: Guaraní steht erstmals im Halbfinale. Hier bejubelt das Team aus Paraguay den 1:0-Sieg bei Corinthians São Paulo im Achtelfinale.

Die Sensation ist perfekt: Guaraní steht erstmals im Halbfinale. Hier bejubelt das Team aus Paraguay den 1:0-Sieg bei Corinthians São Paulo im Achtelfinale.

Ein Ausblick auf das Halbfinale der Copa Libertadores 2015

Die Copa América ist gerade erst zu Ende gegangen, da leuchtet der südamerikanische Kontinent schon wieder im Zeichen hochklassigen, internationalen Fußballs. Das Halbfinale der Copa Libertadores steht an – und ist als Äquivalent zur europäischen Champions League zweifellos einer der traditionsreichsten und abwechslungsreichsten Vereinswettbewerbe der Fußballwelt. Seit 1960 zählte die ursprünglich unter dem Namen Copa Campeones de América ausgetragene Meisterrunde 25 verschiedene Titelträger. Stolze 23 der bislang ausgespielten 55 Meisterschaften gingen nach Argentinien: der in Avellaneda ansässige Club Atlético Independiente mit der perfekten Bilanz von sieben gewonnenen Endspielen Rekordsieger, dicht gefolgt von den Boca Juniors mit sechs Triumphen. Mit vier gewonnenen Trophäen zählt auch Estudiantes de La Plata zu den erfolgreichsten Adressen in der Geschichte der Copa Libertadores, einzig Club Atlético Peñarol aus der uruguayischen Hauptstadt Montevideo konnte die argentinische Phalanx an der Spitze dieser Rangliste durchbrechen und den Pokal seinerseits bereits fünfmal in Empfang nehmen. Auch 2014 ging „La Copa“ nach Argentinien: Der Papst-Club CA San Lorenzo de Almagro erreichte in Asunción, der Hauptstadt Paraguays, bei Club Nacional zunächst dank eines Treffers in der Nachspielzeit ein 1:1-Unentschieden. Das darauffolgende Rückspiel in Buenos Aires gewann man unter der Leitung des einstigen argentinischen Nationalspielers Edgardo Bauza mit 1:0, San Lorenzo sicherte sich somit den ersten großen Titel seiner Vereinshistorie. Es spricht für die enorme Ausgeglichenheit der südamerikanischen Spielklassen, dass es keine der beiden Mannschaften in diesem Jahr über die Gruppenphase hinaus ins Achtelfinale schaffte. Während der Titelverteidiger automatisch gesetzt war, verpasste Club Nacional gar die Qualifikation für die Gruppenphase. Gleiches ist in Europa undenkbar, wo die besten Plätze an den größten Champions League Fleischtöpfen praktisch im Vorfeld fest vergeben sind. Nicht so bei der Copa Libertadores: Hier sah man in den zurückliegenden vier Jahren sage und schreibe 16 verschiedene Halbfinalisten. Weiterlesen

Aufstand der Zwerge


Veröffentlicht am 22. September 2014

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Ungewohntes Tabellenbild nach Spieltag vier

Anders als in allen anderen Spitzenligen Europas kann in der Bundesliga jeder jeden schlagen, so heißt es. Wenngleich auch in Premier League, Primera División, Serie A oder Ligue 1 immer wieder Sensationen zu bestaunen sind, so ist ein Spieltag doch nirgendwo sonst so schwierig vorauszusagen wie in Deutschland. Erst das vergangene Fußballwochenende führte diesen Beweis aufs Neue. Wer den SC Paderborn nach vier Spieltagen mit acht Punkten an die Tabellenspitze getippt hätte, dicht gefolgt von Mainz 05 und Hoffenheim, der wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für verrückt erklärt worden. Überraschungen, ein Torwart-Rekord und ein Treffer aus sage und schreibe 82,3 Metern Entfernung – das Bundesliga-Wochenende hatte es in sich. Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt nicht. Weiterlesen